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Um in der Wüste zu überleben, muss man den Tag über an einem kühlen Ort verbringen, und erst Nachts aktiv werden. Las Vegas liegt in der Wüste, also halte ich mich lieber an diese Verhaltensregel.
Somit hab ich den gestrigen Tag, hauptsächlich am und vor allem im Pool verbracht. Neben dem gemütlichen planschen, finden da nämlich auch heftige Wasser-Volleyball-Matches statt, was unheimlich viel Spass macht. Besonders, wenn man dann irgendwann drauf kommt, das alle 4 Leute, die gerade im Pool sind, deutsch sprechen weil aus Österreich bzw Südtirol. Lustig daran ist, das es immer ein paar Minuten dauert, bis man sich dran gewöhnt hat, Standard-antworten (Yes, no, Sorry, etc) nicht mehr auf englisch zu geben :)

Tja, und abends dann kann man sich endlich aus dem Schatten raustrauen. Denn dann hat es nicht mehr 34 Grad, sondern nur mehr 30, oder so. Zumindest waren das die Temperatur, die ich auf einer Anzeigetafel gelesen habe, als ich den Las Vegas Blvd entlang spaziert bin.

Der Las Vegas Blvd, oder auch als "The Strip" bekannt, ist jene große Straße, an der sich die ganzen Casinos befinden. Der LV Bvd beginnt an einer Kreuzung mit der Straße, an der ich zur Zeit residiere, also bin ich einfach gegen 9 Uhr losmarschiert.
Ich wohne auf 1322 Fremont - also zwischen 13th und 14th Strasse, der Las Vegas Blvd ist quasi die vierte Querstrasse davon, also gehe ich erstmal 10 Blocks. Dort beginnt dann aber nicht der Strip, sondern nur die ganze Strasse (also 00 LV Bvd) .... die Casinos kommen dann ab ca 2000, und ich bin bis 3500 marschiert, wo dann das MGM steht und die Interstate kreuzt. Viel weiter, geht das glaube ich dann eh nicht mehr, zumindest habe ich bis aufs Luxor keine großen Casinos mehr gesehen.
Um es in einer übersichtlicheren Zahl auszudrücken ..ich bin etwas mehr als 2 Stunden nur gradaus eine Straße entlang marschiert. Und ich gehe ja bekanntlich sehr schnell...

Das erste Stück des Blvd ist eigentlich nur dunkel und leer, da gibt es ein paar Kreditläden und Geschäfte die Gehaltschecks einlösen, ein paar Motels, fertig. Doch je näher man dem eigentlichen Strip kommt, umso belebter, heller und schriller wird es. Dann kommt kaum noch ein Laden ohne bunte Lichter aus :)
Wenn man dann aber eben zum Strip kommt, fängt das Staunen erst an. Eines der ersten großen Casinos, ist dann das Stratosphere, mit seinem 350m hohen Turm, und das schaut dann schon beeindruckend aus.
Dann geht man am Sahara vorbei, und der Gehweg leitet einen direkt an der Eingangstür vorbei, und man kommt am Valet-Parking-Bereich vorbei. Dort stehen Autos, das selbst mir, der sich mit Autos ja gar nix anzufangen weiß, das Wasser im Mund zusammen läuft. Vielleicht ist das ja bei Männern hormonell gesteuert. Doch dann kommt schon das Circus Circus ..und das ist einfach sehr groß. Wirkt durch das wuchtige Zelt noch imposanter, doch die Erinnerung daran verblasst dann sehr schnell.
Spätestens wenn man am Venetian vorbeikommt. Das schaut an der Vorderfront dem Markus Platz in Venedig sehr ähnlich, hat Kanäle in denen Gondeln rumstaken (okay, die Gondoln haben kleine Motoren), und strahlt eine unglaublich dichte Atmosphäre aus. Es war das mit Abstand hübscheste und interessantes Hotel/Casino an dem ich vorbei gekommen bin.
Dann kommt man an Casinos vorbei, die einem einfach schon vom Namen her was sagen, Treasure Island, Mirage, Caesars Palace ...
Was soll ich zum Caesars Palace sagen, das ist einfach Themenpark pur. Die Anlage ist rießengroß, und alles an den Fassaden auf römisch getrimmt. Unzählige Säulen, Fontänen, sogar ein ganzes Amphietheater ... das muss man gesehen haben!
Flamingo, Bellagio, Paris - mit einem nachgebauten Eiffelturm, Monte Carlo ...und dann taucht das New York New York auf. Okay, es hat ein Thema, und ja es setzt das Thema auch entsprechend um ...aber das wirkt krank und seltsam. Besonders da es einen eigenen Thrillride gibt, der mitten durch die Anlage geht. Aber ich denke, es hat auch wiederum was, wenn man von seinem Hotelzimmer aus, die Freiheitstatue sieht :)

Daneben steht dann das Excalibur, mit seinem superkitschigen Märchenschloss, dahinter wären dann eben noch Luxor und Mandalay Bay gewesen, aber dorthin bin ich nicht mehr weitergegangen. Statt dessen, bin ich ins MGM Grand hinein, und bin einmal einfach nur durch das Casino durch. Oder vielmehr durch einen Teil des Casinos, das ja auch enorme Ausmasse hat. An ein paar hundert Slotmachines vorbei, ein paar Roulette- und BlackJack-Tische gesehen und durch eine Poker-Turnier-Bereich gegangen. Selber spielen wollte ich gestern aber (noch) nicht.

Was auch noch erwähnt werden sollte, sind die ganzen Shows die in den einzelnen Hotels stattfinden. Hier in Vegas gibt es 2 verschiedene Cirque de Soleils, Copperfield, Konzerte, dann natürlich diese ganzen Las-Vegas-Entertainer (die mir zumindest vom Namen her nix sagen), Broadway-Shows und und und ...es ist nicht zu fassen, wieviel Unterhaltung einem hier geboten wird. Dazu natürlich unglaublich viel "Erwachsenen Unterhaltung", wie sie das so schön nennen.

Den Rückweg hab ich dann aber mit dem "Deuce" bestritten, ein Bus der einfach nur den Las Vegas Boulevard rauf und runterfährt, und mich somit zurück zur Fremont gebracht hat. Bei den vielen Stops (in ziemlicher Nähe) und dem dichten Verkehr, hat das aber ziemlich lange gedauert. Noch dazu, wo der Bus eine Klimaanlage Typ "Eiszeit" hatte ...ich glaub meine Verkühlung ist wieder schlimmer geworden.

Jedenfalls war ich dann gegen 1 Uhr wieder zurück im Hostel. Mein kurzer Spaziergang zu den Casinos, wie ich mir das vorgestellt habe, hat also nur 4 Stunden gedauert...

Zum Schluss des Eintrages ein ganz anderes Thema, dem ich eigentlich schon fast einen eigenen Beitrag widmen wollte, aber da es zum gestrigen Strip-Besuch gehört, sich hier gut einfügt.
Ich habe natürlich die ganzen Schnellhochzeits-Kapellen gezählt, an denen ich vorbei gekommen bin. Was zu nicht weniger als 13 solcher Läden geführt hat, und da sind die ganzen Wedding-Geschichten nicht drinnen, die in den großen Hotels angeboten werden (was aber so ziemlich jedes hat). Besonders hervorheben möchte ich dabei die beiden "Drive Thru"-Wedding Chappels, an denen ich vorbei gekommen bin, wo das eine den romantischen Namen "Say I do - Wedding Drive Thru" hatte. Komplettiert wird dieses Szenario von den vielen Geschäften in denen man Hochzeitskleider und Smokings kaufen bzw ausleihen kann.
Die vielleicht noch interessantes Wedding-Chappel befindet sich meiner Meinung nach jedoch direkt oben im Stratosphere Tower, von wo aus man dann die ganze Stadt überblicken kann. Und dann kann man sich ja gleich in das Karusell setzen, das über die Aussichtsplattform hinaus geht...

Zusammenfassung:
Ich hätte nicht gedacht, das mich der Strip so faszinieren würde. Aber die schiere Masse an Leuten dort, die protzigen Fassaden, die ausgelassene Architektur der einzelnen Hotels, das Farbenspiel der Lichter, das alles erzeugt einen sehr mitreissenden Sog. Ich kann mir ja nicht vorstellen, das die ganzen Hotels und Casinos jemals voll sein können, aber ich irre mich ja gerne und oft. Und wenn in Las Vegas mal der Strom ausfällt, sinken die Temperaturen auch in der Nacht mal unter 30 Grad, da bin ich sicher :)

- BM out -

Von San Francisco nach Los Angeles mit dem Bus - 40€
Von Los Angeles nach Fiji - 420€
Von Fiji nach Kerikeri (Neuseeland) - 280€

740 Euro und ich verbringe eine knappe Woche in einer Gegend, die von den meisten Leuten als Synonym für "malerisches Strand-Paradies" genutzt wird, und kann dann durch Neuseeland gondeln.

Hm...ich denk nur laut...

- BM out -

Ok, ich denke es haben alle anhand der beiden vorigen Posts erkannt, das ich wieder mal eine Busfahrt hinter mich gebracht habe und in einem Hostel angekommen bin.

Ich bin nun also in Las Vegas, und ich denke es ist eine sichere Wette, wenn jetzt alle ihre Aufmerksamkeit auf die Nachrichten lenken. Denn da wird bald die Rede davon sein, das ein junger Österreicher in Las Vegas wie wild Geld gewinnt. Ich spür das. Ich habs im Blut! I feel lucky..

Im übrigen möchte ich hiermit alle bitten schon mal Geld für meinen Rückflug zusammen zu legen...

- BM out -

Folgende Zeilen sind quasi der linke Flügel eines literarischen Tryptichons. Ich nenne es das "Nevada Haiku Tryptichon", denn ich habe es geschrieben, als wir durch Nevada auf Las Vegas zu gefahren sind.
Als ich mit dem ersten Haiku fertig war, hatte sich das Szenario so sehr verändert, das ich sofort ein zweites schreiben musste, das dem entspricht, und als ich damit fertig war, ein drittes, um dem ganzen ein rundes Ende zu geben, und die neue Umgebung darstellt.


Sunset on mountain
Riding its back to valley
So just dismounting


Ich poste hier aber nur das erste Haiku, weil es das schönste ist, und auch von der Idee her das originalste. Die anderen kommen leider in der Bildsprache bei weitem nicht an das heran, sind vergleichsweise plump. Mir gefällt in diesem Haiku, wie es mit der Bedeutung des Wortstammes "mount" arbeitet, und wie es die Sonne auf der anderen Seite des Berges absteigen lässt...

- BM out -

Der Boden zeichnet in allen möglichen Brauntönen, von sandigem Ocker bis zu dunkler Erde aber auch rötlichen Tönen, in verschiedenen Nuancen kombiniert, eine weite, flache Ebene. Die karge und geduckte Vegetation versperrt den Blick nicht, der somit oft erst vom Horizont selbst eingezäunt wird. Doch es ist nicht der Grund und Boden auf dem man hier steht, und der auf eine gewisse Weise unwirklich scheint, der fasziniert. Was das Auge bannt, ist der Himmel, der sich in einem blassen Blau, über dem Ganzen erstreckt.

Erst treiben in diesem Gewölbe einzelne Wolkenfetzen, die tatsächlich nur als Fetzen zu beschreiben sind. Sie wirken, als hätte jemand eine große Wolke brutal ausgeweidet, und nun ergießt sie sich in den Himmel und schwindet langsam dahin, während sich an manchen Fetzenteilen noch die Krallenspuren erkennen lassen, mit denen die Untat vollbracht wurde.
Doch bald schon fliessen diese Wolkenfetzen hoch oben in einander über, und vermischen sich mit dem eh schon hellen Blau des Zenits, zu einem noch helleren Hintergrund. Vor diesem Hintergrund nun, spielt sich erst ab, was den Blick von den endlichen Weiten des Bodens von Arizona lenkt.

Dicke, fette Cummuluswolken scheinen im Tiefflug über das Land zu ziehen, so tief, das man den Eindruck hat, man müsse nur auf und ab springen, um über sie hinweg schauen zu können. Die tiefstehenden Wolken grenzen sich derart vom oben beschriebene Hintergrund ab, das es an die 3D-Gebilde der "magisches Auge"-Bücher erinnert. Ihre Vielzahl und Formation gebietet die Assoziation mit einer Staffel UFO's, die gerade zur Invasion übergeht. Doch wer kann es ihnen denn verdenken, bei der Nähe zu Roswell und Area 51?

Langsam schiebt sich die Wolkenflotte über das braungrüne Feld, wandert den Horizont entlang, ist viel zu schnell dem Blick entronnen, da uns der Bus, von solchen Naturschauspielen völlig unbeeindruckt, ungebremst durch die Szenerie schleift.
Der Blick wandert zurück zum Boden, verfolgt eine Überland-Stromleitung, die sich für kurze Zeit, schräg zur Schnellstrasse durch die Ebene schlängelnd, als Wegbegleiter anbietet. Wie die Wolken und der eigene Blick hat sie nur ein Ziel - den Horizont zu erreichen.

Er versuchte den gelangweilten Blick, den er seit einiger Zeit im Gesicht trug, aufrechtzuerhalten, als er sie in den Bus einsteigen sah. Er war in einer fremden Stadt, in einem fremden Land, in einem fremden Bus, unterwegs in ein Einkaufszentrum. Nicht weil es ihn wirklich interessierte, sondern weil er die Zeit in der fremden Stadt des fremden Landes nutzen wollte, und diese Stadt nicht viel zu Nutzen bot. Zumindest nichts das in seinem Interesse lag.
Doch nun war etwas von Interesse in das kleine Leben getreten, das er in dem fremden Stadt-Land-Bus führte. Sie setzte sich schräg von ihm, auf der anderen Seite des Ganges hin, während er seinen gelangweilten Blick wieder aus dem Fenster gerichtet hatte.

Erst als der Bus wieder los fuhr, schaute er wie beiläufig durch den Bus. Tat so, als würde er auf der anderen Seite des Busses aus dem Fenster schauen wollen, prüfen wollte, ob die Aussicht dort besser war. So sehr er den Blick auch schweifen lies, wanderten seine Augen jedoch nur über sie, die gerade neu zugestiegen war. Da war etwas, das er nicht in Worte fassen konnte, das an ihr haftete. Nein, nicht sein Blick, das er den nicht von ihr lösen konnte, war ihm ja bewusst, es war noch etwas anderes da.

Er drehte den Kopf wieder zur anderen Seite, schaute aus dem Fenster. Häuser und Läden zogen an ihm vorbei, Sträucher und Bäume, Straßenzüge und Autos. Sie hatten die eigentliche Stadt verlassen, denn das Einkaufszentrum, zu dem ihn der Bus bringen sollte, war irgendwo außerhalb. Es wurde grüner. War das nicht spannend, so durch die Gegend zu fahren, sich die Umgebung anzuschauen?

Ohne lange zu zögern gab er dem inneren Drängen nach, drehte den Kopf wieder vom Fenster weg, schaute wieder zu ihr rüber. Sie hatte es sich auf der Sitzfläche bequem gemacht, die Beine übereinander geschlagen, schaute irgendwie geradeaus aus dem Fenster. Ihre Augen waren hinter einer Sonnenbrille versteckt, ob sie ihn musterte oder überhaupt bemerkte, das er sie beobachtete? Er verschwendete keinen Gedanken daran. Alles worum seine Gedanken kreisten, war herauszufinden, warum sie seine Aufmerksamkeit so ungeteilt auf sich gezogen hatte.

Sie war nicht auffällig gekleidet, und schon gar nicht aufreizend. Das Top war Schulterfrei und hielt sich ohne Träger am Oberkörper, passte farblich zum weißen Rock mit den blauen Punkten. Ihr langes, dunkles Haar war entweder besonders kunstvoll zu einer wilden Frisur verknotet, oder einfach nur besonders wild zu einem kunstvollen etwas an Haaren verarbeitet worden. Einige Strähnchen fielen ihr immer wieder ins Gesicht, die sie dann ab und zu geistesabwesend wieder hinter ihr Ohr steckte. Sie musste einen halben Kopf größer sein als er, schloß er, als er ihre Proportionen betrachtete. Ihm wollte nicht auffallen, was sie an sich hatte, das es ihn nun keine Ruhe lies.

Für die nächsten Minuten starrte er wieder aus dem Fenster, wobei er die Umgebung, die am Fenster vorbeiflog, gar nicht wirklich mitbekam. In Gedanken, vor seinem inneren Auge, sezierte er geradezu den Anblick der Unbekannten. Immer wieder, warf er aus den Augenwinkeln einen Blick auf sie, wenn sie sich ein wenig bewegt oder ihre Position geändert hatte. Plötzlich nahm sie die Sonnenbrille ab, steckte sie sich in die Haare, und gab damit die Sicht auf ihre braunen Augen frei. Sie passten gut in ihr Gesicht, nahmen die Aufmerksamkeit von ihren Lippen, die seiner Meinung nach, zuvor wohl das prominenteste Merkmal darin waren.

Als sie ihren Kopf zur Seite drehte, um aus der Windschutzscheibe des Busses zu schauen, erkannte er endlich was es war, das ihn wohl die ganze Zeit so auf Trab gehalten hatte. Nun hatte er freien Blick, auf etwas das ihm zuvor irgendwie entgangen war, zumindest dem bewussten Auge. Denn sein Unterbewusstsein, muss es von Anfang an aufgefangen haben, sich aber den Spass machen wollen, ihn eine Weile zappeln zu lassen. Doch nun war dieses Katz-und-Maus-Spiel, zwischen seiner Aufmerksamkeit und ihrer Besonderheit, vorbei.

Sein Blick hatte sich an ihrem Hals festgefangen, und wollte nicht mehr los lassen. Nun, wo sie den Kopf gedreht hatte, konnte er die Sehnen darunter sehen, und wie sie in die Schultern übergingen. Ein gerader, wohlgeformter Nacken, der geradezu danach schrie angeknabbert zu werden. Er unterdrückte ein Seufzen, lies den erhebenden Anblick sich als leichten Schauer seinen Rücken hinab bewegen. Leise, ganz leise, hörte er wie ihr Hals ihn aufforderte näher zu kommen. Er wollte beschnuppert werden, langsam mit dem Daumen massiert werden, sich bereit machen und auflockern lassen, um letztendlich im finalen Akt mit einem zärtlichen aber festen Biss...

Schnell drehte er den Kopf wieder von ihr weg. Er war erstaunt darüber, welche Pfade seine Gedanken da genommen hatten, so etwas war ihm noch nie widerfahren. Draußen zog immer noch die Landschaft vorbei, eine kleine Vorstadt erschien und ging ohne sich durch irgendetwas auszuzeichnen. Er nahm seine Sonnenbrille ab und rieb sich das Nasenbein, wollte der Versuchung entgehen wieder auf die andere Seite des Busses zu schauen, wo seine Phantasien sich wieder verselbstständigen würden.

Nach ein paar Minuten hielt er es aber nicht mehr aus, er musste einfach hinüber schauen. Natürlich saß sie immer noch da, der Bus hatte ja keinen Halt gemacht. Ihre Beine waren nun in die andere Richtung überschlagen, und ihre rote Tasche ruhte immer noch am Sitz neben ihr. Obwohl sie wieder geradeaus schaute, konnte er nun immer noch die Konturen der Muskeln an ihrem Hals erkennen. Sie schien nicht mitzubekommen, was sie angerichtet hatte, in welchem Zustand er sich nun befand. Er schloss die Augen, und konnte durch die Lider hindurch so klar sehen, als ob sie aus Glas wären.

Er sah sich selbst, wie er aufstand zu ihr rüberging, sich auf den Sitz neben ihr niederließ. Sein rechter Arm legte sich um ihre Schulter, was sie ihm anstandslos gewähren lies, während er mit der anderen Hand eine lose Haarsträhne nach hinten schob. Er packte ihre Schulter, während er ihren Kopf leicht zur Seite schob, und vorsichtig die andere Schulter küsste. Sanft und zart berührten seine Lippen ihre Haut gerade noch. In seinem Kopf entfaltete sich eine eigene Welt der Lust, die allein darauf beruhte mit der Zungenspitze über ihre Schultern den Hals hinauf zu gleiten, und an ihrem Ohrläppchen zu knabbern. Eine einzige Bewegung die auf so delikate Weise ausgeführt wird, das sie eine Ewigkeit in Anspruch nimmt und mit jedem vergangenen Äon sich in höhere, ungeahntere Bereiche des Wohlwollens steigert. Gleichzeitig wusste er, wie es sich anfühlte, wenn er einen Arm um sie schlang, sich in ihre Brust krallte und sie an sich drückte, sie seinen warmen Atem im Nacken spüren lies. Jede Form der Zärtlichkeit und der Folter, der Lust und des Schmerzes, die sie beide einander bieten konnten, fand gleichzeitig in seinem Kopf statt. Jede Möglichkeit entfaltete sich in dem Moment, als er seine gläsernen Lider verschloss. Ihm wurde für einen kurzen Augenblick schwindlig, schnell öffnete er die Augen wieder.

Der Bus kurvte bereits durch die Parkanlage, die das Einkaufszentrum umgab. Er wusste, das die Fahrt nun beinahe vorbei war, und wo er noch vor kurzem nichts mehr herbei gesehnt hatte, als endlich anzukommen, war es ihm nun zu früh vorbei. War das alles eben Einbildung gewesen? War es nicht viel mehr, das er einen Ausblick darauf bekommen hatte, was möglich war? Eine Vision, eine Bestimmung? Ob sie das selbe wahrgenommen hatte? Der Bus blieb mit einem Rucken und zwei Quietschern stehen, der Eingang zum Einkaufszentrum lag genau gegenüber der Busstation. Er versuchte sich die Verzweiflung nicht anmerken zu lassen, da bemerkte er erst, das sein Objekt der Aufmerksamkeit ihre Tasche genommen hatte und aufgestanden war.

Bis er endlich aus dem Bus gestiegen war, hatte sie bereits einige Schritte hinter sich gebracht, war schon auf halbem Weg ins Innere des Einkaufszentrum wo er sie mit Sicherheit verlieren würde. Sie war tatsächlich ein kleines Stück größer, aber er seine Schritte waren schneller, womit er sie schnell einholen würde. Er musste handeln, etwas tun. Sie wollte es so, das hatte er genau gespürt.

- BM out -

 

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