das andere
Fiktion
Gearbeitetes
Gebautes
Geduschtes
Gefundenes
Gehörtes
Gekochtes
Gelesenes
Gelistetes
Gequotetes
Geschriebenes
Gesehenes
Gespieltes
Gestandenes
im Suff
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon

 
Gestern Abend hatte ich ein hervorragendes Telefonat mit meiner lieben Freundin, der Ergotherapeutin. Die hat sich erst mal über den Job ausgekotzt, und dann haben wir uns noch mit unserem jeweiligen Liebesleben aufgezogen. Sie die keines hat, und ich der keines haben darf. Und wenn sie wüsste, dass ich davon ein Transkript (nicht original Wortlaut, sondern bestenfalls im Sinne des Gesprächs wieder gegeben) online stelle, würde sie mich ohne zu zögern meucheln. Naja, was sein muss, muss sein :)

[... Sie fetzt sich grad voll darüber ab, dass ich jetzt das süßeste Mädel am Bett sitzen haben könnte, die spitz und willig wäre, und ich ihr sagen müsste "Nein, ich darf nicht. Das macht mein Herz nicht mit."]
BM: Ja, als ob Du wüsstest welchen Spaß ich da versäum...
ET: Wie bitte?!
BM: Na etwa nicht?
ET: Was hab ich Dir leicht erzählt?!?
BM: Ich dachte Du hattest noch nie einen Freund?
ET: Ja eh... (unausgesprochenes 'ABER')
BM: Oh.
ET: Naja, wenn ich angesoffen war, soll das schon vorgekommen sein.
BM: Und ich hab dich für eine moralisch hochwertige Person gehalten!
ET: Ich war vielleicht zu betrunken um mich an den 'Spaß' zu erinnern, aber dafür war das aufwachen am nächsten Morgen umso besser, wenn ich den Typen aus dem Bett trette und sage "Du findest den Weg zur Tür ja, oder?".
BM: Achso, ich hab ja nicht wissen können, das Du so eine Schlampen bist.
[Die gute Frau Ergotherapeutin regt sich darüber auf, dass ich gemein bin, während ich vor mich hinkicher.]

Hachja, das war ein gutes Telefonat gestern :)

- BM out -

Der Zweck heiligt die Kuh.

mhm.

- BM out -

Heute hatte ich schon am Vormittag genug Aufregung für den restlichen Tag.
Als ich nämlich zum praktischen Arzt hier komme, um mich krank schreiben zu lassen, erklärt mir die Rezeptionistin dass meine ecard nicht hinterlegt ist. Ich bin nicht versichert.

Das ist natürlich spannend, da ich mich ja gleich nach meiner Rückkehr beim AMS gemeldet hatte und meine Mum, als ich ins Krankenhaus geliefert wurde, gleich bei denen angerufen hat und schon verschiedene Zettel hin- und hergefaxt wurden.

Denn das Szenario, dass ich nicht versichert bin, aber einen 9-tägigen Krankenhaus-Aufenthalt inklusive Helikopter-Einsatz nun aus eigener Tasche zahlen darf, hat bei meiner Familie nicht gerade zu folklorischen Tanzdarbietungen geführt. Sowas ist ja unleistbar.

Nach einigem rumtelefonieren mit AMS und Krankenkassa hat sich herausgestellt, dass eh alles seine Richtigkeit hat und ich versichert bin. Lediglich das ecard-Programm hatte ein Problem damit, dass ich am selben Tag in verschiedenen Krankenhäusern aufgenommen worden bin, und deswegen meinen Status gelöscht und auf manuelle Korrektur gesetzt ...was halt nur keinem aufgefallen ist.
Zum Glück bin ich bei der Krankenkassa an eine sehr freundliche, hilfsbereite und kompetente Frau geraten, die das Problem innerhalb von Minuten erkannt und gelöst hatte.

Mit meiner wieder aktivierten ecard wars dann auch kein Problem mehr für die Rezeptionistin beim praktischen Arzt, mich krank zu schreiben und an den Internisten zu überweisen. Aber spannend war die Situation davor schon :)

Es ist übrigens extrem lustig, wenn man an seinem Geburtstag dauernd irgendwelchen Leuten seine Versicherungsnummer ansagen darf, aber es kaum wem auffällt, dass er einen mit Gratulationen eindecken darf :)

- BM out -

Wenn ich dann irgendwann mal wieder gesund genug bin um wieder arbeiten zu gehen, habe ich nun endlich auch die richtige Branche gefunden, in der ich tätig werden will.

administratives Organisations-Management

Kann bitte wer die nächsten Monate nutzen um diesen Berufszweig zu gründen? Danke!

- BM out -

9 Tage ohne Internet sein tut nicht weh.
9 Tage Webcomics nachlesen auch nicht.
Hossa, gehts mir gut. Vorallem, wenn sowas auf einen wartet..



- BM out -

Nethack. Ich liebe es. Ein kleines Programm in ASCII-Grafik, bei dem sich ein Abenteurer durch einen zufalls-generierten Dungeon schnetzelt und zaubert , auf der glorreichen Suche nach dem Amulett von Yendor.
Trotz, oder wahrscheinlich gerade wegen, der zweckmässigen Darstellung, dem flotten Spielprinzip aber den vielfältigen Möglichkeiten erzeugt das Spiel einen ganz eigenen Sog. Und man erlebt aufregende Abenteuer, die man sich halt selbst erzählt, die man mit seiner Vorstellungskraft in den bunten Farben ausmalt, welche die Buchstaben-Grafik nicht bieten kann.
Ich spiele Nethack nicht ernst genug um wirklich lange zu überleben, bin nicht vorsichtig und zurück haltend genug. Gefundene Gegenstände lege ich an, obwohl sie verflucht sein könnten, getötete Monster esse ich, auch wenn sie giftig sein könnten und Zauberbücher lese ich, selbst wenn der Intellekt meines Charakters nicht dafür ausgelegt ist. Ein aufregender Lauf durchs Verlies mit einem spektakulären Abgang und dabei großartige Gegenstände finden - mehr erwarte ich nicht.

Doch manchmal ergeben sich tatsächlich aufregende Geschichten, wenn ich Nethack spiele. Eine davon, ist diese...


Sie blinzelt als sie den Eingang in das Verlies durchschreitet. Mit einem mal ist es stockdunkel, das bis gerade eben gleissende Sonnenlicht mit einem mal verschwunden. Es ist als ob der finstere Höhlenschlund das Licht und alle Helligkeit mit sich verschluckt.
Meschlan tastet sich vorsichtig voran, der Boden ist zwar uneben aber von den vielen Abenteurern vor ihr glatt poliert. Sogar die Geräusche des Waldes sind mit einem mal verschluckt, und auch alle anderen Geräusche scheinen von den kalten Steinwänden absorbiert zu werden. Sie schluckt schwer. Worauf sie sich da bloß eingelassen hat?
Ihren rechten Arm am Schwertknauf und die Zügel ihres Pony in der anderen Hand schiebt sich die junge Ritterin weiter, bis sie zu dem Treppenabsatz kommt. Genauso wie man es ihr gesagt hatte. Während sie die gewundene Treppe hinabsteigt, stellt sie fest, dass sich ihre Augen an die dunkle Umgebung gewohnt haben. Zuerst sind es bloß schwache Schemen und Konturen die sie wahrnehmen kann, dann wird die Dunkelheit um sie immer kontrastreicher bis sie wieder beinahe normal sehen kann. Als ob die Abwesenheit des Lichtes der Dunkelheit ein eigenes Leuchten abringt, dass es an der Oberwelt nicht gibt.

Endlich erreicht sie das Ende der Treppe und findet sich in der ersten große Halle des unterirdischen Verlieses wieder. Niemand weiß wieviele Etagen das Verlies haben soll, die wenigsten Abenteurer die es betreten haben, sind jemals zurück gekehrt. Die wenigen die es wieder an die Oberfläche geschafft haben, waren kaum tiefer als zum 7. Stockwerk gekommen, bis sie es mit der Übermacht an Monstern nicht mehr aufnehmen konnten und geflohen sind. Doch das waren meist goldgierige Draufgeher gewesen, übermütige Glücksritter und Recken die bloß auf Ruhm aus waren.
Sie jedoch, Meschlan die Ritterin, war eine Auserwählte. Ihr Gott, Lugh, hatte sie erwählt um in den Tiefen des Verlieses nach dem heiligen Amulett von Yendor zu suchen. Sie würde es finden, zurück an die Oberwelt bringen, und so ihrem Gott einen heiligen Dienst erweisen. Es war ihre Bestimmung, dafür war sie geboren worden, dafür war sie ihr Leben lang trainiert worden.

Sie warf einen Blick durch diesen ersten Raum und konnte schon am anderen Ende einen Durchgang ausmachen. Die Decke der behauenen Höhlen war hoch genug um zu reiten, und zu Pferde, bewaffnet mit ihrer Lanze würde keines der Monster von denen ihr erzählt wurde, eine Chance haben. Sie würde durch die Horden pflügen und Tod säen.
Die Zügel in der Hand, stieg sie in den Steigbügel um sich in den Sattel zu schwingen... und rutscht ab, fällt zu Boden. Autsch. Sie muss auf einen spitzen Stein am Boden gefallen sein, denn sie konnte spüren, dass sie sich dabei ernsthaft verletzt hatte. Doch darum würde sie sich später kümmern, nun musste sie erstmal weiter.
Sie rappelte sich auf, nahm wieder die Zügel in die Hand und stemmte ihren rechten Fuss in den Steigbügel. Doch statt im Sattel zu landen, krachte sie wieder zu Boden. Wie gab es denn das? Das war ihr noch nie passiert. Selbst bei ihrem ersten Reitversuch war es ihr gewesen, als ob sie auf dem Rücken eines Pferdes geboren wurde. Ob es an dieser dunklen, verfluchten Höhle lag?
Ihr Pony schaute sie mit großen Augen an und blähte die Nüstern auf. Es schüttelte den Kopf und gab ein belustigtes wiehern von sich, als ob es sich fragte, warum Meschlan dauernd abrutschte statt wie gewohnt im Sattel zu bleiben.

Meschlan, sich die schmerzenden Stellen reibend, stampft wütend auf den Boden. Wie auch immer sie da gefallen war, es hatte wirklich weh getan und sie somit erbost. Das konnte doch wirklich nicht angehen, dass sie, als waschechte Ritterin, nicht auf ihrem Ross durch dieses Verlies reiten sollte um den ganzen Monstern den Gar aus zu machen, daran scheitern das Amulett von Yendor zu finden und in Lughs Tempel zu bringen. Sich-er-lich nicht!
Zügel in der Hand, Fuss am Steigbügel, hochziehen ...wieder fällt sie zu Boden. Doch diesmal rührt sie sich nicht mehr. Ihr Ross bleibt noch ein paar Minuten stehen und schaut sie erwartungsvoll an.
Es ist still in der Höhle. Nur ein leises Kichern ist von irgendwo zu hören.

Ich möchte mal Schriftsteller sein. Autor eines Buches. Das ist vielleicht bekannt, vielleicht auch manchmal hier bemerkbar. Bisher habe ich jedoch nur Kurzgeschichten und Essays zustande gebracht und einen kleinen Berg an unvollständigen Romanen, den, bis auf wenige Ausgewählte, keiner zu Gesicht bekommt.

Doch wenn ich es jemals schaffen sollte ein Buch zu schreiben, es wirklich von Anfang bis Ende (inklusive Mittelteil!), vielen Seiten und Kapiteln, also wirklich dem gesamten Drum-und-Dran durchziehe ...dann wäre es wohl so ein Buch wie "Die Normalen" von David Gilbert.

"Die Normalen" erzählt die Geschichte von Billy Shine, Ende 20, der eigentlich ein gutes Leben führen könnte. Er hat einen Elite-Uni-Abschluss, aber ernsthaft arbeiten und damit Geld verdienen will er nicht ...und das obwohl er einen massiven Schuldenberg abzuarbeiten hätte, mit dem er sich das Studium finanziert hat. Er hat eine attraktive Freundin ...aber sie sind nicht wirklich zusammen, mehr zusammen gewachsen. Und sowieso und überhaupt. Er könnte, wenn er nicht so voller Zweifel wäre, ein gutes Leben führen.

Statt dessen beschliesst er an einem Medikamenten-Test teilzunehmen. Als 'Normaler', also gesunde Person, an der die Gegenanzeigen eines Psychopharmaka aufgewiesen werden sollen. Für 2 Wochen kommt er in die Test-Klinik um mit 25 anderen gratis zu wohnen und 3 tägliche Mahlzeiten zu bekommen. Morgens seine Tabletten nehmen und Nachmittags eine Blutabnahme. Fertig - und dafür bekommt er auch noch 2.000 Dollar.
Diese zwei Wochen sind nicht bloß eine Flucht vor dem Schulden-Eintreiber Ragnar, sondern vor allem der Versuch vor sich selbst zu flüchten.

Doch womit auch immer Billy gerechnet hat, dass in diesen 2 Wochen passiert, die Gruppen-Dynamik und die Auswirkungen des Medikaments gehören eindeutig nicht dazu. Und dazwischen hat er viel freie Zeit um über seine Vergangenheit, seine Gegenwart und die Zukunft - sofern er eine hat - zu reflektieren. Willkommen bei einer wilden Achterbahn-Fahrt.

Was mir an diesem Buch wohl am besten gefallen hat, sind nicht die vielen schrägen, aber dennoch nachvollziehbaren Charaktere. Es ist auch nicht die Tatsache, dass obwohl Billy mit seinen Problemen wohl einzigartig ist, er dennoch stellvertretend für uns alle steht, die glauben mit ihren Problemen einzigartig zu sein. Es ist auch nicht die Geschichte, die mit ihren vielen kleinen Nebenplots und Billys Abschweifungen sehr abwechslungsreich bleibt, ohne den roten Faden zu verlieren.
Nein, was mich am meisten begeistert hat, ist die Art und Weise wie David Gilbert mit den Wörtern umgeht, aus denen er seine Geschichte konstruiert. Seine Erzählstruktur, die Sätze die er baut, wie er die Wörter zu diesem genialen Text verwebt. Denn so vieles, dass in diesem Buch vorkommt, erinnert mich daran, wie ich schreibe, oder was ich schon oft versucht habe zu schreiben. Sogar Stilmittel, mit denen ich erst kürzlich begonnen habe rumzuexperimentieren, finden sich in diesem Buch wieder!

Tja, es ist fraglich ob ich es jemals fertig bringe einen Roman zu schreiben, auch wenn ich jetzt wohl endlich die Zeit dazu habe. Aber für all jene, die nicht solange warten wollen, bis es bei mir endlich so weit ist, empfehle ich in der Zwischenzeit einfach mal "Die Normalen". Das sollte einen Einblick darin geben, wie es wohl wäre, wenn es bei mir mal soweit ist.

- BM out -

Wenn eine Serie wie "Baywatch" nach Hawaii verlegt werden kann, dann geht das auch mit anderen Serien. Da ich jetzt eine Fernseh-Banause bin, gibt es nur eine Serie die ich gut genug kenne, um sie an einen anderen Ort verlegen zu können: die Arzt-Serie "Scrubs".
Natürlich würde ich sie wohin verlegen, wo ich mich auskenne und mitreden kann... z.B: ins Landeskrankenhaus Hollabrunn, wo ich jetzt selbst einige Zeit verbracht habe.

Letzte Woche, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, kurz nach Mitternacht als ich gerade schlafen gehen will, bemerke ich einen Druck auf der Brust. Eher unangenehm als schmerzend. Ich muss beim Lesen blöd gelegen sein, mich verspannt haben.
Der Druck wird immer schlimmer, ich finde keine Position in der ich so einschlafen kann. Mittlerweile tut das richtig weh.
Also jammre ich im Nebenzimmer meine Mutter voll. Die schaltet selbstverständlich sofort in den "Besorgnis"-Modus. Wir messen Blutdruck, der wesentlich höher ist, als bei mir üblich (zum Glück habe ich mich in den Tagen zuvor spasshalber mit ihrem Blutdruckmesser rumgespielt und uns so Vergleichswerte besorgt). Der Ärzte-Notdienst, den meine Mum als nächstes konsultiert, schickt mich ins Spital.
Und so kommen wir gegen 02:30 in der Früh im KH Hollabrun an.

Ich werde auf eine Liege verfrachtet, und die verlasse ich dann auch nicht mehr. Ich bin Patient und werde geschoben. EKG, Blutabnahme, Lungenröntgen ..und schon werde ich auf ein Zimmer verlegt.
"Das EKG ist nicht eindeutig und auch der Bluttest hat Auffälligkeiten.", wird mir erklärt. Noch mehr Blutabnahmen, noch ein EKG, Thrombose-Spritze, Infusion. Man weiß offensichtlich nicht genau was das Problem ist, nur das es ernst ist. Das dürfte auch dem alten Herren, in dessen Zimmer ich da mitten in der Nacht einfalle, klar sein, denn der nimmt den nächtlichen Aufruhr ziemlich gelassen.
Mittlerweile ist längst klar, ich bleibe über Nacht. Gegen halb 4 ist es dann ruhig, die Schmerzen in der Brust und Rücken sind zurück gegangen und ich schlafe erschöpft ein.

Am nächsten Morgen, ich wache um 7h auf, bin ich weiterhin schmerzfrei, spaziere rum, rechne mit meiner baldigen Entlassung und dass man wohl nicht drauf kommt, was der Spuk der letzten Nacht war.
Das Frühstücks-Tablett darf ich aber noch eine Weile nicht anrühren. Ich muss für ein paar weitere Blutabnahmen nüchtern bleiben. Mein Lebenssaft wird also in beschriftete Phiolen abgezapft, und ich bilde mir ein, unter den anwesenden Schwestern und Ärzten gierige Blicke und Zungen die über Eckzähne gleiten zu sehen. Einbildung, bestimmt! ['Dr. Acula' ist eingetragenes Markenzeichen von Dr. John Dorian (Anm. des Verfassers)]. Und dann frühstücke ich erst recht kaum was, weil eh nicht hungrig.

Dann bekomme ich ein EKG umgeschnallt, bei dem die Kabel in ein Kastl wandern, dass ich um den Hals gehängt bekomme, dass die Daten an einen überwachten Monitor funkt. Ich fühle mich plötzlich wie Darth Vader. Überall Kabel und Schläuche, alles was ich trage ist schwarz (meine Boxershorts)... damm-damm-damm ta-da-da ta-da-da...

Kurz vor 9 wird mir bewusst, dass dieser Druck wieder da ist. Wieder beginnt dieser Schmerz und ich kann kaum grad liegen.
Ich rufe eine Schwester, die ruft einen Arzt, und plötzlich wird es hektisch. Man schiebt meine Liege auf die "Herzüberwachungsstation" und meint noch zu mir "dort ist es leider nicht ganz so gemütlich, wie in dem Zimmer eben". Untertreibung pur.

Zig Leute die gleichzeitig an mir rumhantieren. 2 Infusionen, wieder werden mir ein paar Blutampulen abgenommen, Herz-Ultraschall, EKG, ein paar zusätzliche Blutabnahmen. Dann wird rumtelefoniert. Von dem was ich aufschnappe, schliesse ich eigentlich darauf, dass da von einem anderen Patienten die Rede sein muss. Akuter Vorderwand-Herzinfarkt?! Ich bin 26, rauche nicht, trinke selten Alkohol, andere Drogen rühr ich gar nicht an, achte seit einigen Jahren auf meine Ernährung, bin fit ... Hallo?!
Der Schmerz in meiner Brust vergeht dazwischen irgendwann wieder langsam aber doch, dem Nitrat-Spray sei's gedankt.
Dann wendet sich der junge Arzt, der sich schon in der Nacht zuvor um mich gekümmert hat an mich: "Wir werden sie jetzt nach St. Pölten verlegen." Ok, von mir aus... "Die Kollegen dort haben bessere Möglichkeiten, wenn ein Katheder gelegt werden muss." Katheder? "Der Hubschrauber müsste in 10 bis 15 Minuten da sein." Hubschrauber?!? Hubschrauber sind doch nur für ... Notfälle...

Das Hubschrauber-Team verpackt und verschnürt mich handlich ("Der Heli ist halt ein bissl kleiner als so eine Überwachungsstation."), und schon rolle ich weiter, aus dem Krankenhaus ins Freie, in den Heli. Man erklärt mir, dass ich mich nicht schrecken soll, auch wenns ein wenig laut wird - nach St. Pölten sind es nur knapp 15 Minuten, mit Rückenwind weniger.

Ich bin nicht sicher, ob jemand meine Enttäuschung darüber versteht, dass ich meinen ersten Heli-Flug auf dem Rücken liegend verbracht habe und trotz des traumhaften Wetters von der Landschaft nichts gesehen habe.
Ich bin aber auch nicht sicher, ob irgendjemand versteht, wie positiv überrascht ich war, dass sich der Heli-Flug dem sehr ähnlich angefühlt hat, was ich vom "Battlefield 2" spielen kenne.

Im Landesklinikum St. Pölten hat sich dann wieder alles von vorne wiederholt. EKG, Blutabnahmen (auch in die zweite Armbeuge krieg ich eine Kanüle gejagt), Röntgen, mehrere Ultraschall-Untersuchungen, Fragen. So liege ich auf der Liege, mein Blick seit Stunden auf das wenige limitiert, dass sich auf der Decke abspielt, oder es schafft sich mehr als eineinhalb Meter vom Boden abzuheben.

Dann der schmeichelhafte Dialog:
Ärztin: "Wie groß und wie schwer sind Sie?"
BM: "Zirka 1,73 und 75- 80 kg. Genau weiß ich es nicht."
Ärztin *mich genau musternd*: Na, das glaub ich nicht. Maximal 75 kg."
Schwester *schaut mich genauso genau an*: "Naja, da ist ja einiges Muskeln."
Ärztin: "Na gut, ich schreib einfach 75."

Wenigstens ist dann nach dem vierten Herz-Echo sicher, dass ich keinen akuten Herzinfarkt entgegenblicke. Die schon in Hollabrunn vermutete Virus-Infektion schaut als gesicherte Diagnose aus.
Und schwupps lande ich auf der hübschen, modernen, hellen Herzüberwachungsstation. Dort werde ich auch gleich wieder mehrfach verkabelt und an einen Monitor angeschlossen, der ständig meinen Blutdruck, Puls und Atemfrequenz anzeigt. Das bringt mich im weiteren Verlauf natürlich zum Experimentieren.

Ändert sich der Puls wenn ich klassische Musik höre oder Rock?
Was passiert wenn ich an den Skydive oder den Canyon Swing denke?
Wenn ich die hübsche Schwester genauer anschaue, die selten ins Zimmer kommt, oder die weniger hübsche, die meistens da ist?
Wenn ich mich an Sex erinnere?
Naja, da tut sich nicht wirklich was. Zumindest kann ich es nicht beweisen, dass es da direkte Einflüsse gibt. Nur das daran denken und sich erinnern reicht nicht aus, um dem Monitor großartige Skalawechsel und steile Kurven zu entlocken. Eine Enttäuschung, aber ein großartiger Zeitvertreib. Denn lesen ist sehr unangenehm, da ich die Arme mit den Kanülen drin, dafür abwinkeln müsste.

Dann die Schichtübergabe bei den Schwestern. Die Schichtendende geht mit der Beginnenden von Bett zu Bett, erklärt was zu tun ist, etc.
"Das ist der BM. Der darf alleine auf die Toilette gehen."
Die neue Schwester nickt mir lächelnd zu.
Ich recke die geballte Faust in die Höhe, "Was will man mehr?"
Beide grinsen. "Und morgen früh darf er duschen gehen."
Genau _das_ will man mehr. Wahnsinn, soviel Freiheit, soviel Luxus! Denn selbst wenn man die ganze Zeit nur in der Boxershorts rumliegt und auf seiner Liege liegend rumgeschoben wird, es ist erstaunlich wie grauslich man sich ohne eine morgendliche Dusche fühlen kann.

Ich stelle mich eigentlich auf eine ruhige Nacht ein, als gegen 20h der Schmerz in meiner Brust wieder auftaucht. Wenn ich dabei ruhig liegen könnte, wäre es mir fast egal. Schmerzen bedeuten mir normalerweise nichts. Aber nicht bei diesen Attacken.
Ich informiere die Schwester, sie macht ein EKG und holt meinen Arzt. Obwohl weiterhin die Ähnlichkeiten zu einem Herzinfarkt auftauchen, ist klar, dass es von meiner Entzündung kommt. Man bietet mir eine Schmerzmittel-Infusion an, aber da ich nicht auf Drogen stehe, lehne ich das ab. Irgendwann lässt der Schmerz nach, schlafe ich ein.
Dazwischen wache ich immer wieder mal auf, oder werde geweckt weil ich wiedermal für eine Blutprobe herhalten soll. Mittlerweile bin ich zerstochen genug um in einem Drogenfilm als Komparse auftreten zu dürfen. Sogar in Schenkel und Bauch sind Löcher zu finden, als ob mich das Heroin zur Verzweiflung geführt hat, weil ich kaum noch unangestochene Venen an den Armen und Händen habe. Die Realität zeigt dort die Spuren der Thrombose-Spritzen.

Der nächste Morgen bringt nicht nur gewohntes Krankenhaus-Frühstück, übliche Blutabnahmen (irgendwann werden die ein hohles Schlürfgeräusch aber keinen roten Tropfen mehr bekommen, wenn das so weitergeht) und die erhoffte Dusche. Aber auch die Visite meines Arztes und viele klärende Worte.

Ich habe eine Myokarditis. Eine Entzündung des Herzmuskels, ausgelöst durch eine virale Infektion (meine fiebrige 2-Tages-Magen-Darm-Grippe vom Dienstag). Sowas kommt relativ häufig vor, wird aber meistens nicht entdeckt und somit nicht rechtzeitig behandelt. (Und da glaubt man jahrelang diese Warnung, dass sich eine Grippe aufs Herz schlagen kann, ist ein blöder Spruch..). In solchen Fällen wird das Herz laufend geschwächt, bis man dann 30 Jahre später im Spital liegt und auf ein Spenderherz für eine Transplantation hofft.
Man muss nur die Alternative wissen, damit klar wird, dass der von den Ärzten geplante Weg für mich sinnvoller ist.
Ich werde einige Monate Blutdruck-regulierende Medikamente einnehmen müssen. Das ist nicht das Problem. Aber die grundlegende Devise für meine Genesung lautet: schonen, schonen, schonen.
Ich darf mich nicht (über-)anstrengen, Sport betreiben, schwer heben/tragen (schwer = über 3 - 5kg!), etc. damit sich mein Herz von der Schädigung erholen kann, und die bleibenden Schäden minimal bleiben. Die Aussicht auf eine mehrmonatige Rekonvaleszenz finde ich aber nicht grad erfrischen, ich bin aber auch nicht dumm genug, jetzt die Warnungen zu überhören und es gleich zu übertreiben, wo ich nun nach über einer Woche endlich aus dem Spital entlassen wurde.

Apropos Spital: Ich wurde dann noch am Freitag Vormittag wieder zurück nach Hollabrunn überstellt. Diesmal natürlich im Ambulanzwagen und nicht wieder mit dem Helikopter. Aber auch das war ein Erlebnis. Blaulicht erlaubt immerhin, dass man einen Stau auf der Gegenfahrbahn überholt. Hossa! Und immerhin habe ich ein wenig Umgebung durch die Heckscheibe gesehen. (Der Heli-flug war trotzdem besser *bg*)

Tja, und so lag ich dann wieder im Hollabrunner Krankenhaus, teilte mir ein Zimmer mit zwei >70-jährigen, hatte einige Tage wieder meinen Darth-Vader-EKG-Apparat um den Hals hängen. Diese Telemetrie erlaubte mir eine gewisse Bewegungsfreiheit, damit ich zum Beispiel auf die Toilette gehen konnte. Viel mehr Freigang hatte ich damit aber nicht, denn wenn ich aus dem Bereich des Funk-Signals gegangen wäre, hätten die Schwestern wohl geglaubt, dass ich doch noch tot umgefallen bin. Aber bis dorthin habe ich trotz Myokarditis noch ein paar Jahrzehnte.

Dienstag war dann ein großartiger Tag. Ich hab dann endlich das Funk-Kastl abgeben dürfen, und auch keine Kanülen mehr in den Armen gehabt. Da fühlt man sich dann gleich wieder wie ein richtiger Mensch.
Außerdem gab's haufenweise Besuch, was auch gut getan hat. Denn so ist der Spitalsalltag natürlich super-öd...

Aber jetzt bin ich ja wieder in Freiheit, oder so. Denn noch hab ich mich nicht daran gewöhnt, was diese "neue Freiheit" für mich wirklich bedeutet. Schonen, schonen, schonen.

- BM out -

(verfasst am 18.8., letzte Überarbeitung 24.8.)

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma