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Jahresrueckblick 2004
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Eigentlich schreibe ich gerade an einem Beitrag über "Schloss Hof", und um meine Jahreszahlen zu verifizieren schlage ich Wikipedia auf. Ein Klick im Bericht über Prinz Eugen bringt mich zur zweiten Türkenbelagerung von Wien ... und dort bin ich jetzt seither.

Das ist einer der spannendsten Texte die ich seit langem gelesen habe. Unglaublich. So detailliert habe ich das noch nie wo gefunden, angereichert mit kleinen Anekdoten ...hervorragend.
Ich empfehle jedem sich den Artikel anzuschauen - spannender als die meisten Thriller!

Hier nochmal der Link, falls man grad mit der Maus näher dran ist und nicht raufscrollen will.

- BM out -

Edit: aus irgendwelchen Gründen will der Link nicht funktionieren, aber hier kennt eh jeder Wiki und wie man dort nach der Türkenbelagerung sucht. Macht mich stolz.

Gerade erst bin ich an der Auslage einer Buchhandlung vorbei gekommen, in deren Auslage ein Plakat für ein Fussball-Geschichten-Buch wirbt. Werbemassnahme auf diesem Plakat ist folgender Dialog, von niemand geringerem geschrieben als Loriot ..und dementsprechend lustig. Lustig genug, dass ich mich hingestellt habe, und den gesamten Dialog handschriftlich zu erfassen. Hier, in etwas abgewandelter Form (weil ich nicht alle abschreiben wollte), wiedergegeben.

> Ich habe eine wichtige Frage.

< Schieß los.

> Wieviele Männer gehören zu einer Fussballmanschaft?

< Elf.

> Und wieviele Bälle haben die?

< Einen.

> Nur einen? Das ist ja wahnsinnig unergiebig!

< Du, die haben eine Menge zu tun. Die müssen ja den Ball ins Tor kriegen.

> Na und?

< Na da stehen ja die anderen davor.

> Welche anderen?

< Die anderen elf.

> Haben die auch einen Ball?

< Nein!

> Aber womit spielen die dann? Das ist doch völlig sinnlos!

< Was? Nein! Die müssen doch auch den Ball ins Tor schießen.

> Wieso? Ich dachte die haben keinen Ball...

< Doch, den selben, Mann!

> Den selben Mann?

< Den selben Ball!

> Na 22 erwachsene Männer werden doch diesen lumpigen Ball in dieses blöde Tor schießen können!

< In zwei! Es sind zwei Tore.

> Aber man kann doch nicht den selben Ball gleichzeitig in zwei unterschiedliche Tore schießen.

< Nein, die einen wollen ja auch nur, dass der Ball ins andere Tor geht.

> Und wissen die einen, dass die anderen den Ball in das eine Tor schießen wollen, während die anderen vermuten, dass die einen den Ball ins andere Tor benötigen?

< So ist es.

> Siehst Du, das ist wieder so ein kompliziertes Spiel für Intellektuelle!

- BM out -

Vor ettlichen Jahren habe ich mal beim "Rund um die Burg" eine Lesung von Alfred Komarek zu hören bekommen. Dabei hat er aus einem seiner Polt-Bücher gelesen ..und für mich stand danach sofort fest: "Also das lese ich sicherlich nicht" ..und mehr noch, habe ich dort den ehernen Entschluss gefasst, nie auch nur versehentlich ein Komarek-Buch anzurühren. Der einfache Grund: Diese Lesung war einfach nur furchtbar - und vorallem furchtbar langweilig.

Jetzt mag es natürlich sein, das Herr Komarek ein weitaus besserer Schreiber als Leser ist. Und es mag auch sein, dass ich nicht genug für Krimis über habe, um mich mit dem Polt-Charakter anzufreunden. Aber dennoch, der Entschluss steht seit Jahren fest - kein Komarek für mich!

Gerade eben habe ich verzweifelt auf thalia.at rumgeklickt, auf der Suche nach etwas lesbarem für mich. Sitze da im Moment auf dem trockenen ..schon seit 4 Tagen. Ich bin zittrig, kann nicht schlafen, habe spontane Schweißausbrüche ..es ist furchtbar.

Und da fällt mein Blick auf ein Buch mit dem Namen "Doppelblick". Ein abschliessender Band, einer 4-teiligen Reihe. Klingt ziemlich interessant ...und nun ratet mal, wer das geschrieben hat!

Die große Frage ist nun also: ist mein Herz groß genug um Herrn Komarek zu verzeihen? Vergeben ist göttlich ...sagt man. Aber gilt das auch bei Büchern? Da draußen ist ein ganzer Ozean, in dem Buchdrucker rumschwimmen...
Es fällt mir schwer daran zu glauben, dass ich in einer Welt leben kann, in der Komarek-Bücher und ich friedlich und zusammen leben können.

- BM out -

Nach langer Zeit küre ich mal wieder ein besonders schönes Wort.

Kuckuckskinderdiskussion

Da läuft einem doch beim Lesen ein wohliger Schauer über den Rücken...

- BM out -



Einfach zu genial um es für sich zu behalten.

- BM out -

Die Ausgangssituation: Ivan ist bei einem großen Telekommunikationsunternehmen angestellt, und die meisten Leute halten ihn für einen netten, bemühten und kompeteten Kerl. Wenige wissen, dass er glaubt er könne das Wetter kontrollieren, und dass das "Schnurren einer Kettensäge" zu seinen Lieblingsgeräuschen gehört. Patrick Bateman aus "American Psycho" gehört zu seinen Heroen, und somit sollte all jenen, die ihn nur als den netten Verkäufer kennen, eines klar sein: Wenn er dich feundlich anlächelt, stimmt was nicht.
Das Problem: Ivan ist nicht fiktional. Ivan ist derjenige, der mir "Der Siebte Tod" empfohlen hat.

"Der Siebte Tod" ist ein Thriller, der sich großartiger Kritiken rühmen kann. Obwohl ein Erstlingswerk wurde es mit Lob nur so überhäuft und mit Büchern wie "American Psycho" und "Das Schweigen der Lämmer" verglichen. Das sagt schon einiges aus. Die Richtung, die das Buch einschlägt, wird einem schon auf der Rückseite mit folgenden Worten klar gemacht:
"Mein Name ist Joe, ich bin eigentlich ein netter Kerl. Nur manchmal bringe ich Frauen um."
Ich will nichts verraten, aber so nett finde ich Joe eigentlich gar nicht. Aber dazu später mehr.

Zum Plot: "Der Siebte Tod" (die unglückliche Übersetzung zum Originaltitel: "The Cleaner") erzählt die Geschichte von Joe, dem 'Schlächter von Christchurch'. Ein Serienmörder der die Polizei und Medien in Atem hält, und die Frauen in Christchurch früh abends Ketten vor die Tür legen lässt. Was Joe zu Beginn des Buches ein wenig aufregt, ist die Tatsache, dass ihm ein Trittbrettfahrer einen Mord unterjubeln will. Und so beschliesst Joe diesen Typen zu finden und ihm auch gleich die eigenen Morde unterzuschieben - und Joe hat ziemlich gute Karten in der Hand. Denn wo, wie Joe es so schön ausdrückt, die Polizei auf der Suche nach dem Täter mit "Dartpfeilen auf das Telefonbuch wirft" hat Joe einen kleineren Kreis an Verdächtigen. Joe arbeitet nämlich als Putzhilfe am Polizeipräsidium, und da er sich für geistig zurückgeblieben ausgibt, stehen ihm dort alle Türen offen...

Gut, wir haben es hier also mit einem Thriller zu tun. Mit einem klassischen Katz und Maus-Spiel. Mörder und Polizei die sich umkreisen, und nie weiß man wessen Falle zuerst zuschnappt. Worin sich "Der siebte Tod" aber wesentlich unterscheided ist der Blickwinkel: Wir erleben die Geschichte aus der Ich-Perspektive eines Soziopathen und das ist auf eine gewisse Weise beängstigend.

Joe ist absolut kalt und skrupellos. Er weiß zwar dass es nicht richtig ist zu morden, aber nunja, jeder braucht ein Hobby und er kann es nunmal. Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen aber nicht. Die ersten Kapitel hat man daher auf alle Fälle einen gewissen Ekel gegenüber Joe und seiner Welt, an den man sich aber dann doch gewöhnt. Wobei ich sagen muss, dass Joe mir zu keinem Zeitpunkt wirklich sympathisch geworden ist, ich aber durch spätere Ereignisse im Buch doch ein wenig mit ihm mitfühlen konnte.

Was dieses Buch aber trotz seines Blickwinkels und seiner Nähe zu der kranken Gedankenwelt eines Soziopathen so lesenswert macht ist nicht bloß die spannende Geschichte sondern vorallem, dass es sich der Autor erspart zu sehr ins Detail zu gehen. Auf der einen Seite überlässt er damit natürlich der eigenen Vorstellungskraft ein breites Feld, was oft noch schlimmer ist als eine detailierte Beschreibung. Es ist aber angenehm dass man nicht mit den Einzelheiten von Vergewaltigungen und Morden konfrontiert wird.

Ein zusätzliches Element, dass der Autor eingebaut hat, sind die immer wiederkehrenden Kapitel aus der Sicht von Sally, einer Arbeitskollegin von Joe. Denn Joe glaubt das Sally 'auch' geistigbehindert ist, und nimmt sie nie wirklich ernst und durchschaut bis zum Schluss nicht, dass er es mit einer 'normalen' Frau zu tun hat. Dieser Perspektivenwechsel ergänzt die Geschichte sehr gut, und gibt dem Buch eine zusätzliche Schicht von Authenzität, da Sally ein komplett eigenes Leben führt.

Für mich war das Buch noch aus einem weiteren Aspekt spannend, weil ich ja selbst erst letztes Jahr in Christchurch war, und dadurch einige der erwähnten Ort entweder selbst besucht habe, oder die Gegend zumindest vom Stadtplan kenne. Ein blutiges Wiedersehen also.

Ich kann diesen außergewöhnlich spannenden Thriller wirklich nur jedem empfehlen. Das Buch ist großartig geschrieben, hat einen dynamischen Fluss und bietet einige Elemente die anderen Thrillern eindeutig fehlen. Den australischen Autor sollte man im Auge behalten. Sowohl was weitere Bücher angeht, als auch ob sich in seiner Umgebung nicht die Morde häufen. Denn wer so einen Einblick in die Psyche eines Serienmörders liefert ...nunja, der Ivan ist ja auch ein ganz netter :)

- BM out -

Ich hab großes Glück einen Bruder wie den meinen zu haben. Als wir noch Kinder waren, war ich als der ältere natürlich größer und stärker und ihm somit körperlich überlegen, was vieles einfacher gemacht hat. Heute ist er zwar größer und schlauer als ich, aber da ich ihm in unserer Kindheit beigebracht habe, dass er mir gefälligst Dinge geben soll, funktioniert das immer noch. Früher hat er statt mir die anfallenden Hausarbeiten erledigt, heute bekomme ich Bücher in die Hand gedrückt, die sonst an mir vorüber gehen würden.

"Bad Monkeys" ist eines dieser Bücher, die mir mein Bruder mit "Ich glaub das könnte dir gefallen." entgegen hält. Bislang hat er sich mit diesen Worten noch nie geirrt. Auch diesmal nicht.

Die Ausgangssituation von 'Bad Monkeys' ist ziemlich einfach: Jane sitzt im Gefängnis und wird von einem Psychologen befragt. Und gleich mit den ersten Seiten weiß der Autor zu fesseln.

Hier ein Dialog des ersten Kapitels grob wiedergegeben:
Arzt: Wissen sie warum sie hier sind?
Jane: Weil ich eine Mörderin bin.
Arzt: Wollen Sie mir erzählen wie es soweit gekommen ist.
Jane: Das ist eine lange Geschichte.
Arzt: Ich hab Zeit.
Jane: Es ist eine wirklich lange Geschichte.
Arzt: Ihnen ist klar, dass sie hier wohl für eine Weile nicht rauskommen?
Jane: Natürlich. Aber nur weil ich hier bleiben muss, heißt es ja nicht, dass sie ihre Zeit mit mir verplempern müssen.

Und die Geschichte die Jane nun zu beginnen erzählt, führt schnell in eine diffuse Zwischenwelt, in der es eine Organisation gibt, die für das gute kämpft und die sogenannten "Bad Monkeys" ausschaltet. Böse Leute, die der Menschheit nichts gutes tun. Das Jane schon als Teenagerin mehr als auffällig ist, in der Schule Probleme macht, mit Drogen zu tun hat usw und all die seltsamen Ereignisse die sich aneinander reihen, gepaart mit dem Vokabular von Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften, lässt bald klar werden: die hat sie nicht alle.

Aber spannend ist es alle Mal ihrer Geschichte zu folgen, immerhin will man wissen, was sie letztlich angestellt hat um im Gefängnis zu landen und welche abstrusen Taten sie im Namen der Organisation noch verübt hat. Und immerhin: vielleicht ist an der Geschichte ja was wahres dran, und kommt nicht nur von den fabelhaften Drogeneskapaden, die sie sich ihr ganzes Leben lang gegönnt hat?

Wie eingangs schon erwähnt, hat mir 'Bad Monkeys' sehr gut gefallen. Es ist gut geschrieben und flott erzählt und schrammt immer an der Grenze entlang, dass man kurz davor ist, von Janes Schizophrenie überzeugt zu sein, aber doch noch Zweifel hat. Schliesslich ist Jane ja eindeutig selbst von ihrer Geschichte überzeugt. Und die Vorstellung solch einer Geheimorganisation für das Gute, die alles sieht und alles weiß ... nunja, das wäre doch schön. Auf eine beängstigende Weise.

Ein großer Teil der Spannung des Buches ruht aber natürlich daher, dass die einzelnen Geschichten immer spektakulärer werden und die Fähigkeiten der beiden konkurrierenden Agenturen immer fantastischer, bis sich die Ereignis-spirale zum Schluss hin so schnell dreht, dass man sich beim Lesen fast überschlägt, weil man versucht bei dem Tempo mitzuhalten.

Über das Ende will ich natürlich nichts verraten, aber ich muss zugeben, dass es mir ziemlich gut gefallen hat. Die wohl höchste Plot-Twist-Dichte / Seite seit langem ;)

Wer also mal Lust darauf hat ein schräges Buch im Halbschatten einer Psychose zu lesen, dem kann ich Matt Ruffs "Bad Monkeys" reinem Gewissens ans Herz legen. Und die Organisation weiß, dass ich ein reines Gewissen habe. Die sehen alles. Die wissen alles.

- BM out -

Also eigentlich sollte der Beitrag wohl "Heinz Szolarz Vienna" heißen, aber seit wann nehme ich das so genau?

Das Elfchen zeichnet sich durch viele Eigenschaften aus, unter anderem das geheime Wissen unserer Vorfahren über die richtige Anwendung der Google-Suchmaschine. Und flinke Email-Schreibfinger. Und deswegen waren wir gestern Abend bei der Präsentation von 'my Vienna'. Einem Bildband von Heinz Szolarz, den das Elfchen mit oben genannten Eigenschaften gewonnen hat.

Bildbände mag es viele geben, gerade auch von Wien, aber 'My Vienna' ist meiner Meinung nach was besonderes (und das nicht nur, weil das Elfchen ihn gewonnen hat). Es zeigt Plätze, Gebäude, Örtlichkeiten von Wien die eigentlich jeder kennt, oder kennen sollte. Aber eben nicht aus dem Blickwinkel eines Tourismuskataloges, wo immer alles im Großen und Ganzen abgebildet wird, sondern eben mit den Augen von jemandem aufgenommen, der diese Stadt und sein Flair offensichtlich liebt. Jemand der den Bildern seinen Stempel aufgedrückt hat, seine Sichtweise, genau auf jenes Merkmal fokusiert, dass Wien so besonders macht. Und das merkt man auch gleich, wenn man das Buch durchblättert.

Was den gestrigen Abend auch noch so nett gemacht hat, war die Inszenierung in einem gemütlichen Lokal mit großartiger Musik und ein paar dazwischen gestreuten Lesungen. Besonders eine Kurzgeschichte über ein, zugegebener Massen etwas morbides Paar, hat mir wirklich gut gefallen.
Ich möchte mich an dieser Stelle also bei lamamma für die Organisation, bei Voice Connection für die musikalische Untermalung, der Testsiegerin für den lyrischen Teil bedanken. Und beim Elfchen dafür dass sie mich mitgenommen hat ;)
Achja, und die Frau Sternenstaub grüße ich auch gleich, immer wieder nett Gesichter hinter den Bloggern kennen zu lernen. (Ich glaube immer, ich kenn alle die mein Blog lesen, weil ich sie dazu animieren und treten muss *g*)

Das Buch 'My Vienna' gibts im gut sortierten Buchhandel unter der ISBN: 978-3-200-01104-5.

- BM out -

Gestern habe ich einen neuen Webcomic entdeckt. Einen ganz speziellen.

Die Ausgans-Situation ist folgende: Man nehme einen Garfield-Strip ..und dann nimmt man Garfield raus. Übrig bleibt ein Jon Arbuckle der mit sich selbst spricht (was er ja wohl sowieso tut, oder?). Und so zeigt sich Jon Arbuckle als schizophrener, manisch-depressiver und vor allem einsamer Mensch. Es ist beängstigend.

Ich mag die Garfield-Comics ja auch mit dem fetten Kater im Bild nicht, aber diese Garfield-minus-Garfield-Comics wiederum haben etwas. Etwas tragisches, das steht außer Frage. Ich bin jedenfalls absolut beeindruckt.. und habe fast schon Mitleid mit John.

- BM out -

Max Brooks, der Autor des großartigen "Zombie Survival Guide", hat sich weiter mit dem Thema der wandelnden Toten beschäftigt und ein Buch veröffentlich, dass im deutschen den seltsamen Namen 'Wer länger lebt, ist später tot trägt. Der Originaltitel 'World War Z' gibt da schon ein besseres Bild darüber was einen erwartet - eine weltweite Zombie-Epidemie!

In den meisten Geschichten mit unseren allseits beliebten und immer Hirn-hungrigen modrigen Freunden werden Einzelschicksale erzählt. Da wird wo ein Hinterwäldler-Dorf von Zombies überrant und eine Gruppe Teenager versucht zu überleben. Oder ein einzelner Super-Soldat räumt sich den Weg durch die untoten Horden frei. Kleine Gruppen die in einer von Zombies überlaufenen Stadt unterwegs sind. Etc. Doch nie erfährt man die komplette Geschichte, nie den gesamten Blickwinkel wie sich das auf die Welt auswirkt - und hier macht Max Brooks es anders. Entscheidend anders.

'World War Z' sammelt die mündlichen Überlieferungen von den Überlebenden der größten Katastrophe, der sich die Menschheit jemals stellen musste. Dabei folgt man den ersten einzelnen Ausbrüchen in China, zum Fall von Kapstadt durch den die Welt auf die Situation aufmerksam gemacht wurde, über den Verzweiflungskampf der US-Army und deren Rückzug, die Evakuierung Japans, zur Etablierung der Enklaven und der Rückeroberung der Welt.

Da hier immer aus der Sicht von Einzelpersonen erzählt wird, bleibt das Drama des Einzelschicksals zwar aufrecht, und wirkt dadurch umso erschreckender und packender, aber durch die Verknüpfung der 'richtigen' Ereignisse, und ein wenig mitdenken zeichnet sich das erschreckende Bild, das eigentlich die Vorstellung einer Zombie-Invasion hervor rufen sollte, wäre es nicht für die lächerliche Darstellung, zu der es die Bücher, Filme und Videogames der letzten Jahre gemacht haben. Und so erlebt man die 12 Jahre des Zombie-Krieges hautnah mit...

Was mich vorallem beeindruckt hat, ist auch hier wieder wie ernst der Autor das alles nimmt. Man bekommt schon beim Vorwort den Eindruck, dass es hier um einen authentischen Zufall geht, wenn er sich dafür entschuldigt schon so kurz nach Ende des Krieges ein Buch darüber zu verfassen.
So erzählt später zB ein geistig-zurück gebliebenes Mädchen davon, wie ihre Mutter versucht hat sie umzubringen, um sie vor den Zombies zu schützen. Dabei stellt die junge Frau auch alle Umgebungsgeräusche dar ... besonders das 'Stöhnen' der Zombies. Den beisitzenden Ärzten wird dabei gleich ganz mulmig, weil es so real klingt und sie an die Zeit zurück erinnern lässt.
Mit solchen Kleinigkeiten schafft Brooks ein erstaunlich dichte Atmosphäre.

Der Aspekt, der das Buch aber wirklich lesenswert macht, ist einfach die Soziologie die dahinter steckt. Es wird ein Geflecht dargestellt, das einfach sehr real ist. Sowohl auf der Ebene der einzelnen Nationen, als auch im Kleinen auf Familien und Einzelschicksale runtergebrochen. 'Phänomene' des Alltags, und der gleichen genauso, wie auch Industrie und Gesellschaft. Da merkt man dann einfach, das der Autor seine Hausaufgabgen gemacht hat und sich genau angeschaut hat wie Leute in Stresssituationen reagieren.

Max Brooks macht dabei im prinzip alles richtig. Er nennt keine Daten, aber es ist klar, dass der Erst-Ausbruch wohl so um 2015 sein muss. Jeder der Erzählenden hat seinen eigenen Stil, ist entweder zögerlich oder redet sich mal in einen Schwall, ist reserviert weil ein 'hohes Vieh' oder redselig und voller Theorien weil nur ein einfacher Überlebender. Es gibt keine genaue Erklärung woher der Virus kommt, keine genauen Statistiken ...dafür ist es zum Zeitpunkt der Erzählung (8 Jahre nach Ende es Krieges) noch zu früh. All das wird plausibel von den Interviewten erklärt, bzw in Frage gestellt ... je nach der Perspektive. Kurz gesagt, schafft er ein (für seine Thematik genommen) glaubhaftes Werk.

Wie man an den bisheringen Absätzen merkt bin ich von dem Buch mehr als bloß begeistert, sonst hätte ich wohl auch keine Rezension dafür geschrieben. Nicht nur, weil es sich mit Zombies beschäftigt, sondern eben für die Art und Weise, wie es sich damit beschäftigt.
Es ist nicht einfach eine Horror-Geschichte, in der die Toten auf Erden wandeln. Es ist nicht einfach eine weitere Erzählung in der sich die Menschheit mit irgendwelchen Monstern konfrontiert sieht. Dieses Buch schafft es die Emotion des Terrors und Überlebenskampfes zu vermitteln, wie es einem Erste-Welt-Bürger kaum bekannt sein dürfte.
Ich behaupte einfach mal, dass 'World War Z' dem Erlebnis einer weltweiten Zombie-Seuche so nahe kommt, wie es nur geht. Und das ist auf alle Fälle lesenswert - nicht bloß für Zombie-Afficionados.

- BM out -

 

twoday.net AGB

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