Geschriebenes
Das Stahl-Glasgewölbe des ehemaligen "königliches tropisches Gewächshaus" über ihm, lies die Wartehalle mit einem übernatürlichen Licht durchfluten. Es war erstaunlich hell für einen Herbstnachmittag, die großen Fluter an den Streben waren noch nicht eingeschalten. Vielleicht wollte die Bahnhofsverwaltung an der Stromrechnung sparen, oder sie wollen die angenehme Atmosphäre, die das natürliche Sonnenlicht erzeugte zur vollen Geltung kommen lassen.
Kaum das die Schwungtür sich hinter ihm geschlossen hatte, verschwand auch der Krawall von den Straßen, und durch die Geräuschkulisse beständiger Betriebsamkeit, die von einem Schleier aus Stille bedrängt wurde, ersetzt. Hunderte Leute tummelten sich in der gewaltigen Kuppel, kauften Fahrkarten und Zeitschriften, Imbisse und Getränke, saßen auf den steineren Bänken und betrachteten die Tafel mit den An- und Abfahrtszeiten der einzelnen Geleise. Koffer wurden geschleppt, Trolleys gezogen, Rucksäcke geschultert. Die Durchsage über eine verspätete Ankunft wurde durchgegeben, schepperte verzerrt aus den Lautsprechern über den Reisenden.
Adrean war kurz stehen geblieben, um die vorherrschende Atmosphäre, die eine gewisse Leichtigkeit mit sich brachte in sich aufzusaugen. Erstaunlich welchen Unterschied es machte, wenn man bloß das Chaos der Straße hinter sich lassen konnte. Der Bahnhof schien ihm mit einem Mal wie ein heiliges Sanktuarum der Ruhe, auch wenn es in hier Wirklichkeit hektischer war als in einem Bienenstock. Die Stimmung die ihn nun umgab, schien von einem Abenteuer und einem Aufbruch zu erzählen, wie es nur Orte mit denen eine Reise verbunden werden konnte, hervorbrachten. Autobahnen mal abgesehen.
Er schob den Träger seines Rucksacks zurück über die Schulter und ging zum Schalter, an dem sein Ticket hinterlegt war. Alles was er zu tun hatte, war hinzugehen, sein Ticket zu holen, ruhig zu bleiben, zu warten bis der Zug ging. Es waren nur mehr wenige Stunden, aber alles würde gut gehen. Alles würde gut werden.
Sie rieb sich die schmerzende Hüfte mit der linken Hand und setzte sich mühselig auf. Ihr Rücken brannte, es hatte sie mit voller Wucht zu Boden geschleudert. Sofort bemerkte Yrena, das seltsame wattige Gefühl in ihrem Kopf. Direkt neben ihr lag ein junger Mann der offensichtlich unter großen Schmerzen schrie, er hielt seinen rechten Arm, der unterhalb des Ellenbogens in einem seltsamen Winkel vom Körper weg ragte. Doch sie konnte die Schreie nicht hören. Weder seine, noch die anderer, oder den Lärm der eigentlich rund um sie vorhanden sein musste.
Eine alles zerfetzende, dumpfe Stille überlagerte ihre Wahrnehmung, die anderen Geräusche drangen nur sehr gedämpft und diffus zu ihr durch. Sie konnte ihr Herz pochen hören, und wie das Blut ihr dröhnend durch die Adern floß. Sie spürte wie das Blut kraftvoll durch ihre Ohren gepumpt wurde, und hatte das Gefühl, dass ihre Ohrmuschel davon vibrieren musste.
Yrena rappelte sich hoch, kam wackelig auf die Beine. Sie hatte dass Gefühl, als ob sie sich durch Sirup bewegen würde, alles war auf eine seltsame Weise verlangsamt. Beinahe so als ob die Zeit kurz davor wäre still zu stehen.
Die junge Frau blickte an sich hinunter und bemerkte, dass sie noch immer den Pflasterstein in ihrer rechten Hand hielt, als sie diese öffnete fiel er sofort neben ihr zu Boden. Ihr Hand begann zu zittern. Sie hatte gewusst, dass es soweit kommen würde. Sie war bereit gewesen es soweit kommen zu lassen. Es soweit zu treiben. Doch nun?
Etwa zehn Meter rechts von ihr konnte sie eine Gruppe von Jugendlichen und Studenten sehen, die auf einen Polizisten eindroschen. Daneben eine Gruppe mit genau umgekehrter Zusammensetzung. Dazwischen lagen unzählige junge Leute am Boden. Der Boden war nass, es bildeten sich pfützen. Erst nun bemerkte sie, dass sie selbst bis auf die Knochen durchnässt war, aber wirklich spüren konnte sie die klamme Kälte die es mit sich brachte nicht.
Sie wollte sich umdrehen, weglaufen. Alles in ihr schrie nach Flucht. Doch noch während sie das dachte, war sie bereits einige Schritte nach vorne gegangen. Ihr Rücken schmerzte, ihre Hüfte gab flammende Signale, ihre Beine schienen jeden Moment unter ihr zusammensacken zu wollen, doch sie ging langsam vorwärts. Immernoch schien die Zeit sich nur zögerlich fortbewegen zu wollen. Es war, als hätte das Universum seinen Fokus von ihr abgezogen, gab ihr nun die Freiheit zu tun was notwendig war.
Sie hielt auf den reglosen Körper zu, der weiter vorne lag. Schob sich zwischen um sich schlagenden Leuten durch, die weiterhin ihre Parolen schrieen. Ohne sich umdrehen zu müssen, konnte sie spüren, wie die Massen hinter ihr vorwärts drängten. Yrena wusste nicht, wer es war, der mit dem Gesicht nach unten vor ihr lag. Wichtig war nur, dass er ebenso wie sie, ein rotes Halstuch trug, das ihn als Mitglied der Gruppe identifizierte. Er war wohl zuweit vorne gestanden als der Tumult losgebrochen war, vielleicht war er auch von hinten umgestossen worden und nicht von den Polizisten vor ihnen.
Yrena konnte nicht feststellen, ob er bewusstlos oder tot war. Es war nicht wichtig für sie, alles was für sie von Bedeutung war, war der braune Beutel der um seinen Rücken geschlungen war. Sie kniete nieder, zog eine der Flaschen daraus hervor. Es kam ihr vor wie in einem Traum, in dem die Zeit keine Rolle spielte, sie konnte nicht sagen wie lange das nun so ging. Ihr Verstand schrie ihr immer noch zu, endlich aus diesem Chaos zu entfliehen.
Knappe 20 Meter vor ihr bildeten die Polizisten eine Absperrung. Sie hatten die Plexiglas-Visiere ihrer Helme herunten, die Schilde ineinander gekeilt. Brusthohe Metallgitter vor ihnen boten weiteren Schutz, und nach einigen Reihen an Uniformierten, standen dahinter zwei gewaltige Wasserwerfer. Es schien nicht so, als ob sie den versprengten Polizisten, die zwischen die aufgebrachte Meute geraten waren helfen wollten. Ohne wirklich hinzusehen, konnte Yrena spüren, dass der Wasserstrahl des Wasserwerfers sich wieder in ihre Richtung bewegte. Wie als Erinnerung flammte die Hüfte wieder auf.
Yrena stand auf, die Flüssigkeit in der Glasflasche in ihrer rechten Hand schwappte wild hin und her. Die Hand zitterte immer noch, seit sie den Pflasterstein losgelassen hatte, der ihr scheinbar zuvor solchen Halt gegeben hatte. Mit der Linken griff sie in die Tasche ihrer braunen Jacke und zog das Feuerzeug heraus. Beim Dritten Versuch klappte es endlich, Reibrad und Zündstein liesen einen Funken entstehen, und das Gas entflammte, sofort sprang das Feuer auf den Lumpen über, der aus dem Flaschenhals ragte.
Mit einem Mal schien das Universum wieder seinen Blick zurück auf Yrena zu richten. Die alles zerfetzende Stille machte dem Umgebungslärm platz. Die Schreie der Demonstranten, das Wimmern der Verletzten, das Pochen der geworfenen Steine auf den Polizei-Schilden. Eine Kakophonie aus Gebrüll und unmenschlichem Grunzen kam von rechts, wo mehrere Leute aufeinander einschlugen, wie sie aus dem Augenwinkel feststellen konnte. Auch die nassen Kleider, gaben jetzt aufeinmal jene Kälte an sie ab, die sie zuvor nicht wahrgenommen hatte. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.
Der Sirup durch den sie sich bisher mit jeder Bewegung quälen musste war auch weg, und sie spürte wie ihre Beine nun wirklich nachgeben wollten, da seine stabilisierende Wirkung somit auch verflogen war. Erstaunlicherweise konnte sie sich aber auf den Beinen halten.
All diese Eindrücke und mehr rauschten in diesem Moment auf sie ein, als der Stofflappen im Flaschenhals des Molotow-Cocktails in ihrer Hand Feuer fing. Als die Zeit wieder begann in den gewohnten Bahnen zu verlaufen.
Yrena hob ihren rechten Arm nach hinten und begann ein paar Schritte auf die Barrikade vor sich zuzulaufen. Mit aller Kraft schwang sie den Arm nach vorne, fügte mit einem lauten Schrei dem Brandsatz mehr Schwung hinzu. Vielleicht war es auch der Schmerz in ihrer Hüfte und ihrem Rücken, von dem der Schrei herrührte, sie wusste es nicht. Kaum das die Flasche ihren Wurfarm verlassen hatte und seine Reise in die Gruppe Polizisten began, kam sie ins Straucheln und lies sich auf die Knie fallen. Den neuen Schmerz ignorierte sie komplett. In ihrer Welt existierte nur mehr die Flugbahn des brennenden Geschosses.
Die Einsatzkräfte hatten nur wenig Zeit zu reagieren. Sie sprangen auseinander, hoben ihre Schilde, drängten aneinander. Beinahe alle schafften es, dem Brandsatz zu entgehen, der gegen einen der Wägen hinter ihnen prallte und einen brennenden Teppich über sie ergoß. Sofort kam über Funk das langerwartete Kommando. Die vorderen Reihen kippten die Metallgitter um und die ersten drei Reihen stürmten nach vorne. Es dauerte nur wenige Sekunden um die offenen Meter bis zu den ersten Krawallmachern und Demonstranten zu schliessen. Während die vorderste Reihen sie mit den Schilden zurück drängte, machten die dahinter die Schlagstöcke bereit. Es sollte nicht lange dauern, um dem Radau ein Ende zu bereiten.
wird fortgesetzt
- BM out -
Kaum das die Schwungtür sich hinter ihm geschlossen hatte, verschwand auch der Krawall von den Straßen, und durch die Geräuschkulisse beständiger Betriebsamkeit, die von einem Schleier aus Stille bedrängt wurde, ersetzt. Hunderte Leute tummelten sich in der gewaltigen Kuppel, kauften Fahrkarten und Zeitschriften, Imbisse und Getränke, saßen auf den steineren Bänken und betrachteten die Tafel mit den An- und Abfahrtszeiten der einzelnen Geleise. Koffer wurden geschleppt, Trolleys gezogen, Rucksäcke geschultert. Die Durchsage über eine verspätete Ankunft wurde durchgegeben, schepperte verzerrt aus den Lautsprechern über den Reisenden.
Adrean war kurz stehen geblieben, um die vorherrschende Atmosphäre, die eine gewisse Leichtigkeit mit sich brachte in sich aufzusaugen. Erstaunlich welchen Unterschied es machte, wenn man bloß das Chaos der Straße hinter sich lassen konnte. Der Bahnhof schien ihm mit einem Mal wie ein heiliges Sanktuarum der Ruhe, auch wenn es in hier Wirklichkeit hektischer war als in einem Bienenstock. Die Stimmung die ihn nun umgab, schien von einem Abenteuer und einem Aufbruch zu erzählen, wie es nur Orte mit denen eine Reise verbunden werden konnte, hervorbrachten. Autobahnen mal abgesehen.
Er schob den Träger seines Rucksacks zurück über die Schulter und ging zum Schalter, an dem sein Ticket hinterlegt war. Alles was er zu tun hatte, war hinzugehen, sein Ticket zu holen, ruhig zu bleiben, zu warten bis der Zug ging. Es waren nur mehr wenige Stunden, aber alles würde gut gehen. Alles würde gut werden.
Sie rieb sich die schmerzende Hüfte mit der linken Hand und setzte sich mühselig auf. Ihr Rücken brannte, es hatte sie mit voller Wucht zu Boden geschleudert. Sofort bemerkte Yrena, das seltsame wattige Gefühl in ihrem Kopf. Direkt neben ihr lag ein junger Mann der offensichtlich unter großen Schmerzen schrie, er hielt seinen rechten Arm, der unterhalb des Ellenbogens in einem seltsamen Winkel vom Körper weg ragte. Doch sie konnte die Schreie nicht hören. Weder seine, noch die anderer, oder den Lärm der eigentlich rund um sie vorhanden sein musste.
Eine alles zerfetzende, dumpfe Stille überlagerte ihre Wahrnehmung, die anderen Geräusche drangen nur sehr gedämpft und diffus zu ihr durch. Sie konnte ihr Herz pochen hören, und wie das Blut ihr dröhnend durch die Adern floß. Sie spürte wie das Blut kraftvoll durch ihre Ohren gepumpt wurde, und hatte das Gefühl, dass ihre Ohrmuschel davon vibrieren musste.
Yrena rappelte sich hoch, kam wackelig auf die Beine. Sie hatte dass Gefühl, als ob sie sich durch Sirup bewegen würde, alles war auf eine seltsame Weise verlangsamt. Beinahe so als ob die Zeit kurz davor wäre still zu stehen.
Die junge Frau blickte an sich hinunter und bemerkte, dass sie noch immer den Pflasterstein in ihrer rechten Hand hielt, als sie diese öffnete fiel er sofort neben ihr zu Boden. Ihr Hand begann zu zittern. Sie hatte gewusst, dass es soweit kommen würde. Sie war bereit gewesen es soweit kommen zu lassen. Es soweit zu treiben. Doch nun?
Etwa zehn Meter rechts von ihr konnte sie eine Gruppe von Jugendlichen und Studenten sehen, die auf einen Polizisten eindroschen. Daneben eine Gruppe mit genau umgekehrter Zusammensetzung. Dazwischen lagen unzählige junge Leute am Boden. Der Boden war nass, es bildeten sich pfützen. Erst nun bemerkte sie, dass sie selbst bis auf die Knochen durchnässt war, aber wirklich spüren konnte sie die klamme Kälte die es mit sich brachte nicht.
Sie wollte sich umdrehen, weglaufen. Alles in ihr schrie nach Flucht. Doch noch während sie das dachte, war sie bereits einige Schritte nach vorne gegangen. Ihr Rücken schmerzte, ihre Hüfte gab flammende Signale, ihre Beine schienen jeden Moment unter ihr zusammensacken zu wollen, doch sie ging langsam vorwärts. Immernoch schien die Zeit sich nur zögerlich fortbewegen zu wollen. Es war, als hätte das Universum seinen Fokus von ihr abgezogen, gab ihr nun die Freiheit zu tun was notwendig war.
Sie hielt auf den reglosen Körper zu, der weiter vorne lag. Schob sich zwischen um sich schlagenden Leuten durch, die weiterhin ihre Parolen schrieen. Ohne sich umdrehen zu müssen, konnte sie spüren, wie die Massen hinter ihr vorwärts drängten. Yrena wusste nicht, wer es war, der mit dem Gesicht nach unten vor ihr lag. Wichtig war nur, dass er ebenso wie sie, ein rotes Halstuch trug, das ihn als Mitglied der Gruppe identifizierte. Er war wohl zuweit vorne gestanden als der Tumult losgebrochen war, vielleicht war er auch von hinten umgestossen worden und nicht von den Polizisten vor ihnen.
Yrena konnte nicht feststellen, ob er bewusstlos oder tot war. Es war nicht wichtig für sie, alles was für sie von Bedeutung war, war der braune Beutel der um seinen Rücken geschlungen war. Sie kniete nieder, zog eine der Flaschen daraus hervor. Es kam ihr vor wie in einem Traum, in dem die Zeit keine Rolle spielte, sie konnte nicht sagen wie lange das nun so ging. Ihr Verstand schrie ihr immer noch zu, endlich aus diesem Chaos zu entfliehen.
Knappe 20 Meter vor ihr bildeten die Polizisten eine Absperrung. Sie hatten die Plexiglas-Visiere ihrer Helme herunten, die Schilde ineinander gekeilt. Brusthohe Metallgitter vor ihnen boten weiteren Schutz, und nach einigen Reihen an Uniformierten, standen dahinter zwei gewaltige Wasserwerfer. Es schien nicht so, als ob sie den versprengten Polizisten, die zwischen die aufgebrachte Meute geraten waren helfen wollten. Ohne wirklich hinzusehen, konnte Yrena spüren, dass der Wasserstrahl des Wasserwerfers sich wieder in ihre Richtung bewegte. Wie als Erinnerung flammte die Hüfte wieder auf.
Yrena stand auf, die Flüssigkeit in der Glasflasche in ihrer rechten Hand schwappte wild hin und her. Die Hand zitterte immer noch, seit sie den Pflasterstein losgelassen hatte, der ihr scheinbar zuvor solchen Halt gegeben hatte. Mit der Linken griff sie in die Tasche ihrer braunen Jacke und zog das Feuerzeug heraus. Beim Dritten Versuch klappte es endlich, Reibrad und Zündstein liesen einen Funken entstehen, und das Gas entflammte, sofort sprang das Feuer auf den Lumpen über, der aus dem Flaschenhals ragte.
Mit einem Mal schien das Universum wieder seinen Blick zurück auf Yrena zu richten. Die alles zerfetzende Stille machte dem Umgebungslärm platz. Die Schreie der Demonstranten, das Wimmern der Verletzten, das Pochen der geworfenen Steine auf den Polizei-Schilden. Eine Kakophonie aus Gebrüll und unmenschlichem Grunzen kam von rechts, wo mehrere Leute aufeinander einschlugen, wie sie aus dem Augenwinkel feststellen konnte. Auch die nassen Kleider, gaben jetzt aufeinmal jene Kälte an sie ab, die sie zuvor nicht wahrgenommen hatte. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.
Der Sirup durch den sie sich bisher mit jeder Bewegung quälen musste war auch weg, und sie spürte wie ihre Beine nun wirklich nachgeben wollten, da seine stabilisierende Wirkung somit auch verflogen war. Erstaunlicherweise konnte sie sich aber auf den Beinen halten.
All diese Eindrücke und mehr rauschten in diesem Moment auf sie ein, als der Stofflappen im Flaschenhals des Molotow-Cocktails in ihrer Hand Feuer fing. Als die Zeit wieder begann in den gewohnten Bahnen zu verlaufen.
Yrena hob ihren rechten Arm nach hinten und begann ein paar Schritte auf die Barrikade vor sich zuzulaufen. Mit aller Kraft schwang sie den Arm nach vorne, fügte mit einem lauten Schrei dem Brandsatz mehr Schwung hinzu. Vielleicht war es auch der Schmerz in ihrer Hüfte und ihrem Rücken, von dem der Schrei herrührte, sie wusste es nicht. Kaum das die Flasche ihren Wurfarm verlassen hatte und seine Reise in die Gruppe Polizisten began, kam sie ins Straucheln und lies sich auf die Knie fallen. Den neuen Schmerz ignorierte sie komplett. In ihrer Welt existierte nur mehr die Flugbahn des brennenden Geschosses.
Die Einsatzkräfte hatten nur wenig Zeit zu reagieren. Sie sprangen auseinander, hoben ihre Schilde, drängten aneinander. Beinahe alle schafften es, dem Brandsatz zu entgehen, der gegen einen der Wägen hinter ihnen prallte und einen brennenden Teppich über sie ergoß. Sofort kam über Funk das langerwartete Kommando. Die vorderen Reihen kippten die Metallgitter um und die ersten drei Reihen stürmten nach vorne. Es dauerte nur wenige Sekunden um die offenen Meter bis zu den ersten Krawallmachern und Demonstranten zu schliessen. Während die vorderste Reihen sie mit den Schilden zurück drängte, machten die dahinter die Schlagstöcke bereit. Es sollte nicht lange dauern, um dem Radau ein Ende zu bereiten.
wird fortgesetzt
- BM out -
Black_Mage - am Freitag, 16. Mai 2008, 10:00 - Rubrik: Geschriebenes
noch kein Geständnis - Geständnis verfassen
Delphia, die gütige Mutter, gebar aus dem Äther die Zwillingsbrüder Dugon und Pheliad. Sie verband die vier Elemente und formte eine Kugel, auf die sie ihre Söhne absetzte, um ihnen eine Heimat zu geben. Die Göttin nahm ihr linkes Auge und setzte es an den Himmel, damit es des Tages ihre Söhne erleuchte und über sie wache. Sie setzte die Sterne ans Firnament damit ihre Söhne nachts etwas zu staunen hatten und sie nicht missten. Dann zog sie weiter durch den Äther.
Dugon und Pheliad waren stets im Wettstreit versunken, wer der Stärkere, Schlauere und Beliebtere der beiden sein. Sie formten das Antlitz ihrer Heimat, schufen Berge und Täler, Bäume und Tiere, immer bemüht die Leistung des anderen zu übertreffen. Die Gräben wurden tiefer und die Berge höher, die Pflanzen bunter und die Tiere komplexer, und die Jahre vergingen wie Minuten für die beiden.
Eines Tages schuf Pheliad ein sonderbares Wesen, das ihm bald wichtiger wurde als der Wettstreit mit seinem Bruder. Er förderte es mit aller Macht und half ihm sich zu vermehren und das Land um sich untertan zu machen. Die Wesen entwickelten sich weiter und begannen Pheliad für seine Hilfe zu danken und zu verehren. Dugon wurde bitter als er dies sah, und versuchte die Wesen zu tilgen. Er lies die Erde beben, auf das ihre Häuser zerstört wurden, und er brachte große Hitze und kalte Winde um die Felder zu veröden. Nichts lies er unversucht um das verhasste Volk zu vernichten und die Aufmerksamkeit seines Bruders zurück zu erlangen. Als Philiad sah was sein Bruder seiner Schöpfung angetan hatte, versuchte er ihn zu stoppen, doch dieser warf ihm einen Blitz entgegen. Schwer getroffen sank er auf den Meeresgrund, wo er reglos liegen blieb. Nur das Heben und Senken des Meeresspiegel, durch seinen steten Herzschlag hervor gerufen, zeigte, dass er noch am Leben war.
Als Delphia sah, was ihre geliebten Söhne anstellten, kehrte sie sofort zurück um Dugon zur Rede zu stellen. Doch dieser war von Hass und Zorn vernebelt und griff seine Mutter rücksichtslos an. Mit einem Blitz in der Faust sprang er ihr ins Gesicht. Delphia war unvorbereitet und so stach ihr Sohn ihr verbliebenes rechtes Auge aus. Die gütige Mutter schrie vor Schmerz und die Bäume der Welt warfen sich nieder und der Stein zersprang. Doch wohin das Blut der Göttin tropfte entstanden die wunderbarsten Kreaturen und die mystischten Orte.
"Ich habe dir das Leben und deine Kraft geschenkt. Dich genährt und gewärmt - wie konntest Du nur deine Mutter und deinen Bruder so verraten? Du sollst für alle Ewigkeit ins Nichts verdammt sein!", rief die geblendete Göttin und packte Dugon. Sie warf ihn so weit sie konnte und die Elemente teilten sich und verschluckten den abtrünigen Sohn.
Delphia rief nach Pheliad doch dieser lag weiterhin bewegungslos am Meeresgrund. Traurig wandte sich die gütige Mutter ab und lies ihr wachendes linke Auge zurück. Sie wollte erst wieder aus dem Äther hierher zurückkehren, wenn ihr verbliebener Sohn sich erholt hatte und dem Meer wieder entstiegen war.
Noch heute ruht der göutliche Sohn in den Tiefen der Meere, in heilsamen Schlaf gehüllt, und sein Mutter wandert wartend durch die Weiten des Äther.
Die Welt jedoch entwickelte sich unter ihrem wachsamen Auge zu jenem Ort, den wir heute Heimat nennen.
- BM out -
Dugon und Pheliad waren stets im Wettstreit versunken, wer der Stärkere, Schlauere und Beliebtere der beiden sein. Sie formten das Antlitz ihrer Heimat, schufen Berge und Täler, Bäume und Tiere, immer bemüht die Leistung des anderen zu übertreffen. Die Gräben wurden tiefer und die Berge höher, die Pflanzen bunter und die Tiere komplexer, und die Jahre vergingen wie Minuten für die beiden.
Eines Tages schuf Pheliad ein sonderbares Wesen, das ihm bald wichtiger wurde als der Wettstreit mit seinem Bruder. Er förderte es mit aller Macht und half ihm sich zu vermehren und das Land um sich untertan zu machen. Die Wesen entwickelten sich weiter und begannen Pheliad für seine Hilfe zu danken und zu verehren. Dugon wurde bitter als er dies sah, und versuchte die Wesen zu tilgen. Er lies die Erde beben, auf das ihre Häuser zerstört wurden, und er brachte große Hitze und kalte Winde um die Felder zu veröden. Nichts lies er unversucht um das verhasste Volk zu vernichten und die Aufmerksamkeit seines Bruders zurück zu erlangen. Als Philiad sah was sein Bruder seiner Schöpfung angetan hatte, versuchte er ihn zu stoppen, doch dieser warf ihm einen Blitz entgegen. Schwer getroffen sank er auf den Meeresgrund, wo er reglos liegen blieb. Nur das Heben und Senken des Meeresspiegel, durch seinen steten Herzschlag hervor gerufen, zeigte, dass er noch am Leben war.
Als Delphia sah, was ihre geliebten Söhne anstellten, kehrte sie sofort zurück um Dugon zur Rede zu stellen. Doch dieser war von Hass und Zorn vernebelt und griff seine Mutter rücksichtslos an. Mit einem Blitz in der Faust sprang er ihr ins Gesicht. Delphia war unvorbereitet und so stach ihr Sohn ihr verbliebenes rechtes Auge aus. Die gütige Mutter schrie vor Schmerz und die Bäume der Welt warfen sich nieder und der Stein zersprang. Doch wohin das Blut der Göttin tropfte entstanden die wunderbarsten Kreaturen und die mystischten Orte.
"Ich habe dir das Leben und deine Kraft geschenkt. Dich genährt und gewärmt - wie konntest Du nur deine Mutter und deinen Bruder so verraten? Du sollst für alle Ewigkeit ins Nichts verdammt sein!", rief die geblendete Göttin und packte Dugon. Sie warf ihn so weit sie konnte und die Elemente teilten sich und verschluckten den abtrünigen Sohn.
Delphia rief nach Pheliad doch dieser lag weiterhin bewegungslos am Meeresgrund. Traurig wandte sich die gütige Mutter ab und lies ihr wachendes linke Auge zurück. Sie wollte erst wieder aus dem Äther hierher zurückkehren, wenn ihr verbliebener Sohn sich erholt hatte und dem Meer wieder entstiegen war.
Noch heute ruht der göutliche Sohn in den Tiefen der Meere, in heilsamen Schlaf gehüllt, und sein Mutter wandert wartend durch die Weiten des Äther.
Die Welt jedoch entwickelte sich unter ihrem wachsamen Auge zu jenem Ort, den wir heute Heimat nennen.
- BM out -
Black_Mage - am Dienstag, 13. Mai 2008, 07:34 - Rubrik: Geschriebenes
So, heute gibt es ein kleines Gedicht aus dem Fundus meiner alten Homepage:
Impression
würdevoll gesenkte güldne Köpfchen
stehen sie in Reih und Glied
erhabener Anblick der sich bietet
Sonnenblumen
- BM out -
Impression
würdevoll gesenkte güldne Köpfchen
stehen sie in Reih und Glied
erhabener Anblick der sich bietet
Sonnenblumen
- BM out -
Black_Mage - am Freitag, 9. Mai 2008, 11:51 - Rubrik: Geschriebenes
Mein heutiger Beitrag ist für mich von besonderer Bedeutung. Er datiert zurück ins Jahr 2001, und ist der erste meiner Texte. Hier war es zum ersten Mal so, dass meine Hand wie von selbst über den Zettel geflogen ist, und die Worte sich auf dem Papier verteilt haben, geradezu ohne mein zu tun aus dem Kugelschreiber geflosssen sind. Erst damit habe ich begonnen mich wirklich mit dem Schreiben auseinander zu setzen und auch ohne diesen Kuss der Muse zu versuchen Geschichten zu schreiben.
Feierabend
18:10. Feierabend. Endlich.
Ein Blick auf die Anzeigetafel, 1 Min bis die U-Bahn kommt. Keine Möglichkeit um es zu kontrollieren - egal. Ich neige meinen Kopf stark nach rechts, das erlösende Knacken der Wirbel... Den Kopf auf die andere Seite überstreckt, stark durchdrücken. Kna-Kna-Knacks. Ja - das tut gut. Ich denke an meine Freundin und stelle fest das sie mir fehlt, also konzentriere ich mich auf die größer werdenden Lichtpunkte im Tunnel.
Die U-Bahn fährt ein. Die Gesichter der Passagiere ziehen an mir vorbei...immer langsamer, sie kommen zum Stillstand. Müde Augen blicken mich an und durch mich durch. Ich stehe günstig, bin schnell in dem Wagon...und hab schon einen Sitzplatz ergattert. Die kleinen Siege des Alltags.
Der Rucksack von den Schultern geglitten, findet auf meinem Schoss platz. Die U-Bahn fährt weiter. Ein kurzer, abcheckender Blick zu meinem schräg vis-a-vis. Ein Bär. Sicherlich über 1,85 groß...Vollbart...rotbraunes Haar...hellbraune Augen..weißes Hemd mit blauer Krawatte - Blickkontakt für wenige Sekunden. Die Revierstreitigkeiten sofort geklärt. Er schaut aus dem Fenster, ich mich im Wagon um.
Südtirolerplatz. Getümmel im Bereich der Türe. Raus, Rein, Tür zu - "Zug fährt ab". Ein Typ der gerade eingestiegen ist kommt näher, setzt sich mir gegenüber hin. "Cooler Bart", registriere ich still für mich, und bemerke das er mich ebenfalls anschaut. Ich blicke ihm in die Augen, er wendet sich ab. Mein blick bleibt auf seinen Bart gerichtet. Die Frage warum _er_ einen coolen Bart hat und ich nicht schleicht sich in meinen Kopf. Ich versuche mich davon abzulenken in dem ich mich wieder im Wagon umschaue. Links von mir, durch den Gang getrennt, sitzt eine Frau. Für unsere Zeiten sicher nichts ungewöhnliches...ist mir sogar schon öfters passiert. Wie gesagt, eine Frau - eine ganz gewöhnliche, nicht sonderlich attraktive (wobei mir wichtig ist anzumerken, das Attraktivität im Auge des Betrachters liegt, und ich keinen Anspruch stelle, das meine Präferenzen in diesem Punkt als relevant gelten), aber auch nicht hässliche (hier gilt im übrigen das selbe wie bei der Attraktivität - nur um das klar zu stellen bevor Fragen aufkommen); eine Frau also wie sie einem tagtäglich Hunderte Male begegnet. Während mein Blick gerade über sie hinweg wandert schaut sie auch kurz zu mir rüber. Der übliche Blickkontakt. Schon fast ein Ritual unserer Gesellschaft.
Taubstummengasse. Ich merke aus den Augenwinkeln, das der Typ mir gegenüber schon wieder zu mir rüber starrt. Mich anstarrt...nicht durch mich durch, wie es in der U-Bahn üblich ist. Die Frau links neben mir steht auf und steigt aus. Ich stehe auf, schultere den Rucksack und straffe meine Jacke, steige ebenfalls aus. Eigentlich hätte ich noch 5 Stationen. Ich folge ihr in wenigen Metern abstand. Sie nimmt die Stiegen und ich steige hinter ihr hinauf. Ich frage mich nicht mal warum ich das tue. Sie wirft kurz einen Blick über ihre Schulter zu mir nach hinten als wir die Station verlassen und wieder unter freiem Himmel stehen. Sie geht weiter, führt mich, ich lasse meinen Blick nicht von ihr. Beobachte sie wie sie geht...folge ihren Beinen die mit wiegenden Schritten den Boden unter sich, hinter sich bringen. Mein Blick wandert die Beine nach oben, rhythmisch zeichnet sich mal die eine, dann die andere Pobacke unter ihrem Rock ab. Keine Reaktion in mir oder an mir, es ist mir gleich. Mein Blick geht weiter nach oben, über ihre Schultern, die zum Teil vom braunen Haar verdeckt sind. Ihren Hals kann ich gar nicht einsehen. Mein Abstand zu ihr bleibt gleich. Nach wenigen Minuten stehen wir vor einer Haustür. Sie sperrt auf, ich folge ihr...es fühlt sich so selbstverständlich an. 1. Stock. 2. Stock. Wieder eine Tür. Sie sperrt auf, ich folge ihr. Sie legt ihre Schlüssel und die Handtasche ab, schmeisst die Jacke über einen Sessel, geht weiter, in den letzten Raum der Wohnung. Wortlos folge ich ihr, beachte das Interieur nicht.
Wir schauen uns nicht an. Es ist leise, eher schon still. Bis auf das leise Geräusch eines sich öffnenden Zipps und der zu Boden gleitenden Kleidung ist gar nichts zu hören. Trotz der warmen Farben im Raum ist mir doch eher kühl. Ich blicke kurz an mir runter, ein vertrauter Anblick, nichts neues und alles da wo es sonst auch ist. Ich lächle zufrieden... oder ist es erleichtert? Zögernd wende ich meinen Blick von mir ab. Warum zögernd? Finde ich meinen Anblick so unwiderstehlich, das ich nicht genug bekomme, oder habe ich Angst vor dem was mich erwartet. Neben dem Haufen Kleidung der mir gehört befindet sich ein weiterer Haufen Textil, den Rock kann ich eindeutig als den identifizieren den die Frau der ich gefolgt bin getragen hat. Slip und BH dürften wohl auch ihr gehören, stelle ich für mich fest. Ich stelle fest, das der Platz neben dem Kleidungshaufen unbesetzt ist...denn anders als ich steht sie nicht mehr wie angewurzelt im Raum rum.
Sie liegt bereits auf dem Bett. Flach am Rücken, ihr Atem geht ruhig und regelmässig. Ich erfasse sie als ein Ganzes, wie sie so vor mir liegt, ihre helle Haut, ihre Brüste, ihr Nabel, ihre Schenkel, die Bikinizone... und obwohl ich feststelle das sie mich nicht anspricht, ich sie nicht kenne, sie mir nichts bedeutet stellt sich ein gewisser Grad der körperlichen Erregung bei mir ein. Tja...soviel zu den primitiven Anlagen die man nicht steuern kann...
Ich lasse mich über ihr auf dem Bett nieder, sie öffnet sich, ihre Schenkel umschliessen mich - würden mich nicht los lassen, selbst wenn ich es wollte. Wir verschmelzen...zumindest körperlich. Langsame, rhythmische Bewegungen folgen, werden schneller und intensiver. Leises Keuchen ist zu hören. Ob von mir oder von ihr, ich weiss es nicht. Ich denke an den coolen Bart von dem Typen aus der U-Bahn und frage mich wieder, was ich tun muss, um auch so einen Bart zu bekommen. Die Beckenbewegungen gehen automatisch weiter. Wie schon vorhin in der U-Bahnstation keine Möglichkeit um abzulesen wieviel Zeit vergeht... Die Beckenbewegungen werden kurzfristig schnell und fest, ein kurzer Moment der Erstarrung dann langsames Fade-out. "Das wars" stelle ich still für mich fest. "_Das_ wars?" frage ich mich innerlich.
Karlsplatz. Der Typ mir gegenüber starrt mich noch immer an. Selbst ein cooler Bart rechtfertigt es nicht mich 3 Minuten lang anzustarren finde ich. Die Leute steigen ein, die Leute steigen aus, sie stehen auf, sie setzen sich. Die Leute hasten an der Aussenseite der U-Bahn vorbei. Müde Blicke innen, müde Blicke aussen. Ein kleines Kind schreit hinter mir. Der Bär reckt kurz den Hals um zu sehen was los ist. Ich widerstehe dem Drang mich umzudrehen. Links von mir, durch den Gang getrennt, sitzt jetzt eine andere Frau. Ich beachte sie nicht weiter.
Schwedenplatz. Ja...nur mehr 2 Stationen und ich komm endlich aus dieser überfüllten U-Bahn raus... Gegen 18 Uhr auszuhaben und dann mit der U-Bahn zu fahren, gehört zu den Dingen, die ich nicht als komfortabel bezeichnen würde. Es ist weniger die räumliche Beengtheit die mich stört. Nirgendwo anders als in der U-Bahn kann man sich so alleine fühlen, obwohl einen so viele Menschen umgeben. Nicht nur das man sich nicht ansieht - außer diesem obligatorischen ersten Blick, um zu sehen wer da einem die Luft wegatmen will - nein, man schottet sich ab. Bildet eine eigene Zone, ein Terrain der Hostilität, als ob man seine Persönlichkeit verliert, sein individuelles Wesen wenn man sich auf die anderen Personen einlässt. Mir wird bewusst das ich keine Ausnahme bilde, und schon fühle ich mich den anderen auf eine eigenartige Weise verbunden. So sehr wir uns auch bemühen die anderen zu ignorieren, wir beeinflussen sie.
Nestroyplatz - one more station. Mr. Cool Bart steigt aus. Yes. Auch wenn er die letzten Stationen es unterlassen hat mich anzustarren. Nun sind nur noch der Bär und ich von der Original-Besatzung dieses 4er-Sitzplatzes übrig. Ich finde den roten Faden meines Gedankenganges wieder. Wir beeinflussen die anderen. Das hat was von Quantentheorie. Mein beobachten eines Objektes verändert es, und legt fest wie und was es ist. Ich kann bei dem Gedanken ein Grinsen nicht unterdrücken, frage mich aber gleichzeitig was die anderen sich dabei denken müssen.
Die U-Bahn wird langsamer, kommt aus ihrem Tunnel, das Licht der Station dringt durch die Fenster...es ist anders als das Licht in der U-Bahn.
Praterstern. Die Leute am Bahnsteig schauen erwartungsvoll, lechzend..endlich ihre U-Bahn die sie heimbringt, oder ins Kino, oder wo immer sie hinmüssen. Die Leute vor den Türen schauen lechzend und erwartungsvoll...endlich die Station bei der sie raus müssen, um heimzugehen oder ein anderes Transportmittel zu wählen. Ich stehe auf, schultere den Rucksack, straffe meine Jacke, schiebe mich in die Menge der Ausströmenden. Ich werfe einen letzten blick auf den Bären. Bilde ich mir das ein, oder hat er auch gerade zu mir geschaut. Habe ich in seinen Augen so was wie ein "Ciao, schönen Abend noch, vielleicht sehen wir uns ja mal wieder" gelesen? Ich schüttle den Kopf und lasse mich aus dem Wagon schieben. Schiebe die Leute um mich vor mir mit bis ich wieder festen Boden unter den Füssen hab. Wäre es nun angebracht, dem Papst ähnlich auf die Knie zu fallen und den Boden zu küssen? Klar, ich würde mir alle möglichen Krankheiten holen, aber es _ist_ ein bedeutende Geste. Ich komme aber eh nicht dazu es in die Tat umzusetzen, ich wurde mittlerweile viel zu weit weggeschoben, als dass es jetzt noch von Bedeutung wäre. Ich werfe von aussen einen Blick auf Bär, er schaut durch mich durch...zumindest tut er so. "Bis dann, wir sehen uns", sag ich ihm mit meinen Augen und gehe weiter. Die Stiegen vor mir, die Meute hinter mir, nur eines war klar - das Ziel war die Schnellbahn.
- BM out -
Feierabend
18:10. Feierabend. Endlich.
Ein Blick auf die Anzeigetafel, 1 Min bis die U-Bahn kommt. Keine Möglichkeit um es zu kontrollieren - egal. Ich neige meinen Kopf stark nach rechts, das erlösende Knacken der Wirbel... Den Kopf auf die andere Seite überstreckt, stark durchdrücken. Kna-Kna-Knacks. Ja - das tut gut. Ich denke an meine Freundin und stelle fest das sie mir fehlt, also konzentriere ich mich auf die größer werdenden Lichtpunkte im Tunnel.
Die U-Bahn fährt ein. Die Gesichter der Passagiere ziehen an mir vorbei...immer langsamer, sie kommen zum Stillstand. Müde Augen blicken mich an und durch mich durch. Ich stehe günstig, bin schnell in dem Wagon...und hab schon einen Sitzplatz ergattert. Die kleinen Siege des Alltags.
Der Rucksack von den Schultern geglitten, findet auf meinem Schoss platz. Die U-Bahn fährt weiter. Ein kurzer, abcheckender Blick zu meinem schräg vis-a-vis. Ein Bär. Sicherlich über 1,85 groß...Vollbart...rotbraunes Haar...hellbraune Augen..weißes Hemd mit blauer Krawatte - Blickkontakt für wenige Sekunden. Die Revierstreitigkeiten sofort geklärt. Er schaut aus dem Fenster, ich mich im Wagon um.
Südtirolerplatz. Getümmel im Bereich der Türe. Raus, Rein, Tür zu - "Zug fährt ab". Ein Typ der gerade eingestiegen ist kommt näher, setzt sich mir gegenüber hin. "Cooler Bart", registriere ich still für mich, und bemerke das er mich ebenfalls anschaut. Ich blicke ihm in die Augen, er wendet sich ab. Mein blick bleibt auf seinen Bart gerichtet. Die Frage warum _er_ einen coolen Bart hat und ich nicht schleicht sich in meinen Kopf. Ich versuche mich davon abzulenken in dem ich mich wieder im Wagon umschaue. Links von mir, durch den Gang getrennt, sitzt eine Frau. Für unsere Zeiten sicher nichts ungewöhnliches...ist mir sogar schon öfters passiert. Wie gesagt, eine Frau - eine ganz gewöhnliche, nicht sonderlich attraktive (wobei mir wichtig ist anzumerken, das Attraktivität im Auge des Betrachters liegt, und ich keinen Anspruch stelle, das meine Präferenzen in diesem Punkt als relevant gelten), aber auch nicht hässliche (hier gilt im übrigen das selbe wie bei der Attraktivität - nur um das klar zu stellen bevor Fragen aufkommen); eine Frau also wie sie einem tagtäglich Hunderte Male begegnet. Während mein Blick gerade über sie hinweg wandert schaut sie auch kurz zu mir rüber. Der übliche Blickkontakt. Schon fast ein Ritual unserer Gesellschaft.
Taubstummengasse. Ich merke aus den Augenwinkeln, das der Typ mir gegenüber schon wieder zu mir rüber starrt. Mich anstarrt...nicht durch mich durch, wie es in der U-Bahn üblich ist. Die Frau links neben mir steht auf und steigt aus. Ich stehe auf, schultere den Rucksack und straffe meine Jacke, steige ebenfalls aus. Eigentlich hätte ich noch 5 Stationen. Ich folge ihr in wenigen Metern abstand. Sie nimmt die Stiegen und ich steige hinter ihr hinauf. Ich frage mich nicht mal warum ich das tue. Sie wirft kurz einen Blick über ihre Schulter zu mir nach hinten als wir die Station verlassen und wieder unter freiem Himmel stehen. Sie geht weiter, führt mich, ich lasse meinen Blick nicht von ihr. Beobachte sie wie sie geht...folge ihren Beinen die mit wiegenden Schritten den Boden unter sich, hinter sich bringen. Mein Blick wandert die Beine nach oben, rhythmisch zeichnet sich mal die eine, dann die andere Pobacke unter ihrem Rock ab. Keine Reaktion in mir oder an mir, es ist mir gleich. Mein Blick geht weiter nach oben, über ihre Schultern, die zum Teil vom braunen Haar verdeckt sind. Ihren Hals kann ich gar nicht einsehen. Mein Abstand zu ihr bleibt gleich. Nach wenigen Minuten stehen wir vor einer Haustür. Sie sperrt auf, ich folge ihr...es fühlt sich so selbstverständlich an. 1. Stock. 2. Stock. Wieder eine Tür. Sie sperrt auf, ich folge ihr. Sie legt ihre Schlüssel und die Handtasche ab, schmeisst die Jacke über einen Sessel, geht weiter, in den letzten Raum der Wohnung. Wortlos folge ich ihr, beachte das Interieur nicht.
Wir schauen uns nicht an. Es ist leise, eher schon still. Bis auf das leise Geräusch eines sich öffnenden Zipps und der zu Boden gleitenden Kleidung ist gar nichts zu hören. Trotz der warmen Farben im Raum ist mir doch eher kühl. Ich blicke kurz an mir runter, ein vertrauter Anblick, nichts neues und alles da wo es sonst auch ist. Ich lächle zufrieden... oder ist es erleichtert? Zögernd wende ich meinen Blick von mir ab. Warum zögernd? Finde ich meinen Anblick so unwiderstehlich, das ich nicht genug bekomme, oder habe ich Angst vor dem was mich erwartet. Neben dem Haufen Kleidung der mir gehört befindet sich ein weiterer Haufen Textil, den Rock kann ich eindeutig als den identifizieren den die Frau der ich gefolgt bin getragen hat. Slip und BH dürften wohl auch ihr gehören, stelle ich für mich fest. Ich stelle fest, das der Platz neben dem Kleidungshaufen unbesetzt ist...denn anders als ich steht sie nicht mehr wie angewurzelt im Raum rum.
Sie liegt bereits auf dem Bett. Flach am Rücken, ihr Atem geht ruhig und regelmässig. Ich erfasse sie als ein Ganzes, wie sie so vor mir liegt, ihre helle Haut, ihre Brüste, ihr Nabel, ihre Schenkel, die Bikinizone... und obwohl ich feststelle das sie mich nicht anspricht, ich sie nicht kenne, sie mir nichts bedeutet stellt sich ein gewisser Grad der körperlichen Erregung bei mir ein. Tja...soviel zu den primitiven Anlagen die man nicht steuern kann...
Ich lasse mich über ihr auf dem Bett nieder, sie öffnet sich, ihre Schenkel umschliessen mich - würden mich nicht los lassen, selbst wenn ich es wollte. Wir verschmelzen...zumindest körperlich. Langsame, rhythmische Bewegungen folgen, werden schneller und intensiver. Leises Keuchen ist zu hören. Ob von mir oder von ihr, ich weiss es nicht. Ich denke an den coolen Bart von dem Typen aus der U-Bahn und frage mich wieder, was ich tun muss, um auch so einen Bart zu bekommen. Die Beckenbewegungen gehen automatisch weiter. Wie schon vorhin in der U-Bahnstation keine Möglichkeit um abzulesen wieviel Zeit vergeht... Die Beckenbewegungen werden kurzfristig schnell und fest, ein kurzer Moment der Erstarrung dann langsames Fade-out. "Das wars" stelle ich still für mich fest. "_Das_ wars?" frage ich mich innerlich.
Karlsplatz. Der Typ mir gegenüber starrt mich noch immer an. Selbst ein cooler Bart rechtfertigt es nicht mich 3 Minuten lang anzustarren finde ich. Die Leute steigen ein, die Leute steigen aus, sie stehen auf, sie setzen sich. Die Leute hasten an der Aussenseite der U-Bahn vorbei. Müde Blicke innen, müde Blicke aussen. Ein kleines Kind schreit hinter mir. Der Bär reckt kurz den Hals um zu sehen was los ist. Ich widerstehe dem Drang mich umzudrehen. Links von mir, durch den Gang getrennt, sitzt jetzt eine andere Frau. Ich beachte sie nicht weiter.
Schwedenplatz. Ja...nur mehr 2 Stationen und ich komm endlich aus dieser überfüllten U-Bahn raus... Gegen 18 Uhr auszuhaben und dann mit der U-Bahn zu fahren, gehört zu den Dingen, die ich nicht als komfortabel bezeichnen würde. Es ist weniger die räumliche Beengtheit die mich stört. Nirgendwo anders als in der U-Bahn kann man sich so alleine fühlen, obwohl einen so viele Menschen umgeben. Nicht nur das man sich nicht ansieht - außer diesem obligatorischen ersten Blick, um zu sehen wer da einem die Luft wegatmen will - nein, man schottet sich ab. Bildet eine eigene Zone, ein Terrain der Hostilität, als ob man seine Persönlichkeit verliert, sein individuelles Wesen wenn man sich auf die anderen Personen einlässt. Mir wird bewusst das ich keine Ausnahme bilde, und schon fühle ich mich den anderen auf eine eigenartige Weise verbunden. So sehr wir uns auch bemühen die anderen zu ignorieren, wir beeinflussen sie.
Nestroyplatz - one more station. Mr. Cool Bart steigt aus. Yes. Auch wenn er die letzten Stationen es unterlassen hat mich anzustarren. Nun sind nur noch der Bär und ich von der Original-Besatzung dieses 4er-Sitzplatzes übrig. Ich finde den roten Faden meines Gedankenganges wieder. Wir beeinflussen die anderen. Das hat was von Quantentheorie. Mein beobachten eines Objektes verändert es, und legt fest wie und was es ist. Ich kann bei dem Gedanken ein Grinsen nicht unterdrücken, frage mich aber gleichzeitig was die anderen sich dabei denken müssen.
Die U-Bahn wird langsamer, kommt aus ihrem Tunnel, das Licht der Station dringt durch die Fenster...es ist anders als das Licht in der U-Bahn.
Praterstern. Die Leute am Bahnsteig schauen erwartungsvoll, lechzend..endlich ihre U-Bahn die sie heimbringt, oder ins Kino, oder wo immer sie hinmüssen. Die Leute vor den Türen schauen lechzend und erwartungsvoll...endlich die Station bei der sie raus müssen, um heimzugehen oder ein anderes Transportmittel zu wählen. Ich stehe auf, schultere den Rucksack, straffe meine Jacke, schiebe mich in die Menge der Ausströmenden. Ich werfe einen letzten blick auf den Bären. Bilde ich mir das ein, oder hat er auch gerade zu mir geschaut. Habe ich in seinen Augen so was wie ein "Ciao, schönen Abend noch, vielleicht sehen wir uns ja mal wieder" gelesen? Ich schüttle den Kopf und lasse mich aus dem Wagon schieben. Schiebe die Leute um mich vor mir mit bis ich wieder festen Boden unter den Füssen hab. Wäre es nun angebracht, dem Papst ähnlich auf die Knie zu fallen und den Boden zu küssen? Klar, ich würde mir alle möglichen Krankheiten holen, aber es _ist_ ein bedeutende Geste. Ich komme aber eh nicht dazu es in die Tat umzusetzen, ich wurde mittlerweile viel zu weit weggeschoben, als dass es jetzt noch von Bedeutung wäre. Ich werfe von aussen einen Blick auf Bär, er schaut durch mich durch...zumindest tut er so. "Bis dann, wir sehen uns", sag ich ihm mit meinen Augen und gehe weiter. Die Stiegen vor mir, die Meute hinter mir, nur eines war klar - das Ziel war die Schnellbahn.
- BM out -
Black_Mage - am Dienstag, 6. Mai 2008, 10:00 - Rubrik: Geschriebenes
Am folgenden Morgen war dann das 'böse Erwachen' angesagt. Während ich noch völlig verschlafen und verzweifelt an meinem Wecker rumdrückte, damit er mit seinem nervenden Gepiepe endlich aufhören würde, bekam ich einen halben Herzinfarkt, als ich die Augen aufmachte. Sie stand direkt neben meinem Bett.
Ihr Gesicht spiegelte eine Mischung aus Sorge und Ärger wieder, wie ich ihn noch nie auf ihrem Gesicht gesehen hatte. Ähnliche Mimik war mir natürlich nicht fremd, ich hatte sie als Jugendlicher oft genug bei meiner Mutter ausgelöst, und wohl auch hin und wieder bei meiner letzten Freundin. Doch in all den Wochen, die wir uns nun jeden Sonntag gesehen hatten, war ihr kaum mehr zu entlocken gewesen, als mal ein Lächeln oder ein Blick den ich als "Du weißt, dass ich dir keine Antwort darauf gebe" interpretierte.
Meine Gesichtszüge müssen im ersten Moment aber auch etwas entgleist sein und wahrscheinlich habe ich auch kurz aufgeschrien und bin etwas zusammen gezuckt, denn im selben Moment machte sie einen Sprung zurück. Man wacht schliesslich nicht jeden Tag auf, und wird von dem Geist beobachtet, der einen sonst nur am Sonntag besuchte.
"Was machst Du denn hier? Heute ist doch Montag.", sagte ich also zu ihr.
Die Mischung aus Sorge und Ärger, aus der ihr Gesichtsausdruck bislang bestanden hatte, fing an zu kippen. Und wie ich besorgt feststellte, schien Sorge keine große Rolle mehr in der kommenden Mimik zu spielen. Ich musste an 'Poltergeist' denken und wollte mich schon instinktiv in der Matratze festkrallen, sollte sie nun beginnen mich und die Alltagsgegenstände im Schlafzimmer rumfliegen zu lassen.
"Versteh mich nicht falsch, aber bisher warst Du doch immer nur Sonntags hier." ...und plötzlich begann ich zu verstehen. Sie war am Vortag hier gewesen, aber ich nicht. Ich hatte mich mit meinen Freunden am Schotterteich amüsiert, und sie hatte auf mich gewartet. War wohl immer wieder aufgetaucht, und verschwunden, aufgetaucht und verschwunden, und hatte dabei vergeblich auf mich gewartet und sich wohl Sorgen gemacht, wo ich blieb. Auch wenn ich bisher nie das Gefühl hatte, dass es für sie entscheidend war, was ich tat, wurde mir nun klar, dass es für sie sehr wohl entscheidend war, dass ich anwesend war.
"Oh.", war alles was ich sagen konnte, als mich der Hammer der Erkenntnis endlich traf.
"Es tut mir leid. Mir war nicht klar, wie wichtig diese Sonntage für Dich sind. Aber wenn Du auch an anderen Tagen vorbei kommen kannst, dann schau doch auch mal unter der Woche vorbei. Ich bin oft genug abends nach der Arbeit zuhause, und dann können wir immer noch gemeinsam Zeit verbringen."
Offensichtlich zeigten meine Worte bei ihr Wirkung, denn sie entspannte sich merklich. Es war mir erst gar nicht aufgefallen, aber dieser bläuliche Schimmer, der irgendwo innerhalb ihrer Konturen lag, hatte in den letzten Minuten einen tieferen, dunkleren Blauton angenommen gehabt, und war nun wieder zu dem blassen Ton geworden, den ich kannte.
Ich saß nun an der Bettkante und schaute zu ihr hoch, sie lächelte zufrieden und wir waren offenbar beide froh, dass sie nicht den Poltergeist raushängen lassen musste. Wir schwiegen gemeinsam ein paar Minuten, bis mir plötzlich einfiel, dass ich längst auf den Beinen sein sollte.
"Verdammt, ich muss los. Sorry, aber die Arbeit ruft.", ich sprang aus dem Bett und hastete an ihr vorbei aus dem Schlafzimmer ins Bad. Sie machte eine wegwerfende Bewegung und trottete ins Wohnzimmer. Als ich nach dem Duschen dort vorbei kam war sie aber wieder verschwunden. Ich fragte mich, welche Auswirkungen das nun auf mein Leben haben würde, wo sie wohl öfter in meiner Wohnung auftauchen würde.
Die Auswirkungen liessen nichtlange auf sich warten, und waren alle eigentlich positiver Natur. Von nun an, saß ich kaum noch abends allein in meiner Wohnung. Immer öfter besuchte sie mich, und so lernte sie immer besser kennen, verstand ihre Mimik und Gestik immer besser, die sie auch immer offener einsetzte. Wir entwickelten eine richtige Kommunikation, und ich hinterließ ihr Nachrichten, wenn ich wusste, dass ich erst später heimkommen würde, damit sie nicht umsonst wartete. Ich wusste weiterhin nicht, woher sie kam und wohin sie ging, wo sie war, wenn sie nicht bei mir war. Aber ich konnte einige ihrer Vorlieben und Interessen kennen lernen. Sie mochte Thriller, sowohl in Buchform als auch Filme. Sie machte sich nicht wirklich was aus Musik, fand es aber wiederum spannend mir zuzusehen, wenn ich Computer spielte. Keine große Überraschung war es, herauszufinden, dass sie die Farbe blau mochte. Bald hatte ich das tatsächliche Gefühl, dass wir Freunde geworden waren.
So oft sie nun auch zu Besuch war, und offensichtlich konnte sie mittlerweile ziemlich gut kontrollieren ob sie verschwand oder nicht, da sie sich begann von mir zu verabschieden, gab es Zeiten, in denen sie nicht da war. Und das war stets dann der Fall, wenn ich richtigen Besuch hatte. Wobei 'richtig' wohl das falsche Wort ist. Feststofflicher Besuch, vielleicht? Egal.
Wann immer ich noch jemanden zu Besuch hatte, konnte ich sicher sein, dass sie nicht da war. Das fand ich auf der einen Seite zwar erleichternd, denn ich hätte es wohl schwer gefunden, sie anderen Leuten vorzustellen. "Darf ich vorstellen, mein Geist. Keine Sorge, sie ist wirklich ganz nett." Auf der anderen Seite, war es aber auch Schade, denn mit der Zeit war sie ein richtig wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden, den ich mit niemandem teilen konnte. Meinen Freunden oder den Kollegen in der Arbeit erzählte ich natürlich nicht davon, die hätten nur meine geistige Gesundheit in Frage gestellt. Meinen Eltern gegenüber behauptete ich, ich hätte mich mit einer Nachbarin angefreundet, die ab und zu zum Fernsehen oder zum Plaudern vorbei kam. Es war einfacher als die Wahrheit, und so konnte ich wenigstens ein wenig über sie reden.
Auf die Idee, dass es vielleicht tatsächlich an meinem Verstand lag, dass niemand sie sehen konnte, sie zufällig nie da war, wenn ich Besuch hatte, bin ich kein einziges Mal gekommen, dazu hatte ich ja auch keine Veranlassung.
Manchmal, wenn sie sehr lange blieb, dann kam sie mit ins Bett. Nicht auf diese Weise, wie man sich das jetzt vielleicht denkt, schliesslich war sie nicht viel mehr als die dreidimensionale Kontur eines Menschen. Aber sie saß dann an der Bettkante, oder lag auch auf der freien Stelle neben mir. Immerhin bot das Bett genug Platz für drei Leute. Deswegen hatte ich ihr dann irgendwann sogar eine eigene Garnitur Bettzeug bereit gelegt, die sie natürlich nicht brauchte, aber ich konnte an ihrer Mimik erkennen, dass sie sich über die Geste freute.
Und so kam es, dass ich immer wieder mal neben ihr im Dunkeln lag, und ihr im einschlafen noch irgendwas erzählte. Von meinem Alltag, Anekdoten aus der Arbeit, Geschichten aus meiner Kindheit oder auch Gedanken zum aktuellen Tagesgeschehen, was mir halt so einfiel. In der Finsternis meines Schlafzimmers wirkte das blassblaue Leuchte, das von ihr ausging, zwar intensiver als sonst, aber dann schien auch sie intensiver und realer zu sein als sonst.
Ich mochte diese gemeinsamen Nächte besonders. Das Gefühl, sie wache über meinen Schlaf, würde böse Träume fern halten, hatte eine überaus beruhigende Wirkung auf mich. Auch wenn sie bestimmt, kurze Zeit nachdem ich eingeschlafen war, wohl verschwand.
Morgens tauchte sie selten auf, außer an manchen Wochenenden, wohl weil sie wusste, dass ich gar keine Zeit für sie hatte, viel zu sehr im Stress war mich für die Arbeit fertig zu machen. Nach einigen Wochen hatte ich mich bereits an das alles so sehr gewöhnt, als wäre es mein ganzes Leben lang nicht anders gewesen.
Wie gesagt, war sie nicht jeden Tag bei mir. Manchmal zwei, drei Tage hintereinander, dann mal wieder zwei, drei Tage gar nicht. Aber jeden Sonntag, den ich daheim verbrachte, kam sie verlässlich vorbei, um mit mir einen Film zu schauen oder einfach nur faul rumzuhängen.
Es war ein Dienstag Abend als ich das letzte mal einschlief, während sie still neben mir liegend vor sich hin leuchtete. Ich hatte ihr davon erzählt, wie meine letzte Freundin mich vor drei Jahren verlassen hatte, kurz nachdem wir zusammen in diese Wohnung gezogen waren. Das sie plötzlich ein großartiges Jobangebot bekommen hatte, um eine Zweigstelle des Konzerns für den sie arbeitete zu übernehmen und ins Ausland verschwunden sei. Das ich zu inflexibel gewesen sei um mitzugehen, meinen Job nicht aufgeben wollte, obwohl er nichts besonderes war. Vielleicht hatte diese Geschichte ja etwas damit zu tun das sie ging. Vielleicht lag es auch nicht in ihrer Macht.
Als ich sie die nächsten Tage nie zu sehen bekam, wunderte mich das noch nicht. Als das Wochenende kam und sie noch immer nicht wieder aufgetaucht war, und auch keine Spur davon zu sehen war, dass sie in der Wohnung gewesen war, während ich fort war, wurde ich ein wenig unruhig. Als sie aber auch am Sonntag nicht kam, war ich am Boden zerstört.
Zuerst war es Sorge, ihr hätte etwas zugestossen sein können, auch wenn ich keine Ahnung hatte, welche Gefahren auf halbdurchsichtige junge Frauen lauerten.
Je länger der Sonntag wurde, umso mehr verlor ich das Gleichgewicht, die Balance, jenen schmalen Grat unter den Füssen, dem wir Menschen folgen, wenn wir richtig funktionieren.
Die Zeit für den gewohnten Sonntag-Nachmittag-Film verging, ohne dass ihr blauer Schein in meiner Wohnung zu sehen war.
Der Abend kam, und ich hatte seit der früh nichts mehr gegessen, aber auch gar keinen Appetit doch noch was zu mir zu nehmen. Ich fühlte mich matt und leer, wollte am liebsten schlafen gehen, aber die Vorstellung sie zu versäumen hielt mich bis Mitternacht wach.
Am nächsten Tag hielt ich es nicht lange in der Arbeit aus. Ich war fahrig und unkonzentriert. Also meldete ich mich für die nächsten Tage krank und ging heim.
Ich denke nicht, dass ich erwähnen muss, dass sie auch in den nächsten Tagen nicht wieder kam. Doch diese Zeit, die ich unruhig wartend in meiner Wohnung verbrachte, half mir dabei, mir darüber klar zu werden, dass ich mich offensichtlich in sie verliebt hatte. So seltsam das war, in einen Geist oder eine Vorstellung verliebt zu sein. Ich hatte sie nie berührt oder gar geküsst, sie nie gehört oder gerochen. Aber ihre Anwesenheit hatte mein Leben auf eine seltsame Weise bereichert, die nun, da es vorbei war, mir unerträglich wurde.
Schliesslich akzeptierte ich, dass sie gegangen war. Ob nun freiwillig oder nicht, aber mein Geist hatte mich verlassen.
Seither sind nun vier Wochen vergangen. Einen ganzen Monat ist es her, und nun liege ich also um halb vier wach in meinem Bett, starre in die undurchdringliche Dunkelheit der Nacht, die mein Schlafzimmer eingenommen hat. All diese Erinnerungen an sie und die Zeit mir ihr zucken innerhalb weniger Sekunden durch meinen Kopf. Ein bestimmter Blick von ihr, ein Lächeln, ihre Hand die zur Popcorn-Schüssel greifen will und im letzten Moment zurück zuckt, das überraschte Gesicht als sie bei einem Thriller die die Schlüsselszene mit dem großen Plot-twist liest. Die Bilder verstummen endlich, als ich doch wieder einschlafe. Die restliche Nacht schlafe ich traumlos durch.
Das ich nach dieser Nacht ein wenig unausgeschlafen bin ist also gar nicht so verwunderlich. Ich spule mein Morgenprogramm automatisch ab. Als ich gerade in der Küche stehe und das Frühstück herrichte, läutet es an der Wohnungstür. Normalerweise ist das keine Uhrzeit, an der sich meine Glocke meldet, außer es ist vielleicht der Postler mit einem Paket. Den erwartete ich zwar nicht, aber unausgeschlafen wie ich bin, gehe ich einfach zur Tür und öffne sie ohne lange darüber nachzudenken.
Vor der Tür steht eine junge Frau mit langem blonden Haar, dass sie offen über Schultern hängend trägt. Sie trägt einen blauen Rock und eine dunkle Bluse, hat einen kleinen Koffer neben sich am Boden stehen. Ich will ihr schon sagen, dass sie sich in der Türnummer geirrt hat, oder auch das ich nicht vorhabe irgendwas zu kaufen, zu spenden, zu unterschreiben oder gar ihrem Glauben beizutreten, doch sie steht nur da und lächelt mich an. In dem Moment trifft mich die Erkenntnis wie ein Blitz, und ich bin mit einem Mal hell wach.
Es ist eindeutig sie. Ihre markante Nase lässt jeden Irrtum ausschliessen. Es liegt nicht nur am der anderen Frisur oder der Kleidung, dass ich sie nicht im ersten Moment erkannt habe. Nein, die Tatsache, dass sie kein bisschen durchscheinend wirkt, und kein blauer Schimmer in ihr zu ruhen scheint, dass sie voll und ganz konsistent und feststofflich wirkt, haben mich in die Irre geführt. Ich stehe nur da, starre sie mit offen stehendem Mund an.
Jetzt, in diesem Moment, bin ich sicher den Verstand verloren zu haben. Sie monatelang halbtransparent in meiner Gegenwart zu haben, kam mir nie unrealistisch oder falsch vor. Doch dass sie nun real, in Fleisch und Blut vor mir stehen soll, zeigt mir, dass es um meine geistige Gesundheit schlechter bestellt ist, als meine Freunde angenommen haben.
Sie lacht, und kommt die zwei Schritte die uns noch trennen näher.
Sie umarmt mich und tatsächlich kann ich sie spüren, ich lege meine Arme um sie, halte sie fest. Ich kann sie riechen, und wie sie duftet. Während sie sich an mich drückt, flüstert sie mir ins Ohr. "Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Aber dafür bleibe ich jetzt bei Dir."
Fin
- BM out -
Ihr Gesicht spiegelte eine Mischung aus Sorge und Ärger wieder, wie ich ihn noch nie auf ihrem Gesicht gesehen hatte. Ähnliche Mimik war mir natürlich nicht fremd, ich hatte sie als Jugendlicher oft genug bei meiner Mutter ausgelöst, und wohl auch hin und wieder bei meiner letzten Freundin. Doch in all den Wochen, die wir uns nun jeden Sonntag gesehen hatten, war ihr kaum mehr zu entlocken gewesen, als mal ein Lächeln oder ein Blick den ich als "Du weißt, dass ich dir keine Antwort darauf gebe" interpretierte.
Meine Gesichtszüge müssen im ersten Moment aber auch etwas entgleist sein und wahrscheinlich habe ich auch kurz aufgeschrien und bin etwas zusammen gezuckt, denn im selben Moment machte sie einen Sprung zurück. Man wacht schliesslich nicht jeden Tag auf, und wird von dem Geist beobachtet, der einen sonst nur am Sonntag besuchte.
"Was machst Du denn hier? Heute ist doch Montag.", sagte ich also zu ihr.
Die Mischung aus Sorge und Ärger, aus der ihr Gesichtsausdruck bislang bestanden hatte, fing an zu kippen. Und wie ich besorgt feststellte, schien Sorge keine große Rolle mehr in der kommenden Mimik zu spielen. Ich musste an 'Poltergeist' denken und wollte mich schon instinktiv in der Matratze festkrallen, sollte sie nun beginnen mich und die Alltagsgegenstände im Schlafzimmer rumfliegen zu lassen.
"Versteh mich nicht falsch, aber bisher warst Du doch immer nur Sonntags hier." ...und plötzlich begann ich zu verstehen. Sie war am Vortag hier gewesen, aber ich nicht. Ich hatte mich mit meinen Freunden am Schotterteich amüsiert, und sie hatte auf mich gewartet. War wohl immer wieder aufgetaucht, und verschwunden, aufgetaucht und verschwunden, und hatte dabei vergeblich auf mich gewartet und sich wohl Sorgen gemacht, wo ich blieb. Auch wenn ich bisher nie das Gefühl hatte, dass es für sie entscheidend war, was ich tat, wurde mir nun klar, dass es für sie sehr wohl entscheidend war, dass ich anwesend war.
"Oh.", war alles was ich sagen konnte, als mich der Hammer der Erkenntnis endlich traf.
"Es tut mir leid. Mir war nicht klar, wie wichtig diese Sonntage für Dich sind. Aber wenn Du auch an anderen Tagen vorbei kommen kannst, dann schau doch auch mal unter der Woche vorbei. Ich bin oft genug abends nach der Arbeit zuhause, und dann können wir immer noch gemeinsam Zeit verbringen."
Offensichtlich zeigten meine Worte bei ihr Wirkung, denn sie entspannte sich merklich. Es war mir erst gar nicht aufgefallen, aber dieser bläuliche Schimmer, der irgendwo innerhalb ihrer Konturen lag, hatte in den letzten Minuten einen tieferen, dunkleren Blauton angenommen gehabt, und war nun wieder zu dem blassen Ton geworden, den ich kannte.
Ich saß nun an der Bettkante und schaute zu ihr hoch, sie lächelte zufrieden und wir waren offenbar beide froh, dass sie nicht den Poltergeist raushängen lassen musste. Wir schwiegen gemeinsam ein paar Minuten, bis mir plötzlich einfiel, dass ich längst auf den Beinen sein sollte.
"Verdammt, ich muss los. Sorry, aber die Arbeit ruft.", ich sprang aus dem Bett und hastete an ihr vorbei aus dem Schlafzimmer ins Bad. Sie machte eine wegwerfende Bewegung und trottete ins Wohnzimmer. Als ich nach dem Duschen dort vorbei kam war sie aber wieder verschwunden. Ich fragte mich, welche Auswirkungen das nun auf mein Leben haben würde, wo sie wohl öfter in meiner Wohnung auftauchen würde.
Die Auswirkungen liessen nichtlange auf sich warten, und waren alle eigentlich positiver Natur. Von nun an, saß ich kaum noch abends allein in meiner Wohnung. Immer öfter besuchte sie mich, und so lernte sie immer besser kennen, verstand ihre Mimik und Gestik immer besser, die sie auch immer offener einsetzte. Wir entwickelten eine richtige Kommunikation, und ich hinterließ ihr Nachrichten, wenn ich wusste, dass ich erst später heimkommen würde, damit sie nicht umsonst wartete. Ich wusste weiterhin nicht, woher sie kam und wohin sie ging, wo sie war, wenn sie nicht bei mir war. Aber ich konnte einige ihrer Vorlieben und Interessen kennen lernen. Sie mochte Thriller, sowohl in Buchform als auch Filme. Sie machte sich nicht wirklich was aus Musik, fand es aber wiederum spannend mir zuzusehen, wenn ich Computer spielte. Keine große Überraschung war es, herauszufinden, dass sie die Farbe blau mochte. Bald hatte ich das tatsächliche Gefühl, dass wir Freunde geworden waren.
So oft sie nun auch zu Besuch war, und offensichtlich konnte sie mittlerweile ziemlich gut kontrollieren ob sie verschwand oder nicht, da sie sich begann von mir zu verabschieden, gab es Zeiten, in denen sie nicht da war. Und das war stets dann der Fall, wenn ich richtigen Besuch hatte. Wobei 'richtig' wohl das falsche Wort ist. Feststofflicher Besuch, vielleicht? Egal.
Wann immer ich noch jemanden zu Besuch hatte, konnte ich sicher sein, dass sie nicht da war. Das fand ich auf der einen Seite zwar erleichternd, denn ich hätte es wohl schwer gefunden, sie anderen Leuten vorzustellen. "Darf ich vorstellen, mein Geist. Keine Sorge, sie ist wirklich ganz nett." Auf der anderen Seite, war es aber auch Schade, denn mit der Zeit war sie ein richtig wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden, den ich mit niemandem teilen konnte. Meinen Freunden oder den Kollegen in der Arbeit erzählte ich natürlich nicht davon, die hätten nur meine geistige Gesundheit in Frage gestellt. Meinen Eltern gegenüber behauptete ich, ich hätte mich mit einer Nachbarin angefreundet, die ab und zu zum Fernsehen oder zum Plaudern vorbei kam. Es war einfacher als die Wahrheit, und so konnte ich wenigstens ein wenig über sie reden.
Auf die Idee, dass es vielleicht tatsächlich an meinem Verstand lag, dass niemand sie sehen konnte, sie zufällig nie da war, wenn ich Besuch hatte, bin ich kein einziges Mal gekommen, dazu hatte ich ja auch keine Veranlassung.
Manchmal, wenn sie sehr lange blieb, dann kam sie mit ins Bett. Nicht auf diese Weise, wie man sich das jetzt vielleicht denkt, schliesslich war sie nicht viel mehr als die dreidimensionale Kontur eines Menschen. Aber sie saß dann an der Bettkante, oder lag auch auf der freien Stelle neben mir. Immerhin bot das Bett genug Platz für drei Leute. Deswegen hatte ich ihr dann irgendwann sogar eine eigene Garnitur Bettzeug bereit gelegt, die sie natürlich nicht brauchte, aber ich konnte an ihrer Mimik erkennen, dass sie sich über die Geste freute.
Und so kam es, dass ich immer wieder mal neben ihr im Dunkeln lag, und ihr im einschlafen noch irgendwas erzählte. Von meinem Alltag, Anekdoten aus der Arbeit, Geschichten aus meiner Kindheit oder auch Gedanken zum aktuellen Tagesgeschehen, was mir halt so einfiel. In der Finsternis meines Schlafzimmers wirkte das blassblaue Leuchte, das von ihr ausging, zwar intensiver als sonst, aber dann schien auch sie intensiver und realer zu sein als sonst.
Ich mochte diese gemeinsamen Nächte besonders. Das Gefühl, sie wache über meinen Schlaf, würde böse Träume fern halten, hatte eine überaus beruhigende Wirkung auf mich. Auch wenn sie bestimmt, kurze Zeit nachdem ich eingeschlafen war, wohl verschwand.
Morgens tauchte sie selten auf, außer an manchen Wochenenden, wohl weil sie wusste, dass ich gar keine Zeit für sie hatte, viel zu sehr im Stress war mich für die Arbeit fertig zu machen. Nach einigen Wochen hatte ich mich bereits an das alles so sehr gewöhnt, als wäre es mein ganzes Leben lang nicht anders gewesen.
Wie gesagt, war sie nicht jeden Tag bei mir. Manchmal zwei, drei Tage hintereinander, dann mal wieder zwei, drei Tage gar nicht. Aber jeden Sonntag, den ich daheim verbrachte, kam sie verlässlich vorbei, um mit mir einen Film zu schauen oder einfach nur faul rumzuhängen.
Es war ein Dienstag Abend als ich das letzte mal einschlief, während sie still neben mir liegend vor sich hin leuchtete. Ich hatte ihr davon erzählt, wie meine letzte Freundin mich vor drei Jahren verlassen hatte, kurz nachdem wir zusammen in diese Wohnung gezogen waren. Das sie plötzlich ein großartiges Jobangebot bekommen hatte, um eine Zweigstelle des Konzerns für den sie arbeitete zu übernehmen und ins Ausland verschwunden sei. Das ich zu inflexibel gewesen sei um mitzugehen, meinen Job nicht aufgeben wollte, obwohl er nichts besonderes war. Vielleicht hatte diese Geschichte ja etwas damit zu tun das sie ging. Vielleicht lag es auch nicht in ihrer Macht.
Als ich sie die nächsten Tage nie zu sehen bekam, wunderte mich das noch nicht. Als das Wochenende kam und sie noch immer nicht wieder aufgetaucht war, und auch keine Spur davon zu sehen war, dass sie in der Wohnung gewesen war, während ich fort war, wurde ich ein wenig unruhig. Als sie aber auch am Sonntag nicht kam, war ich am Boden zerstört.
Zuerst war es Sorge, ihr hätte etwas zugestossen sein können, auch wenn ich keine Ahnung hatte, welche Gefahren auf halbdurchsichtige junge Frauen lauerten.
Je länger der Sonntag wurde, umso mehr verlor ich das Gleichgewicht, die Balance, jenen schmalen Grat unter den Füssen, dem wir Menschen folgen, wenn wir richtig funktionieren.
Die Zeit für den gewohnten Sonntag-Nachmittag-Film verging, ohne dass ihr blauer Schein in meiner Wohnung zu sehen war.
Der Abend kam, und ich hatte seit der früh nichts mehr gegessen, aber auch gar keinen Appetit doch noch was zu mir zu nehmen. Ich fühlte mich matt und leer, wollte am liebsten schlafen gehen, aber die Vorstellung sie zu versäumen hielt mich bis Mitternacht wach.
Am nächsten Tag hielt ich es nicht lange in der Arbeit aus. Ich war fahrig und unkonzentriert. Also meldete ich mich für die nächsten Tage krank und ging heim.
Ich denke nicht, dass ich erwähnen muss, dass sie auch in den nächsten Tagen nicht wieder kam. Doch diese Zeit, die ich unruhig wartend in meiner Wohnung verbrachte, half mir dabei, mir darüber klar zu werden, dass ich mich offensichtlich in sie verliebt hatte. So seltsam das war, in einen Geist oder eine Vorstellung verliebt zu sein. Ich hatte sie nie berührt oder gar geküsst, sie nie gehört oder gerochen. Aber ihre Anwesenheit hatte mein Leben auf eine seltsame Weise bereichert, die nun, da es vorbei war, mir unerträglich wurde.
Schliesslich akzeptierte ich, dass sie gegangen war. Ob nun freiwillig oder nicht, aber mein Geist hatte mich verlassen.
Seither sind nun vier Wochen vergangen. Einen ganzen Monat ist es her, und nun liege ich also um halb vier wach in meinem Bett, starre in die undurchdringliche Dunkelheit der Nacht, die mein Schlafzimmer eingenommen hat. All diese Erinnerungen an sie und die Zeit mir ihr zucken innerhalb weniger Sekunden durch meinen Kopf. Ein bestimmter Blick von ihr, ein Lächeln, ihre Hand die zur Popcorn-Schüssel greifen will und im letzten Moment zurück zuckt, das überraschte Gesicht als sie bei einem Thriller die die Schlüsselszene mit dem großen Plot-twist liest. Die Bilder verstummen endlich, als ich doch wieder einschlafe. Die restliche Nacht schlafe ich traumlos durch.
Das ich nach dieser Nacht ein wenig unausgeschlafen bin ist also gar nicht so verwunderlich. Ich spule mein Morgenprogramm automatisch ab. Als ich gerade in der Küche stehe und das Frühstück herrichte, läutet es an der Wohnungstür. Normalerweise ist das keine Uhrzeit, an der sich meine Glocke meldet, außer es ist vielleicht der Postler mit einem Paket. Den erwartete ich zwar nicht, aber unausgeschlafen wie ich bin, gehe ich einfach zur Tür und öffne sie ohne lange darüber nachzudenken.
Vor der Tür steht eine junge Frau mit langem blonden Haar, dass sie offen über Schultern hängend trägt. Sie trägt einen blauen Rock und eine dunkle Bluse, hat einen kleinen Koffer neben sich am Boden stehen. Ich will ihr schon sagen, dass sie sich in der Türnummer geirrt hat, oder auch das ich nicht vorhabe irgendwas zu kaufen, zu spenden, zu unterschreiben oder gar ihrem Glauben beizutreten, doch sie steht nur da und lächelt mich an. In dem Moment trifft mich die Erkenntnis wie ein Blitz, und ich bin mit einem Mal hell wach.
Es ist eindeutig sie. Ihre markante Nase lässt jeden Irrtum ausschliessen. Es liegt nicht nur am der anderen Frisur oder der Kleidung, dass ich sie nicht im ersten Moment erkannt habe. Nein, die Tatsache, dass sie kein bisschen durchscheinend wirkt, und kein blauer Schimmer in ihr zu ruhen scheint, dass sie voll und ganz konsistent und feststofflich wirkt, haben mich in die Irre geführt. Ich stehe nur da, starre sie mit offen stehendem Mund an.
Jetzt, in diesem Moment, bin ich sicher den Verstand verloren zu haben. Sie monatelang halbtransparent in meiner Gegenwart zu haben, kam mir nie unrealistisch oder falsch vor. Doch dass sie nun real, in Fleisch und Blut vor mir stehen soll, zeigt mir, dass es um meine geistige Gesundheit schlechter bestellt ist, als meine Freunde angenommen haben.
Sie lacht, und kommt die zwei Schritte die uns noch trennen näher.
Sie umarmt mich und tatsächlich kann ich sie spüren, ich lege meine Arme um sie, halte sie fest. Ich kann sie riechen, und wie sie duftet. Während sie sich an mich drückt, flüstert sie mir ins Ohr. "Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Aber dafür bleibe ich jetzt bei Dir."
Fin
- BM out -
Black_Mage - am Freitag, 2. Mai 2008, 10:00 - Rubrik: Geschriebenes
noch kein Geständnis - Geständnis verfassen
Als ich am Sonntag lange ausgeschlafen hatte und nur in Boxershorts in die Küche wankte, saß sie bereits am Esstisch. Mit unterschlagenen Beinen balancierte sie auf dem Stuhl, hatte ein Buch vor sich aufgeschlagen. Es war ein Thriller aus meinem Bücherregal. Sie blickte kurz auf, lächelte und winkte kurz, dann senkte sie den Blick wieder und las weiter. Sie war erst im zweiten Kapitel konnte also noch nicht so lange hier sein. Oder war sie vielleicht immer hier? Beobachtete sie mich im Schlaf? Auf der Toilette?
"Wer bist Du? Was machst Du hier? Beobachtest Du mich? Bist Du nur meine Einbildung? Was soll das alles?", fuhr ich sie plötzlich an. Es sprudelte aus mir raus, alles auf einmal, Frage um Frage, einfach nur um Antworten zu bekommen. Es kann sein, dass ich sie sogar nach der Uhrzeit oder Lösungen zu einfachen mathematischen Aufgaben gefragt habe.
Sie blickte mich nur an, völlig ruhig, mit ihren großen Augen. Ihre Mimik zeigte keine Regung, bis sie plötzlich den Zeigefinger an die Lippen führte, mir signalisierte still zu sein. Als ich das endlich begriffen hatte und die Klappe hielt, wandte sie ihren Kopf wieder von mir ab und las weiter.
Natürlich, das machte alles Sinn. Wenn sie lediglich meiner Imagination entsprang, woher hätte sie Antworten auf etwas haben sollen, dass ich selber nicht verstand. Und wenn sie ein Geist war, was würde es sie kümmern, wenn ein dummer Sterblicher sie mit Fragen bombardierte. Ich beschloss sie zu ignorieren, und mich um meine eigene Sachen zu kümmern. Sollte ich tatsächlich den Verstand verlieren, dann konnte ich das ruhig auch mit einem Frühstück im Magen und nach Möglichkeit geduscht und rasiert.
Damit ging ich in die Küche, startete die Kaffeemaschine und den Toaster, kramte in den wenigen Vorräten im Kühlschrank rum, bereitete mir ein großes Frühstück zu. Als ich mit einem Teller Brote in der einen Hand und der Tasse Kaffee in der anderen wieder zurück zum Esstisch kam, war sie weg. Das Buch lag noch immer aufgeschlagen da, die Seiten waren gerade dabei wieder zuzufallen. Ich stellte meine Sachen ab, und griff nach der Zeitung vom Vortag, von der ich ein Stück abriss. Ich schob den Zettel als Lesezeichen zwischen die Seiten, von denen ich annahm, dass es die letzten gewesen waren, die sie gelesen hatte bevor sie wieder verschwunden war. Wer weiß, vielleicht konnte sie das ja selbst nicht so kontrollieren?
Als sie am späten Nachmittag des selben Tages wieder auftauchte, ich saß gerade vor dem Computer, hatte ich bereits für mich den Entschluss gefasst, dass ich sie einfach akzeptieren würde. Sollte sie eine verlorene Seele sein, würde es nicht an mir liegen, ob sie sich hier aufhalten dürfte. Und wenn ich tatsächlich den Verstand verlor, nun ja, dann wollte ich mich mit meinem Hirngespinst wenigstens anfreunden. Ich entschuldigte mich bei ihr dafür, sie in der Früh so angefahren zu haben, wobei ich keine Ahnung hatte, ob sie mich überhaupt verstand. Sie selber sagte nichts, verzog keine Mine, blieb dann aber hinter mir stehen und sah mir zu wie ich ein Kartenspiel spielte. Nach dem ich ein paar Partien verloren hatte, und mich zu ihr umdrehen wollte, war sie schon wieder weg. Diesmal hatte ich aber das bestimmte Gefühl, dass sie wieder kommen würde.
Und sie kam tatsächlich wieder. Jeden Sonntag, und blieb dann auch oft länger, oder verschwand auch mal nur für kurze Zeit um dann wieder aufzutauchen. Die Intervalle variierten stark, manchmal waren es nur wenige Minuten, die ich sie in meiner Umgebung sah, dann auch mal eine knappe Stunde am Stück. Ihr Verschwinden ging genauso überraschend und plötzlich von statten wie ihr auftauchen. Ich schaute hin, sie war da. Ich schaute wieder hin, und sie war weg.
Manchmal schauten wir gemeinsam fern, oder saßen beide lesend auf der Couch. Manchmal schaute sie mir zu, wie ich am Computer saß, hin und wieder unternahmen wir Dinge getrennt von einander, in dem Sinn, dass ich wusste, dass sie gerade in der Wohnung war, aber ich deswegen nicht alle liegen und stehen lies. Es wurde für mich komplett normal, dass ich ein Zimmer betrat und ihr bläulicher Schimmer bereits da war, wobei sie fast ausschliesslich im Wohnzimmer blieb.
Je öfter wir uns trafen, umso mehr fielen mir kleine Veränderungen an ihr auf. Es war nicht so, dass sie immer die selbe Kleidung trug, aber ohne Farbe ist es gar nicht so leicht die Dinge auseinander zu halten. Aber ich konnte durchaus verschiedene Schnitte wahrnehmen, da sie eher schlichte Kleidung zu bevorzugen schien. Nach etwa 2 Monaten fiel mir auch auf, dass ihre Stirnfransen etwas weiter ins Gesicht hingen und ihr Pferdeschwanz länger geworden war.
Mittlerweile war es so, dass sie mich immer anlächelte wenn sie mich sah, und auch ein wenig Feedback gab. Mir schien fast so, als wollte sie zwar eine vernünftige Kommunikation unterbinden, aber sie der Verlockungen die ich ihr bot nicht widerstehen konnte. So lies ich ihr einmal die Wahl zwischen den DVDs die wir uns anschauen konnten, oder schob ihr einen Sessel zum Computertisch, damit sie nicht stehen musste. Ich wusste natürlich nicht, ob Geister stehen als anstrengend empfanden, aber ein gewisser Komfort ist nie schlecht.
Ich für meinen Teil hatte beschlossen anzunehmen, sie wäre ein Geist. Natürlich wollte ich nicht den Verstand verlieren, also wäre eine Annahme dieses Zustandes, völlig gegen jede Regel der Vernunft gewesen. Und Vernunft, so schloß ich, wäre das mindestes, was ich zeigen sollte, wenn ich meinen Verstand zum Verweilen veranlassen wollte.
Witzig war auch, dass ich ihr nie einen Namen gegeben hatte. Wenn ich an sie dachte, bin ich anfangs immer darüber gestolpert, dass ich keinen Begriff hatte, der sie bezeichnet hätte. Es ist nicht einfach, wenn man in einer Welt lebt, in der alles eine Bezeichnung oder einen Namen hat, und man es plötzlich mit etwas oder jemandem zu tun hat, der komplett ohne dem auskommt. Aber es war tatsächlich so, dass ich nicht auf die Idee gekommen wäre, mir irgendeinen Namen für sie auszudenken, oder von ihr als "der Geist" oder "das Hirngespinst" zu denken. Wenn ich an sie dachte, dann war es einfach nur 'sie', und damit war ich auch hellauf zufrieden.
Nach dem ersten Gespräch mit Viktor habe ich sie keinem meiner Freunden gegenüber mehr erwähnt, und auch Vik schien die Geschichte längst vergessen zu haben. Doch nach einigen Wochen fiel meinen Freunden auf, dass ich Sonntags keine Zeit mehr für sie hatte. Ich wollte diese gemeinsamen Sonntage mit ihr einfach nicht verpassen, und schaffte es so, allen anderen mehr oder weniger gelungene Ausreden aufzutischen, warum ich keine Zeit für Unternehmungen hätte. Irgendwann muss Viktor sich aber wieder an diese Geschichte erinnert und es den anderen erzählt haben. Denn eines Samstag vormittags stand die gesamte Truppe vor meiner Wohnungstür.
"Komm pack ein paar Sachen, wir fahren fort."
"Wie, fort?", ich war schon überrascht genug meine Freunde unangekündigt vor der Tür stehen zu haben. Ein spontaner Urlaub war da eine Stufe zu hoch, um ihn einfach im Lauf mitzunehmen.
"Ja, wir fahren an den Teich. Ein gemütliches, sonniges Wochenende, Grillerei, Bier. Hopp-Hopp."
"Ähm.", strauchelte ich weiter. Mir fiel so spontan keine glaubhafte Ausrede ein, außerdem war in ihren Gesichtern anzusehen, dass sie auch keine Widerrede tulden würden.
Andi, besser gesagt seine Eltern, hatten ein Wochenendhaus an einem Schotterteich außerhalb der Stadt. Seit Jahren war es Tradition, dass wir mehrmals im Jahr solche Ausflüge dorthin unternahmen, den Griller anwarfen und Karten spielten. Ich lies also die Jungs rein, während ich meine Sporttasche mit dem nötigsten befüllte. Als ich gerade mit Zahnbürste und anderen Toiletteartikeln aus dem Bad kam, bemerkte ich, wie Tom und Vik im Wohnzimmer standen und sich offensichtlich sehr genau umschauten. Mir war sofort klar, was vor sich ging.
"Sucht ihr was?"
Die beiden warfen sich einen kurzen Blick zu. "Ist sie gerade hier?"
"Wer?", ich versuchte es so beiläufig zu sagen, wie es ging, und packte nebenbei meine Tasche fertig.
"Hm, ach nichts."
Und ich belies es dabei und zu meinem Glück sprachen auch die Jungs das gesamte Wochenende nicht mehr darüber. Und es wurde wirklich ein schönes Wochenende, das Wetter spielte mit und wir hatten gewohnt viel Spaß. Als sie mich Sonntag Abend wieder vor dem Haus absetzten, hatte ich komplett vergessen, dass ich somit meine halbdurchsichtige Mitbewohnerin versäumt hatte.
- BM out -
"Wer bist Du? Was machst Du hier? Beobachtest Du mich? Bist Du nur meine Einbildung? Was soll das alles?", fuhr ich sie plötzlich an. Es sprudelte aus mir raus, alles auf einmal, Frage um Frage, einfach nur um Antworten zu bekommen. Es kann sein, dass ich sie sogar nach der Uhrzeit oder Lösungen zu einfachen mathematischen Aufgaben gefragt habe.
Sie blickte mich nur an, völlig ruhig, mit ihren großen Augen. Ihre Mimik zeigte keine Regung, bis sie plötzlich den Zeigefinger an die Lippen führte, mir signalisierte still zu sein. Als ich das endlich begriffen hatte und die Klappe hielt, wandte sie ihren Kopf wieder von mir ab und las weiter.
Natürlich, das machte alles Sinn. Wenn sie lediglich meiner Imagination entsprang, woher hätte sie Antworten auf etwas haben sollen, dass ich selber nicht verstand. Und wenn sie ein Geist war, was würde es sie kümmern, wenn ein dummer Sterblicher sie mit Fragen bombardierte. Ich beschloss sie zu ignorieren, und mich um meine eigene Sachen zu kümmern. Sollte ich tatsächlich den Verstand verlieren, dann konnte ich das ruhig auch mit einem Frühstück im Magen und nach Möglichkeit geduscht und rasiert.
Damit ging ich in die Küche, startete die Kaffeemaschine und den Toaster, kramte in den wenigen Vorräten im Kühlschrank rum, bereitete mir ein großes Frühstück zu. Als ich mit einem Teller Brote in der einen Hand und der Tasse Kaffee in der anderen wieder zurück zum Esstisch kam, war sie weg. Das Buch lag noch immer aufgeschlagen da, die Seiten waren gerade dabei wieder zuzufallen. Ich stellte meine Sachen ab, und griff nach der Zeitung vom Vortag, von der ich ein Stück abriss. Ich schob den Zettel als Lesezeichen zwischen die Seiten, von denen ich annahm, dass es die letzten gewesen waren, die sie gelesen hatte bevor sie wieder verschwunden war. Wer weiß, vielleicht konnte sie das ja selbst nicht so kontrollieren?
Als sie am späten Nachmittag des selben Tages wieder auftauchte, ich saß gerade vor dem Computer, hatte ich bereits für mich den Entschluss gefasst, dass ich sie einfach akzeptieren würde. Sollte sie eine verlorene Seele sein, würde es nicht an mir liegen, ob sie sich hier aufhalten dürfte. Und wenn ich tatsächlich den Verstand verlor, nun ja, dann wollte ich mich mit meinem Hirngespinst wenigstens anfreunden. Ich entschuldigte mich bei ihr dafür, sie in der Früh so angefahren zu haben, wobei ich keine Ahnung hatte, ob sie mich überhaupt verstand. Sie selber sagte nichts, verzog keine Mine, blieb dann aber hinter mir stehen und sah mir zu wie ich ein Kartenspiel spielte. Nach dem ich ein paar Partien verloren hatte, und mich zu ihr umdrehen wollte, war sie schon wieder weg. Diesmal hatte ich aber das bestimmte Gefühl, dass sie wieder kommen würde.
Und sie kam tatsächlich wieder. Jeden Sonntag, und blieb dann auch oft länger, oder verschwand auch mal nur für kurze Zeit um dann wieder aufzutauchen. Die Intervalle variierten stark, manchmal waren es nur wenige Minuten, die ich sie in meiner Umgebung sah, dann auch mal eine knappe Stunde am Stück. Ihr Verschwinden ging genauso überraschend und plötzlich von statten wie ihr auftauchen. Ich schaute hin, sie war da. Ich schaute wieder hin, und sie war weg.
Manchmal schauten wir gemeinsam fern, oder saßen beide lesend auf der Couch. Manchmal schaute sie mir zu, wie ich am Computer saß, hin und wieder unternahmen wir Dinge getrennt von einander, in dem Sinn, dass ich wusste, dass sie gerade in der Wohnung war, aber ich deswegen nicht alle liegen und stehen lies. Es wurde für mich komplett normal, dass ich ein Zimmer betrat und ihr bläulicher Schimmer bereits da war, wobei sie fast ausschliesslich im Wohnzimmer blieb.
Je öfter wir uns trafen, umso mehr fielen mir kleine Veränderungen an ihr auf. Es war nicht so, dass sie immer die selbe Kleidung trug, aber ohne Farbe ist es gar nicht so leicht die Dinge auseinander zu halten. Aber ich konnte durchaus verschiedene Schnitte wahrnehmen, da sie eher schlichte Kleidung zu bevorzugen schien. Nach etwa 2 Monaten fiel mir auch auf, dass ihre Stirnfransen etwas weiter ins Gesicht hingen und ihr Pferdeschwanz länger geworden war.
Mittlerweile war es so, dass sie mich immer anlächelte wenn sie mich sah, und auch ein wenig Feedback gab. Mir schien fast so, als wollte sie zwar eine vernünftige Kommunikation unterbinden, aber sie der Verlockungen die ich ihr bot nicht widerstehen konnte. So lies ich ihr einmal die Wahl zwischen den DVDs die wir uns anschauen konnten, oder schob ihr einen Sessel zum Computertisch, damit sie nicht stehen musste. Ich wusste natürlich nicht, ob Geister stehen als anstrengend empfanden, aber ein gewisser Komfort ist nie schlecht.
Ich für meinen Teil hatte beschlossen anzunehmen, sie wäre ein Geist. Natürlich wollte ich nicht den Verstand verlieren, also wäre eine Annahme dieses Zustandes, völlig gegen jede Regel der Vernunft gewesen. Und Vernunft, so schloß ich, wäre das mindestes, was ich zeigen sollte, wenn ich meinen Verstand zum Verweilen veranlassen wollte.
Witzig war auch, dass ich ihr nie einen Namen gegeben hatte. Wenn ich an sie dachte, bin ich anfangs immer darüber gestolpert, dass ich keinen Begriff hatte, der sie bezeichnet hätte. Es ist nicht einfach, wenn man in einer Welt lebt, in der alles eine Bezeichnung oder einen Namen hat, und man es plötzlich mit etwas oder jemandem zu tun hat, der komplett ohne dem auskommt. Aber es war tatsächlich so, dass ich nicht auf die Idee gekommen wäre, mir irgendeinen Namen für sie auszudenken, oder von ihr als "der Geist" oder "das Hirngespinst" zu denken. Wenn ich an sie dachte, dann war es einfach nur 'sie', und damit war ich auch hellauf zufrieden.
Nach dem ersten Gespräch mit Viktor habe ich sie keinem meiner Freunden gegenüber mehr erwähnt, und auch Vik schien die Geschichte längst vergessen zu haben. Doch nach einigen Wochen fiel meinen Freunden auf, dass ich Sonntags keine Zeit mehr für sie hatte. Ich wollte diese gemeinsamen Sonntage mit ihr einfach nicht verpassen, und schaffte es so, allen anderen mehr oder weniger gelungene Ausreden aufzutischen, warum ich keine Zeit für Unternehmungen hätte. Irgendwann muss Viktor sich aber wieder an diese Geschichte erinnert und es den anderen erzählt haben. Denn eines Samstag vormittags stand die gesamte Truppe vor meiner Wohnungstür.
"Komm pack ein paar Sachen, wir fahren fort."
"Wie, fort?", ich war schon überrascht genug meine Freunde unangekündigt vor der Tür stehen zu haben. Ein spontaner Urlaub war da eine Stufe zu hoch, um ihn einfach im Lauf mitzunehmen.
"Ja, wir fahren an den Teich. Ein gemütliches, sonniges Wochenende, Grillerei, Bier. Hopp-Hopp."
"Ähm.", strauchelte ich weiter. Mir fiel so spontan keine glaubhafte Ausrede ein, außerdem war in ihren Gesichtern anzusehen, dass sie auch keine Widerrede tulden würden.
Andi, besser gesagt seine Eltern, hatten ein Wochenendhaus an einem Schotterteich außerhalb der Stadt. Seit Jahren war es Tradition, dass wir mehrmals im Jahr solche Ausflüge dorthin unternahmen, den Griller anwarfen und Karten spielten. Ich lies also die Jungs rein, während ich meine Sporttasche mit dem nötigsten befüllte. Als ich gerade mit Zahnbürste und anderen Toiletteartikeln aus dem Bad kam, bemerkte ich, wie Tom und Vik im Wohnzimmer standen und sich offensichtlich sehr genau umschauten. Mir war sofort klar, was vor sich ging.
"Sucht ihr was?"
Die beiden warfen sich einen kurzen Blick zu. "Ist sie gerade hier?"
"Wer?", ich versuchte es so beiläufig zu sagen, wie es ging, und packte nebenbei meine Tasche fertig.
"Hm, ach nichts."
Und ich belies es dabei und zu meinem Glück sprachen auch die Jungs das gesamte Wochenende nicht mehr darüber. Und es wurde wirklich ein schönes Wochenende, das Wetter spielte mit und wir hatten gewohnt viel Spaß. Als sie mich Sonntag Abend wieder vor dem Haus absetzten, hatte ich komplett vergessen, dass ich somit meine halbdurchsichtige Mitbewohnerin versäumt hatte.
- BM out -
Black_Mage - am Dienstag, 29. April 2008, 10:00 - Rubrik: Geschriebenes
Wie gestern bereits angekündigt, werde ich künftig regelmässig etwas für die Rubrik "Geschriebenes" veröffentlichen. Und zwar habe ich mir dafür folgenden Update-Turnus überlegt: Jeden Dienstag und Freitag gibt es einen neuen Text.
Manches davon wird wohl wirklich sehr fragmenthaft sein, fürchte ich. Und diejenigen die meine alte Homepage kennen, werden ein Deja-vu erleben, da ich vorhabe die Texte von dort ebenfalls zu recyclen. Ich hoffe aber, dass ich so nun wirklich dazu komme, mehr und mehr Neues zu schaffen. Mehr Ideen, die bisher nur als grobe Rohbauten bestehen, auszuarbeiten und richtig aufzuschreiben. Vielleicht werde ich auch hergehen, und bereits Gepostetes überarbeiten oder fortzusetzen. Je nachdem wie ich voran komme.
Die aktuelle Geschichte "Meine semi-transparente Freundin" wird übrigens komplett in 3 Teilen erzählt. Bin zu meiner eigenen Freude schon sehr weit fortgeschritten.
- BM out -
Manches davon wird wohl wirklich sehr fragmenthaft sein, fürchte ich. Und diejenigen die meine alte Homepage kennen, werden ein Deja-vu erleben, da ich vorhabe die Texte von dort ebenfalls zu recyclen. Ich hoffe aber, dass ich so nun wirklich dazu komme, mehr und mehr Neues zu schaffen. Mehr Ideen, die bisher nur als grobe Rohbauten bestehen, auszuarbeiten und richtig aufzuschreiben. Vielleicht werde ich auch hergehen, und bereits Gepostetes überarbeiten oder fortzusetzen. Je nachdem wie ich voran komme.
Die aktuelle Geschichte "Meine semi-transparente Freundin" wird übrigens komplett in 3 Teilen erzählt. Bin zu meiner eigenen Freude schon sehr weit fortgeschritten.
- BM out -
Black_Mage - am Sonntag, 27. April 2008, 21:45 - Rubrik: Geschriebenes
noch kein Geständnis - Geständnis verfassen
Ich schrecke hoch und taste die Matratze neben mir ab. Die Welt außerhalb des Konkons, den ich mir aus meiner Decke, in die ich eingewickelt war, gesponnen hatte, ist kalt. Der Kopfpolster neben meinem unberührt. Natürlich. Das Schlafzimmer erstreckt sich in kompletter Finsternis um mich herum gleichmässig bis in die Unendlichkeit. Meine innere Uhr sagt mir, dass es irgendwo zwischen 3h und halb 4h sein muss. Viel zu früh, um viel zu früh aufzustehen. Ich seufze tief, sinke wieder zurück auf meinen Polster. Ich bin alleine, alles ist in Ordnung, ich kann ruhig weiter schlafen. Langsam dämmere ich weg. Ist es wirklich in Ordnung, dass ich alleine bin? Sollte sie nicht doch da sein? Mit den Gedanken an sie schlafe ich wieder ein.
Ich weiß nicht, wann es genau begonnen hat, oder ab wann es mir bewusst aufgefallen ist. Instinktiv lege ich den Zeitpunkt immer auf eine Zeit vor etwa 6, 7 Monaten. Es gab nichts was zu dieser Zeit in meinem Leben so besonderes vorgefallen wäre, etwas dass außergewöhnlicher als sonst oder einschneidender gewesen wäre, um so einen Effekt auf mich zu haben. Irgendwann habe ich halt festgestellt, dass ich nicht mehr allein war. Dass ich jemanden bei mir in der Wohnung hatte.
Ich bin sicher, dass es nicht plötzlich geschehen sein konnte. Irgendetwas musste ich gespürt haben, sonst hätte ich diese Veränderung nicht so hingenommen. Vielleicht waren schon immer wieder mal Dinge verstellt gewesen, oder tauchten an anderen Plätzen wieder auf als ich mich erinnern konnte. Kleinigkeiten die man auf ein schlechtes Erinnerungsvermögen schieben konnte.
Andererseits bin ich wohl tatsächlich seltsam genug, dass man mir zu trauen könnte, dass mich so eine Erscheinung nicht weiters beunruhigt. Aber ich kann mich jedoch ganz genau an diese erste Begegnung erinnern, dieses erste Mal wo ich sie gesehen hatte.
Es war ein Sonntag gewesen, und ich hatte mir gerade einen Teller Suppe aus der Küche geholt und wollte mich damit an den Tisch setzen. Der Fernseher lief, irgendein schwarz-weiß Film aus den späten 50ern. Ich kam also ins Wohnzimmer, und sie saß bereits auf der Couch, die Füße gemütlich auf dem Glastisch liegend, schaute sich den Film an. Sie warf einen kurzen Blick in meine Richtung, und ich stand wie ein Idiot mit dem Suppenteller in der Hand da und starrte sie an.
Sie schien an mir offensichtlich weniger Interesse zu haben, als an dem Cary Grant-Film und so setzte ich mich an den Esstisch und löffelte meine Broccolicreme-Suppe. Da sie mich bei meinem Eintreten ziemlich ignoriert hatte, konzentrierte ich mich auch komplett auf den Fernseher und Teller und Löffel. Als ich fertig gegessen hatte, warf ich noch mal einen Blick in ihre Richtung, aber sie war weg. Es wunderte mich nicht, sie war zu blass und durchsichtig gewesen um wirklich dort zu sitzen. Erst sprach ich der Suppe einen Halluzinogenen Effekt zu, aber da ich die erst gegessen hatte, nachdem ich sie gesehen hatte, war meine Einbildung offensichtlich ohne zu Hilfenahme irgendwelcher Substanzen mit mir durchgegangen.
Als ich am folgenden Sonntag von einem Spaziergang zurück in die Wohnung kam, blieb ich gleich mal verwundert in der Türe stehen. Der Fernseher lief, und ich war nicht bloß sicher, dass er nicht gelaufen war, als ich fortgegangen war, sondern auch, dass ich ihn schon ein paar Tage nicht benutzt hatte. Da nur meine Mutter einen Ersatzschlüssel hatte, und die sich nicht unangekündigt in meiner Wohnung aufhalten würde, war ich einigermassen irritiert. 'Einbrecher nehmen Fernseher mit, und brechen nicht zum Fernsehen in fremde Wohnungen ein', sagte ich mir, während ich mich durch das Vorzimmer Richtung Wohnzimmer schob.
Ich drückte die angelehnte Wohnzimmertür weit genug auf, um sie ausgestreckt auf der Couch liegen zu sehen, den Blick auf den Fernseher geheftet. Scheinbar lief eine Doku, ich konnte zwar den Schirm nicht genau sehen, aber die sonore Stimme des Sprechers erzählte gerade etwas darüber, dass "... die Weißkopfruderente zu den durch Bastardisierung bedrohten Vogelarten gehört...". Kopfschüttelnd ging ich zurück, schloss die Wohnungstür, zog die Schuhe aus und hing die Jacke auf. Dann ging ich wieder ins Wohnzimmer, wo sie zu meiner Überraschung noch immer auf der Couch lag und sich diese Enten-Doku ansah. Als sie mich näher kommen sah, lächelte sie mir zu und setzte sich auf. Da sie mir schon so nett Platz gemacht hatte, musste ich mich natürlich hinsetzen. Anstandshalber natürlich auf das entfernte Ende.
Erst versuchte ich mich darauf zu konzentrieren zu verfolgen was in der Dokumentation erzählt wurde, doch nach einigen Minuten konnte ich nicht umhin und musste zur ihr rüber schauen. Es war nun doch einige Jahre her, dass ich mit einer Frau allein in meiner Wohnung gesessen habe ... auch, wenn es dieser hier offensichtlich irgendwie an Substanz fehlte.
Sie war durchaus hübsch, mit großen Augen und einer markanten Nase die eine Art Höcker hatte, als ob sie mal gebrochen war und einem Pony und einem schlichten Pferdeschwanz. Sie trug ein einfaches T-Shirt mit rundem Ausschnitt und Caprihosen, wie bei allem anderen an ihr, hätte ich der Kleidung keine Farbe zuordnen können. Alles an ihr war blass und farblos, und mit einem leicht bläulichen Schein unterlegt. Sie war nicht komplett transparent, aber offensichtlich nicht wirklich körperlich, feststofflich. Mir war klar, dass ich, sollte ich versuchen sie zu berühren, ich wohl durch sie durchgreifen würde. Aber der Gedanke sie zu berühren ist mir wohl erst viel später gekommen. In dem Moment war ich einfach nur fasziniert, dass sie neben mir auf der Couch saß. Irgendwann merkte sie, dass ich sie anstarrte, und schaute kurz zurück. Sie verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen und nickte dabei wieder Richtung TV. Sie hatte ja recht, dort vorne spielte die Musik, und die Weißkopfruderente war mir nun wirklich nicht sonderlich geläufig. Dennoch warf ich immer wieder einen prüfenden Blick in ihre Richtung, bis ich irgendwann wieder alleine in der Wohnung saß. Die Doku schaute ich aber trotzdem fertig, nur so für den Fall, dass sie wieder kommen würde und wissen wollte, was sie versäumt hat.
Am folgenden Abend traf ich mich mit meinem Freund Viktor und erzählte ihm von dieser Begegnung.
"Na, das hat ja passieren müssen.", war seine Antwort.
"Wie meinst Du das?"
"Na komm, wie oft haben wir dir schon gesagt, dass es längt mal wieder an der Zeit ist, dass du dir ne Freundin suchst? Aber du lässt ja keine an Dich ran, und jetzt hat's dir die Elektrik geschmissen und du fantasierst Dir eine Frau in die Wohnung."
Von dem Standpunkt hatte ich das noch gar nicht betrachtet.
"Ich dachte eigentlich, dass sie ein Geist ist, oder so.", warf ich meine Theorie, die ich mir in der Zwischenzeit zusammen geschustert hatte, ins Rennen.
"Wie? So verlorene Seele die auf Erden wandelt? Oder mehr Poltergeist, Racheakt aus dem Totenreich?"
"Naja, nach bösem Poltergeist schaut sie mir nicht aus. Und bitte, was soll das denn für eine Rache sein?"
"Eine Enten-Doku? Ich will ja nichts gegen den Bildungsauftrag sagen, aber das Fernsehprogramm bietet genug schlechtes Material das unterhaltsamer ist."
Da hatte Vik einen weiteren Punkt gesammelt.
"Aber sollte sie als Poltergeist nicht meine Dinge verrücken? Spuken und so? Mich ängstigen? Ich fand die eigentlich niedlich."
"Ja, wäre ja noch besser, wenn Du dir eine Frau ausdenkst, die Dir noch nicht mal gefällt..."
"Jetzt lass mal deine Idee fallen, dass ich spinne. Was ist wenn sie wirklich ein Geist ist?"
"Dann solltest du wohl einen Exorzisten anheuern. Und dir dann endlich eine neue Freundin suchen." Nachdem er von seinem Bier genippt hatte, wechselte Viktor das Thema und ich lies es dabei bleiben.
Es versteht sich von selbst, dass mich die gesamte folgende Woche lang beschäftigte, ob sie am nächsten Sonntag wieder da sein würde. Ich überlegte mir, alles mögliche was ich tun könnte, und war sogar nah dran gewesen, das Wochenende bei meinen Eltern zu verbringen, und erst gar nicht in der eigenen Wohnung aufzutauchen. Aber die Neugier siegte, und so blieb ich doch daheim. Ich beschloss viel mehr auf der Lauer zu liegen und genau zu beobachten was sie tun würde.
- BM out -
Ich weiß nicht, wann es genau begonnen hat, oder ab wann es mir bewusst aufgefallen ist. Instinktiv lege ich den Zeitpunkt immer auf eine Zeit vor etwa 6, 7 Monaten. Es gab nichts was zu dieser Zeit in meinem Leben so besonderes vorgefallen wäre, etwas dass außergewöhnlicher als sonst oder einschneidender gewesen wäre, um so einen Effekt auf mich zu haben. Irgendwann habe ich halt festgestellt, dass ich nicht mehr allein war. Dass ich jemanden bei mir in der Wohnung hatte.
Ich bin sicher, dass es nicht plötzlich geschehen sein konnte. Irgendetwas musste ich gespürt haben, sonst hätte ich diese Veränderung nicht so hingenommen. Vielleicht waren schon immer wieder mal Dinge verstellt gewesen, oder tauchten an anderen Plätzen wieder auf als ich mich erinnern konnte. Kleinigkeiten die man auf ein schlechtes Erinnerungsvermögen schieben konnte.
Andererseits bin ich wohl tatsächlich seltsam genug, dass man mir zu trauen könnte, dass mich so eine Erscheinung nicht weiters beunruhigt. Aber ich kann mich jedoch ganz genau an diese erste Begegnung erinnern, dieses erste Mal wo ich sie gesehen hatte.
Es war ein Sonntag gewesen, und ich hatte mir gerade einen Teller Suppe aus der Küche geholt und wollte mich damit an den Tisch setzen. Der Fernseher lief, irgendein schwarz-weiß Film aus den späten 50ern. Ich kam also ins Wohnzimmer, und sie saß bereits auf der Couch, die Füße gemütlich auf dem Glastisch liegend, schaute sich den Film an. Sie warf einen kurzen Blick in meine Richtung, und ich stand wie ein Idiot mit dem Suppenteller in der Hand da und starrte sie an.
Sie schien an mir offensichtlich weniger Interesse zu haben, als an dem Cary Grant-Film und so setzte ich mich an den Esstisch und löffelte meine Broccolicreme-Suppe. Da sie mich bei meinem Eintreten ziemlich ignoriert hatte, konzentrierte ich mich auch komplett auf den Fernseher und Teller und Löffel. Als ich fertig gegessen hatte, warf ich noch mal einen Blick in ihre Richtung, aber sie war weg. Es wunderte mich nicht, sie war zu blass und durchsichtig gewesen um wirklich dort zu sitzen. Erst sprach ich der Suppe einen Halluzinogenen Effekt zu, aber da ich die erst gegessen hatte, nachdem ich sie gesehen hatte, war meine Einbildung offensichtlich ohne zu Hilfenahme irgendwelcher Substanzen mit mir durchgegangen.
Als ich am folgenden Sonntag von einem Spaziergang zurück in die Wohnung kam, blieb ich gleich mal verwundert in der Türe stehen. Der Fernseher lief, und ich war nicht bloß sicher, dass er nicht gelaufen war, als ich fortgegangen war, sondern auch, dass ich ihn schon ein paar Tage nicht benutzt hatte. Da nur meine Mutter einen Ersatzschlüssel hatte, und die sich nicht unangekündigt in meiner Wohnung aufhalten würde, war ich einigermassen irritiert. 'Einbrecher nehmen Fernseher mit, und brechen nicht zum Fernsehen in fremde Wohnungen ein', sagte ich mir, während ich mich durch das Vorzimmer Richtung Wohnzimmer schob.
Ich drückte die angelehnte Wohnzimmertür weit genug auf, um sie ausgestreckt auf der Couch liegen zu sehen, den Blick auf den Fernseher geheftet. Scheinbar lief eine Doku, ich konnte zwar den Schirm nicht genau sehen, aber die sonore Stimme des Sprechers erzählte gerade etwas darüber, dass "... die Weißkopfruderente zu den durch Bastardisierung bedrohten Vogelarten gehört...". Kopfschüttelnd ging ich zurück, schloss die Wohnungstür, zog die Schuhe aus und hing die Jacke auf. Dann ging ich wieder ins Wohnzimmer, wo sie zu meiner Überraschung noch immer auf der Couch lag und sich diese Enten-Doku ansah. Als sie mich näher kommen sah, lächelte sie mir zu und setzte sich auf. Da sie mir schon so nett Platz gemacht hatte, musste ich mich natürlich hinsetzen. Anstandshalber natürlich auf das entfernte Ende.
Erst versuchte ich mich darauf zu konzentrieren zu verfolgen was in der Dokumentation erzählt wurde, doch nach einigen Minuten konnte ich nicht umhin und musste zur ihr rüber schauen. Es war nun doch einige Jahre her, dass ich mit einer Frau allein in meiner Wohnung gesessen habe ... auch, wenn es dieser hier offensichtlich irgendwie an Substanz fehlte.
Sie war durchaus hübsch, mit großen Augen und einer markanten Nase die eine Art Höcker hatte, als ob sie mal gebrochen war und einem Pony und einem schlichten Pferdeschwanz. Sie trug ein einfaches T-Shirt mit rundem Ausschnitt und Caprihosen, wie bei allem anderen an ihr, hätte ich der Kleidung keine Farbe zuordnen können. Alles an ihr war blass und farblos, und mit einem leicht bläulichen Schein unterlegt. Sie war nicht komplett transparent, aber offensichtlich nicht wirklich körperlich, feststofflich. Mir war klar, dass ich, sollte ich versuchen sie zu berühren, ich wohl durch sie durchgreifen würde. Aber der Gedanke sie zu berühren ist mir wohl erst viel später gekommen. In dem Moment war ich einfach nur fasziniert, dass sie neben mir auf der Couch saß. Irgendwann merkte sie, dass ich sie anstarrte, und schaute kurz zurück. Sie verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen und nickte dabei wieder Richtung TV. Sie hatte ja recht, dort vorne spielte die Musik, und die Weißkopfruderente war mir nun wirklich nicht sonderlich geläufig. Dennoch warf ich immer wieder einen prüfenden Blick in ihre Richtung, bis ich irgendwann wieder alleine in der Wohnung saß. Die Doku schaute ich aber trotzdem fertig, nur so für den Fall, dass sie wieder kommen würde und wissen wollte, was sie versäumt hat.
Am folgenden Abend traf ich mich mit meinem Freund Viktor und erzählte ihm von dieser Begegnung.
"Na, das hat ja passieren müssen.", war seine Antwort.
"Wie meinst Du das?"
"Na komm, wie oft haben wir dir schon gesagt, dass es längt mal wieder an der Zeit ist, dass du dir ne Freundin suchst? Aber du lässt ja keine an Dich ran, und jetzt hat's dir die Elektrik geschmissen und du fantasierst Dir eine Frau in die Wohnung."
Von dem Standpunkt hatte ich das noch gar nicht betrachtet.
"Ich dachte eigentlich, dass sie ein Geist ist, oder so.", warf ich meine Theorie, die ich mir in der Zwischenzeit zusammen geschustert hatte, ins Rennen.
"Wie? So verlorene Seele die auf Erden wandelt? Oder mehr Poltergeist, Racheakt aus dem Totenreich?"
"Naja, nach bösem Poltergeist schaut sie mir nicht aus. Und bitte, was soll das denn für eine Rache sein?"
"Eine Enten-Doku? Ich will ja nichts gegen den Bildungsauftrag sagen, aber das Fernsehprogramm bietet genug schlechtes Material das unterhaltsamer ist."
Da hatte Vik einen weiteren Punkt gesammelt.
"Aber sollte sie als Poltergeist nicht meine Dinge verrücken? Spuken und so? Mich ängstigen? Ich fand die eigentlich niedlich."
"Ja, wäre ja noch besser, wenn Du dir eine Frau ausdenkst, die Dir noch nicht mal gefällt..."
"Jetzt lass mal deine Idee fallen, dass ich spinne. Was ist wenn sie wirklich ein Geist ist?"
"Dann solltest du wohl einen Exorzisten anheuern. Und dir dann endlich eine neue Freundin suchen." Nachdem er von seinem Bier genippt hatte, wechselte Viktor das Thema und ich lies es dabei bleiben.
Es versteht sich von selbst, dass mich die gesamte folgende Woche lang beschäftigte, ob sie am nächsten Sonntag wieder da sein würde. Ich überlegte mir, alles mögliche was ich tun könnte, und war sogar nah dran gewesen, das Wochenende bei meinen Eltern zu verbringen, und erst gar nicht in der eigenen Wohnung aufzutauchen. Aber die Neugier siegte, und so blieb ich doch daheim. Ich beschloss viel mehr auf der Lauer zu liegen und genau zu beobachten was sie tun würde.
- BM out -
Black_Mage - am Sonntag, 27. April 2008, 19:02 - Rubrik: Geschriebenes
noch kein Geständnis - Geständnis verfassen
Beim Stöbern in einer Kiste, habe ich ein paar vollgekritzelte Zetteln entdeckt, auf denen ich begonnen hatte, Geschichten aufzuschreiben. Wie gewohnt sind diese natürlich nicht fertig geschrieben, aber ich habe sie jetzt mal abgetippt, in der Hoffnung, dass ich irgendwann mal doch noch was damit anfangen kann.
Folgender Text entstammt aus einem Versuch vor einigen Jahren, gemeinsam mit dem Herrn Cinematographen und dem Helden deutscher Sagen, eine Art schriftstellerische Kollaboration einzugehen. Jeder von uns hat das Grundgerüst zu einer Geschichte vorgeschlagen (zb: ein Mann kommt von der Mittagspause zurück und das Bürogebäude in dem er arbeitet brennt), und dann hat jeder eine eigene Geschichte dazu geschrieben. Interessanterweise (oder wahrscheinlicher sogar, offensichtlicherweise) sind da natürlich komplett unterschiedliche Geschichten entstanden.
Bei der Ausgangssituation "in einer finsteren Nacht taucht ein schwarzgekleideter Fremder auf", habe ich probiert eine Art Märchen zu schreiben. Ich habe zwar mehr geschrieben als das bisschen was ich nun wieder gefunden habe, aber fertig war die Story ohnehin nicht.
Somit präsentiere ich meinen Versuch, mich der Mittel eines Märchens zu bedienen:
Es war in einer finsteren Nacht...
Es war einmal in einer dunklen, kalt regnerischen, stürmischen Nacht. Dicke Gewitterwolken hingen am Himmel und verdeckten das Licht von Mond und Sternen. Die Regentropfen fielen dicht aneinander gedrängt aus den Wolken, als hätten sie selbst Angst vor der raabenschwarzen Nacht um sie herum. Die immer wieder grell aufleuchtenden Blitze zuckten panisch durch den Himmel. Etwas Unheimliches lag in der Luft.
Es war eine Nacht in der sich keiner hinaus trauen würde, wenn er nicht musste. Deswegen saßen die 6 Männer auch lieber in der Wirtsstube des Dorfes, in der nähe des warmen Kamins bei einem Krug Bier ..oder zwei. Finnen, welcher der größte und stärkste unter ihnen war, warf einen Blick durch die beschlagene Fensterscheibe und erklärte: "Das ist eine Nacht in der sich keiner hinaus trauen würde, wenn er nicht muss." Und damit sprach er ihnen allen aus der Seele.
"Also ich gehe da bestimmt nicht hinaus.", bestätigte Argo, der flinkeste und gewitzte der Sechs.
"Und was ist mit Deiner Frau? Die wartet doch zu Hause.", fragte Garo, der nicht nur der Wirt der Schenke war, sondern auch Argos großer Bruder.
"Ach soll die alte Sturmvettel doch nur kommen und mich holen, wenn sie sich traut.", gab dieser zurück und nippte an seinem Bier, innerlich hoffend, das seine Frau bei diesem Wetter nicht den Mut aufbringen würde ihn holen zu kommen. Wie sehr er hoffte.
Für kurze Zeit lauschten die 6 Männer nur dem Knacken des Holzes im Kamin, dem Pfeifen des Windes vor der Tür und den prasselnden Regentropfen an der Fensterscheibe. Unmerklich waren sie dabei ein wenig näher zusammen gerückt, und hätte das jemand bemerkt, wahrscheinlich hätten sie es gar nicht abgestritten und auf keinen Fall wären sie wieder auseinander gerückt.
"Also diese Nacht finde sogar ich unheimlich.", gab Wannen zu, und er galt zu recht als der Mutigste von allen. Den anderen lief ein kalter Schauer über den Rücken als sie das hörten.
"Das ist nur der Wind und der Regen. Wir haben das schon oft gehört, da gibt es nichts weswegen wir uns fürchten sollten." Lupo war vielleicht der Schlaueste von ihnen, aber wirklich Trost fand selbst er in seinen Worten nicht. Doch zumindest Raph entspannte sich wieder und die Angst und Sorgenfalten verschwanden wieder aus seinem hübschen Gesicht, das den jungen Frauen wie den alten die Schamesröte ins Gesicht trieb, wenn er sie anlächelte.
Der Regen tropfte munter weiter gegen die Scheiben, der Wind brauste pfeiffend um die Wirtsstube und das Feuerholz knackte unbeirrt funkenstaubend dahin. Zeitgleich griffen alle Sechs zu ihren Krügen und setzten sie an ihre Lippen. Mit jedem Schluck des würzigen Bieres das Garo braute, wich das unheimliche Gefühl weiter von ihnen fort. Argo setzte den Humpen als erster wieder ab, wie immer war er auch beim Trinken der Schnellste. Triumphierend balancierte er das Trinkgefäss auf seiner Handfläche und grinste breit.
Plötzlich sprang die dicke Holztüre knallend auf und der Wind zog brausend herein, lies die Flammen im Kamin auflodern und wild tanzen. Argo zuckte zusammen und schrie auf: "Cora?!"
Seine Freunde blickten zuerst die offene Türe und dann ihn an. Der leere Krug war in hohem Bogen durch den Raum geflogen und an der Wand zerschellt.
"Tut mir leid, ich dachte meine Frau...", murmelte er, stoppte und stand auf um die Scherben aufzulesen.
Während Garo dumpf kicherte, stand Finnen auf um die Türe wieder zu schliessen. Er musste sich schwer dagegen drücken um gegen den starken Wind anzukommen. Schliesslich gelang es ihm die Türe wieder zu verriegeln. Kaum das die schwere Holztür wieder geschlossen und der damit verbundene Lärm vorbei war, hörten sie plötzlich ein pochendes Geräusch an der Tür. Argo lies beinahe wieder die aufgesammelten Scherben seines Kruges fallen, aber zu seinem Glück merkte das keiner seiner Freunde.
Das Klopfen an der Tür wiederholte sich.
"Los, mach auf.", sagte Wannen zu Finnen, der immer noch neben der Tür stand. Finnen zögerte kurz, drehte sich dann aber um und schob den Riegel wieder auf.
Sofort drückte der Wind die Tür weit auf und eine schmale Gestalt schob sich in den Raum. Der weite schwarze Mantel peitschte wild umher und lies den Neuankömmling erst größer wirken als er wirklich war. Als Finnen jedoch den Eingang wieder geschlossen hatte und der Mantel die stützenden Schwingen des Windes verloren hatte, änderte sich das Bild.
Vor ihnen stand ein alter Mann mit schmaler Brust, der einen schwarzen Zylinder am Kopf trug und dessen abgetragener Mantel ihm viel zu groß war und am Boden schleifte.
Argo war erleichtert als er feststellte, dass es sich nicht um seine Ehefrau Cora handelte.
"Guten Abend, fremder Herr", begrüßte Garo den späten Gast. Seine fünf Freunde murmelten ebenfalls Begrüßungen und machten entsprechende Handgesten.
- BM out -
Folgender Text entstammt aus einem Versuch vor einigen Jahren, gemeinsam mit dem Herrn Cinematographen und dem Helden deutscher Sagen, eine Art schriftstellerische Kollaboration einzugehen. Jeder von uns hat das Grundgerüst zu einer Geschichte vorgeschlagen (zb: ein Mann kommt von der Mittagspause zurück und das Bürogebäude in dem er arbeitet brennt), und dann hat jeder eine eigene Geschichte dazu geschrieben. Interessanterweise (oder wahrscheinlicher sogar, offensichtlicherweise) sind da natürlich komplett unterschiedliche Geschichten entstanden.
Bei der Ausgangssituation "in einer finsteren Nacht taucht ein schwarzgekleideter Fremder auf", habe ich probiert eine Art Märchen zu schreiben. Ich habe zwar mehr geschrieben als das bisschen was ich nun wieder gefunden habe, aber fertig war die Story ohnehin nicht.
Somit präsentiere ich meinen Versuch, mich der Mittel eines Märchens zu bedienen:
Es war in einer finsteren Nacht...
Es war einmal in einer dunklen, kalt regnerischen, stürmischen Nacht. Dicke Gewitterwolken hingen am Himmel und verdeckten das Licht von Mond und Sternen. Die Regentropfen fielen dicht aneinander gedrängt aus den Wolken, als hätten sie selbst Angst vor der raabenschwarzen Nacht um sie herum. Die immer wieder grell aufleuchtenden Blitze zuckten panisch durch den Himmel. Etwas Unheimliches lag in der Luft.
Es war eine Nacht in der sich keiner hinaus trauen würde, wenn er nicht musste. Deswegen saßen die 6 Männer auch lieber in der Wirtsstube des Dorfes, in der nähe des warmen Kamins bei einem Krug Bier ..oder zwei. Finnen, welcher der größte und stärkste unter ihnen war, warf einen Blick durch die beschlagene Fensterscheibe und erklärte: "Das ist eine Nacht in der sich keiner hinaus trauen würde, wenn er nicht muss." Und damit sprach er ihnen allen aus der Seele.
"Also ich gehe da bestimmt nicht hinaus.", bestätigte Argo, der flinkeste und gewitzte der Sechs.
"Und was ist mit Deiner Frau? Die wartet doch zu Hause.", fragte Garo, der nicht nur der Wirt der Schenke war, sondern auch Argos großer Bruder.
"Ach soll die alte Sturmvettel doch nur kommen und mich holen, wenn sie sich traut.", gab dieser zurück und nippte an seinem Bier, innerlich hoffend, das seine Frau bei diesem Wetter nicht den Mut aufbringen würde ihn holen zu kommen. Wie sehr er hoffte.
Für kurze Zeit lauschten die 6 Männer nur dem Knacken des Holzes im Kamin, dem Pfeifen des Windes vor der Tür und den prasselnden Regentropfen an der Fensterscheibe. Unmerklich waren sie dabei ein wenig näher zusammen gerückt, und hätte das jemand bemerkt, wahrscheinlich hätten sie es gar nicht abgestritten und auf keinen Fall wären sie wieder auseinander gerückt.
"Also diese Nacht finde sogar ich unheimlich.", gab Wannen zu, und er galt zu recht als der Mutigste von allen. Den anderen lief ein kalter Schauer über den Rücken als sie das hörten.
"Das ist nur der Wind und der Regen. Wir haben das schon oft gehört, da gibt es nichts weswegen wir uns fürchten sollten." Lupo war vielleicht der Schlaueste von ihnen, aber wirklich Trost fand selbst er in seinen Worten nicht. Doch zumindest Raph entspannte sich wieder und die Angst und Sorgenfalten verschwanden wieder aus seinem hübschen Gesicht, das den jungen Frauen wie den alten die Schamesröte ins Gesicht trieb, wenn er sie anlächelte.
Der Regen tropfte munter weiter gegen die Scheiben, der Wind brauste pfeiffend um die Wirtsstube und das Feuerholz knackte unbeirrt funkenstaubend dahin. Zeitgleich griffen alle Sechs zu ihren Krügen und setzten sie an ihre Lippen. Mit jedem Schluck des würzigen Bieres das Garo braute, wich das unheimliche Gefühl weiter von ihnen fort. Argo setzte den Humpen als erster wieder ab, wie immer war er auch beim Trinken der Schnellste. Triumphierend balancierte er das Trinkgefäss auf seiner Handfläche und grinste breit.
Plötzlich sprang die dicke Holztüre knallend auf und der Wind zog brausend herein, lies die Flammen im Kamin auflodern und wild tanzen. Argo zuckte zusammen und schrie auf: "Cora?!"
Seine Freunde blickten zuerst die offene Türe und dann ihn an. Der leere Krug war in hohem Bogen durch den Raum geflogen und an der Wand zerschellt.
"Tut mir leid, ich dachte meine Frau...", murmelte er, stoppte und stand auf um die Scherben aufzulesen.
Während Garo dumpf kicherte, stand Finnen auf um die Türe wieder zu schliessen. Er musste sich schwer dagegen drücken um gegen den starken Wind anzukommen. Schliesslich gelang es ihm die Türe wieder zu verriegeln. Kaum das die schwere Holztür wieder geschlossen und der damit verbundene Lärm vorbei war, hörten sie plötzlich ein pochendes Geräusch an der Tür. Argo lies beinahe wieder die aufgesammelten Scherben seines Kruges fallen, aber zu seinem Glück merkte das keiner seiner Freunde.
Das Klopfen an der Tür wiederholte sich.
"Los, mach auf.", sagte Wannen zu Finnen, der immer noch neben der Tür stand. Finnen zögerte kurz, drehte sich dann aber um und schob den Riegel wieder auf.
Sofort drückte der Wind die Tür weit auf und eine schmale Gestalt schob sich in den Raum. Der weite schwarze Mantel peitschte wild umher und lies den Neuankömmling erst größer wirken als er wirklich war. Als Finnen jedoch den Eingang wieder geschlossen hatte und der Mantel die stützenden Schwingen des Windes verloren hatte, änderte sich das Bild.
Vor ihnen stand ein alter Mann mit schmaler Brust, der einen schwarzen Zylinder am Kopf trug und dessen abgetragener Mantel ihm viel zu groß war und am Boden schleifte.
Argo war erleichtert als er feststellte, dass es sich nicht um seine Ehefrau Cora handelte.
"Guten Abend, fremder Herr", begrüßte Garo den späten Gast. Seine fünf Freunde murmelten ebenfalls Begrüßungen und machten entsprechende Handgesten.
- BM out -
Black_Mage - am Samstag, 19. April 2008, 12:35 - Rubrik: Geschriebenes
Ein Vertipper auf der einen Seite, ein Verleser auf der anderen. Und fertig ist ein neues Wort: Scenic-Fiction.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie sich das genau darstellt.
Geschichten in denen hübsche Gärten, Panorama-Ansichten, und außergewöhnliche Landschaften im Mittelpunkt stehen.
Vielleicht ein Gärtner in der Hauptrolle.
Vielleicht kann ich damit ein komplett neues Genre begründen. Wenn ich nur wüsste, um was es dabei gehen könnte? Bestimmte Stilelemente oder Handlungen die vorkommen würden.
Hat hier jemand einen konstruktiven Vorschlag, den ich stehlen darf?
- BM out -
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie sich das genau darstellt.
Geschichten in denen hübsche Gärten, Panorama-Ansichten, und außergewöhnliche Landschaften im Mittelpunkt stehen.
Vielleicht ein Gärtner in der Hauptrolle.
Vielleicht kann ich damit ein komplett neues Genre begründen. Wenn ich nur wüsste, um was es dabei gehen könnte? Bestimmte Stilelemente oder Handlungen die vorkommen würden.
Hat hier jemand einen konstruktiven Vorschlag, den ich stehlen darf?
- BM out -
Black_Mage - am Freitag, 28. März 2008, 10:14 - Rubrik: Geschriebenes