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Megagame

Das Gespräch mit dem im letzten Beitrag erwähnten Freund ist noch besser gelaufen als gedacht.

Meine Fragen bzgl Meldepflicht etc, konnte er gleich beantworten: "geschlossene Privatveranstaltung". Da ist auch eine Unkostenbeteiligung kein Thema (deren Höhe er sogar nach oben korrigiert hat).
Er hatte auch einige unterstützende Kommentare bzgl meiner Location-Ideen, etc.

Aber (kommt es nur mir so vor, oder war klar, dass nun ein aber kommt?) das wirklich Interessante an dem Gespräch war, sein Vorschlag es über seinen Verein auf die Beine zu stellen.

Damit wären Teilnehmer und Spielleiter (die nichts bezahlt bekommen, sondern eben gratis teilnehmen und als Danke schön zum Essen eingeladen werden) ziemlich garantiert. Außerdem ist ihm selbst ein ganz gut geeigneter Veranstaltungsort (zwar ein Stück außerhalb von Wien, aber dafür günstig im Preis) eingefallen.

Wir haben da jetzt keine Details vereinbart, aber es wäre natürlich super, auf die Struktur einer erfahrenen Organisation zurück zu greifen. Auch wenn die Struktur auf Fantasy-LARP beruht ^^.

Nachdem das Gespräch aber viele Zweifel aus dem Weg geräumt hat, werde ich mich nun tatsächlich an die Übersetzung der Dokumente machen. ...das wird mehr als genug Zeit in Anspruch nehmen.

- BM out -

Jetzt hatte ich also die Gelegenheit in London hautnah mitzuerleben wie ein MegaGame abläuft. Die Erfahrung war zwar aufgrund des geänderten Szenarios / Umfangs nicht wie erwartet, aber auf jeden Fall so gut, dass ich es wieder machen würde. In meinem Fall inkludiert das auch eine Reise nach London.

...bei meinen Freunden nicht. Und erst gar nicht bei Denen, die schon diesmal nicht dabei waren.

Die MegaGame-Makers unterstützen Andere dabei solche Spiele zu veranstalten. So gibt es meines Wissens eine Gruppe in den Niederlanden, die auch tw in Deutschland MegaGames ausrichtet. Vielleicht also, dass ich meine Leute dorthin locken kann?

Ich nenne das jetzt einfach mal den Plan B.

Plan A ist es selbst ein MegaGame auszurichten.

Dazu habe ich mir die 'Lizenz' für Watch the Skies (1) gekauft. Das beinhaltet das gesamte Spielmaterial als PDFs. Die Briefings, die Spielleiter-Information, Tokens zum Drucken, Anleitungen wie man gewisse Dinge basteln kann, etc.

Das Zeug gehört nun natürlich mal übersetzt - wozu in Österreich spielen und dann die Teilnehmer erst recht vor eine Sprachbarriere stellen? Leider wird das der leichteste Teil sein.

Das Spielmaterial ist für 20 - 50 Teilnehmer (+10 Spielleiter) ausgelegt.
Abhängig von der Teilnehmer-Zahl hängt es natürlich nun ab, was für eine Location ich dafür brauche. Wichtiger noch - wo ich die hernehme.

Die Frage ob ich die Veranstaltung anmelden muss, konnte ich alleine durch das Studium der entsprechenden Magistrats-Seite noch nicht lösen. (Würde ich es mit einer Striptease-Show oder Marionetten-Theater koppeln, wäre die Sache bereits gelöst). Da werde ich also selbst vorstellig werden müssen.

Da hängt sich indirekt auch die Frage dran, wie es damit aussieht, wenn ich dafür eine Teilnahmegebühr verlange (was natürlich nötig ist, auch wenn ich nicht Mal von kostendeckender Planung ausgehe)?

Dann ist natürlich die Frage, wo ich die 10 Typen auftreibe, die mit mir die Leitung übernehmen? Es steht zu befürchten, dass die ihre Zeit nur für eine Gegenleistung tauschen.

Es für 40 Spieler (+10 Ordnungshüter) auszurichten wäre mal so meine Wunschvorstellung. Ich bin sicher, dass sich die Spieler dafür in Wien finden ließen. Wahrscheinlich würde sich das sogar dann leicht wiederholen lassen, wenn mal die Hürden der ersten Veranstaltung genommen sind.

Ein Freund von mir der ähnliches schon organisiert hat, weiß zwar noch nix von seinem Glück ..aber der wird wohl zur Unterstützung herhalten müssen. Zu meinem Glück weiß ich, dass er Schokokekse mag - mal schauen ob das alleine reicht ;)

- BM out -

Im Nachgang habe ich natürlich sehr viele Informationen erhalten, die mir am Spieltag entgangen sind. Viele Blogs, Foren und natürlich Reddit haben dazu beigetragen, dass man sich ein etwas vollständigeres Bild von den Ereignissen machen kann.

Etwas dass ich hier besonders hervorheben möchte, eben weil es auch in meinem vorherigen Eintrag vorkommt, ist die Gewaltbereitschaft der "Republic of new love".

Die Republic hatte ihren Fokus von Beginn auf der Erlernung der Menschensprache um mehr als 8 einsilbige Wörter (das ist im englischen eigentlich recht viel) austauschen zu können. Schließlich wurden die Botschaften von den Spielleitern brutal und kaum verständlich runtergebrochen um den Vorgaben zu entsprechen.

Als die Kommunikation dann möglich war, haben sie die mit dem Papst hergestellt. (Das hatten wir auch vor, bevor wir die Informationen zu unserer Alien-Rasse erhalten hatten ^^)
Italien fand es nicht so aufregend, dass der Papst sich da mit den Außerirdischen trifft, und ein UFO mit einem Kardinal abgeschossen.
Wie die Nachrichten daraufhin berichteten: Papst und Republic einigten sich jedenfalls darauf, dass der Vatikan es unterstützt, dass die Republic in Brasilien eine Botschaft einrichtet. Die Republic schickt also ein Shuttle mit Diplomaten und wichtigen Gütern, etc nach Brasilien ...und Brasilien schießt das Shuttle in Stücke.
Ob der Papst jetzt nicht interveniert hat, Brasilien sich nicht dran gehalten hat, oder die Order nicht rechtzeitig angekommen sind... man weiß es nicht. Jedenfalls war die Republic sauer.

Das Bombardement der Antarktis war zu einem Teil ein Machtbeweis an Brasilien und den Papst. Zum anderen Teil aber auch eine politische Aktion, da sie wussten, dass 2 andere Alienfraktionen in der Region Operationen laufen hatten, da sich unter der Eisdecke wertvolle Mineralien befinden...

Dann hat die Republic erfahren, dass der Papst nicht nur mit ihnen Unterhaltungen führt. Daraufhin eröffneten sie die Jagd auf ihn.
Der bombastische Untergang Tokyos (inkl der friedlich-protestierenden Wale im Hafen von Tokyo!) war ein blöder Zufall, da die Angriffe auf Rio und Genf vereitelt wurden.

Wer den vorigen Eintrag gelesen hat, kann sich aber denken, wo der Papst zum Zeitpunkt der Bombardements war. Am Mond. :D
Oder wie es die Global Network News damals so schön gebracht haben:
Im Laufe dieses Tages haben sich unzählige so kleine eigene Geschichten entwickelt, die jeder mit nachhause nehmen konnte.

- BM out -

Wie im letzten Beitrag erwähnt, fand im Frühjahr 2014 in London mit "Watch the skies" ein Megagame statt, dass sich sein Setting an den XCom-Spielen abgeschaut hat: Die Aliens sind da und versetzen die Welt in Panik.

Als großer Fan der X-Com-Spiele und von Brettspielen und von außergewöhnlichen Dingen, war ich natürlich sofort davon begeistert. Umso größer war meine Begeisterung, als eine Fortsetzung angekündigt wurde. Da musste ich natürlich hin!
Nach erstaunlich wenig drängen und Überzeugungsarbeit hatte ich dann auch sehr bald 3 Freunde soweit, dass Sie mich begleiten würden. Sprich: Extra nach London fliegen und einen Tag lang die Welt vor der Alien-Invasion zu schützen.

WTS 2 fand vor einem knappen Monat statt ...und war natürlich ganz schön anders als gedacht.
Dass es anders würde als in dem Video das wir gesehen hatten, war uns klar, als wir gesehen haben, dass die Veranstaltung um ein Vielfaches gewachsen war. Schließlich waren wir nicht die einzigen, die das Video gesehen hatten und somit der Andrang gewaltig. Satt 50 Leuten gab es nun gut 300 Teilnehmer!
Außerdem waren wir nicht dazu berufen die Welt vor den Außerirdischen zu bewahren - wir waren das Konglomerat: eine unternehmensorientierte Alienrasse, deren Fokus auf der Einhaltung von Verträgen und die Interessen der Stakeholder liegt.

Gespielt wurde fast 8 Stunden lang. Durchgehend. Bei einem Megagame gibt es keine Pause. Egal ob du was essen oder auf die Toilette gehst oder dich unter dem Tisch zusammenrollst um zu schlafen: das Spiel geht weiter.

Bei dem Szenario gibt es 2 getrennt voneinander spielende Ebenen.
Auf der Erde gab es über 30 Länder, jedes mit Staatschefs, Wissenschaften, Generälen und Botschaftern. Die Länder waren noch dazu in ihre Kontinente eingeteilt. Dazu gab es mehrere Unternehmen und nationenübergreifende Organisationen, Medienvertreter, den UN-Rat ...und den Papst!

Jede Spielrunde von 40 Minuten ist in klar definierte Unterphasen eingeteilt. Auf einer großen Leinwand war immer zu sehen, was gerade zu tun und erlaubt war.

Die komplette Halle der Location war vollgesteckt mit Tischen und den geschäftig wuselnden Menschchens...


Dem Gegenüber standen die Außerirdischen.
6 galaktische Rassen mit ihren eigenständigen Agenden, einer unbekannten Bedrohung, einigen Mysterien und einem ressourcenreichen Planeten voller gewaltbereiter Primitivlinge mit denen noch nicht mal eine Kommunikation möglich war, die mehr als 8 Silben umfasst.

Die Rassen waren nochmals in zwei Spielgruppen geteilt: High Command auf den jeweiligen Heimatplaneten und die Expeditionskräfte auf der Erde. Ein Mal pro Runde durften sich Command und Expedition treffen, Informationen austauschen, Order geben, etc.

Meine Leute und ich haben das High Command des Konglomerats gespielt. Von uns Vieren hatte ich definitiv den meisten Spaß. Das ist gut für mich, aber es ist fraglich ob ich nochmals Leute dazu motivieren kann, ein paar Hundert Euro auf den Kopf zu hauen, nur weil ich etwas für eine tolle Idee halte :)

Ich war der PR-Sprecher sprich "Außenminister" und somit laufend in Interaktion mit den anderen Spielern ähnlicher Funktion. Wir hatten unsere Gipfeltreffen und uns auch sonst immer wieder absprachen untereinander. Die habe ich vor allem dafür genutzt um über die anderen Fraktionen zu hussen, sobald mir irgendeine brisante Neuigkeit vorlag ("Schon gehört, denen wurde ein Shuttle abgeschossen?!" oder "Stimmt es, dass die sich mit dem Papst getroffen haben?" ^^)

Besonders amüsant war das gleich zu Beginn. Im ersten Summit wurde ein Vertrag ratifiziert, der es untersagte Schiffe im Erdorbit zu positionieren, Alien-Technologie in die Hände der Menschen fallen zu lassen (oder schlimmer noch sie mit ihnen zu handeln) und die Kommunikation auf die Botschaft "Keep calm" zu beschränken.

Ich komme aus dem Summit zurück und erkläre meinen Leuten was beschlossen wurde, während sie ihre jeweiligen Aufgaben erledigt haben.
Mein Sicherheitschef: "Ich habe vorhin unsere Flotte mit Versorgungsgütern in den Orbit der Erde geschickt. Die sind in 2 Runden dort."
*Zähne knirsch*
Kurz bevor ich zum nächsten Summit muss, erfahre ich vom Leiter der Expedition "Unser Shuttle wurde abgeschossen und die Menschen konnten Trümmer bergen."
*Zähne knirsch*
..und im Summit haben alle betreten zu Boden geschaut, weil es ihnen ähnlich ergangen ist. (Stimmt nicht. Ich hab so getan als wäre bei uns alles in Ordnung und alle dazu ermahnt, sich an die Vereinbarung zu halten. ^^ )

Dann hat das Tempo aber bald nachgelassen. Unsere Expedition war nicht so erfolgreich, wodurch uns die Ressourcen ausgegangen sind, wir konnte keine Handelsabkommen mit den anderen Aliens schließen, weil von der Erde nichts zurückkam, usw ...es ging aber irgendwie allen so.

Die unbekannte Bedrohung hatte die intergalaktische Gesellschaft scheinbar gleich in der ersten Runde mit einer Gemeinschafsaktion so gekonnt ausgehebelt, dass an dieser Front das restliche Spiel nicht mehr passierte.
Meine Jungs hatten zwischenzeitlich was zu tun, da auf einem anderen Planeten eine 'antike' Computer-Intelligenz entdeckt wurde, die zerstört werden musste.
Irgendwann bin aber auch ich tatenlos bei Ihnen gesessen.

Bis es dann nochmals so richtig rundging.
Die "Republic of new love" bombardierte (aus mir nicht bekannten Gründen) die Antarktis. Schnell erstellten wir eine Erklärung an die Menschheit, die diese Aktion ins rechte Licht rücken sollte.
Um diese Erklärung an die Menschen zu übermitteln wurde (versehentlich) die komplette UN entführt und auf den Mond gebracht.
Bei dem folgenden Summit wurde (zu meiner großen Überraschung) bekannt gemacht, dass die Wale eine intelligente und friedliebende Rasse seien und nun unter dem Schutz der galaktischen Zivilisationen standen. Die Menschen (allen voran Japan!) musste sofort den Wal-Genozid stoppen, oder sie würden vernichtet werden.
Ich will nicht ins Detail gehen, aber dieser Summit mit der UN war großartig. :D

Der Versuch die UN wieder zurück zur Erde zu bringen scheiterte an den britischen Abfangjägern, somit kam die UN wieder zurück zur Mondbasis ... als die "Republic" erneut die Erde bombardierte und dabei Tokyo in Schutt und Asche legt. Große Aufregung im Summit! :D
Die diversen Militär-Attaches begannen zeitgleich damit Befehle zum Kampf gegen die Republic zu geben, während auch die Mondbasis bereits angegriffen wurde ...und dann fiel der Schlusspfiff.

Das Alien-Play war leider schlechter strukturiert, als das Spiel auf der Erde.
Wir hatten diese Rundenstruktur nicht wirklich. Spielmechaniken die lt Briefing da waren wurden nicht exekutiert. Die Aliens waren auf 2 Stockwerke verteilt, was den Spielfluss entsprechend gehindert hat. Es kam in den Runden kein großes "Erfolgsgefühl" auf.

Das wir nicht wussten was auf der Erde überhaupt los war (schließlich hatte auch die Expedition nur einen kleinen Überblick und selbst der war tw nur Hören-Sagen und Gerüchte), war zwar geplant und macht auch Sinn ...aber hat uns halt völlig vom "eigentlichen" Spiel abgeschnitten.

Aber es war ein großartiger Tag und eine einmalige Erfahrung.
Es gibt Leute die meinen, seit sie Megagames spielen, gibt es nix anderes mehr für sie. Soweit würde ich nicht gehen. Aber es gibt ja noch andere Szenarien von den Megagamemakern ...und WTS 4 nächstes Frühjahr...
Vielleicht vertrauen mir ja meine Leute bis dahin wieder? :)

- BM out -

Ein Megagame ist eine Mischung aus Brettspiel und - da jeder Spieler eine Funktion mit gewissen Aktionsmöglichkeiten und Eigen-/Fraktionsinteressen hat - Rollenspiel für (hier kommt das Mega ins Spiel) 30, 40, 50 Leute und mehr.
Dabei sind die Spieler in Gruppen eingeteilt, denen eine Vielzahl an Spielleitern bei steht. Diese Spiele dauern einen ganzen Tag, der in einzelne Spielrunden eingeteilt sind, in denen mehrere Dinge gleichzeitig passieren.

In England gibt es die Megagame-Makers, die solche Spiele in unterschiedlichen Szenarien anbieten. Von historischen wie den Diadochen-Kriegen, Eroberung Englands im 11. Jhdt und europäischer Politik-Ränke im 18. Jhdt zur fiktiven Gangster-Story in den 1930ern und dem kontemporärem/Nahzukunft-Szenario einer Alien-Invasion.

Über das letzt-genannte Szenario ("Watch the skies" / WTS), das letztes Frühjahr veranstaltet wurde, bin ich auf die Megagame-Makers aufmerksam geworden. Die Betreiber eine Internetseite für Gesellschaftsspiele (deren treuer Leser ich bin) waren eingeladen und haben den Tag mit der Kamera verfolgt und eine Reportage dazu erstellt.

Ihr könnt euch gerne das Video raussuchen (Tante Google findet es selbst ohne genauere Angaben von mir), ich setze aus gutem Grund keine Links.
In dem Kontext gibt es nämlich ein Projekt über das ich in den nächsten Einträgen schreiben möchte.

- BM out -

 

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