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Gesehenes

Action-Filme haben sich im Laufe der Zeit stark verändert.

Von den Western, wo die Gerechten in Form des Sheriffs oder einsamen Cowboys im Duell Eins-zu-Eins die Outlaws bezwingen, zu den Rache-Epen der 70er mit Charles Bronson aber auch Clint Eastwoods Dirty Harry wo einer der Guten sich außerhalb des Gesetzes bewegen muss, um Gerechtigkeit wirken zu lassen. Da sind dann schnell mal ein paar Bösewichte mehr im Kugelhagel untergegangen und von einem fairen Duell war nur beim Showdown gegen den Oberschurken etwas zu sehen.

Dann kamen die großen Action-Knaller mit Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Co. Der Revolver wurde gegen ein Sturmgewehr getauscht und die Ein-Mann-Armee war geboren. Da wurden dann ganze Verbrecher-Syndikate, Rebellen-Armeen und Terroristen-Gruppen bekämpft. Das ging vor allem mit etwas Kunstblut und viel dramatischem Gezappel der Getroffenen einher.
Irgendwo ist das Action-Kino dann abgedriftet und es entwickelten sich das Sub-Genre der ‚Gore‘-Filme, bei denen Eingeweide, aufgeplatzte Köpfe, reichlich Makeup und literweise Kunstblut soweit das Auge reichte, zur Dramaturgie oder auch Authentizität beitragen sollten. Oder auch einfach nur schockieren sollten, wer weiß.

In den 90ern kamen dann ein paar Trends aus Hongkong nach Hollywood. Ein wenig Martial Art und exotischer Gun-Fu, wo die Schießereien mit aufwändigen Choreographien und dem Einsatz von Leinen und Harnischen aufgemotzt wurden. „Matrix“ ist ein bekanntes Paradebeispiel dafür.
Einhergehend mit der immer stärker werdenden Computertechnologie wurde auch immer mehr auf Computergrafik statt der sogenannten ‚practical effects‘ gesetzt. Die Technologie erfordert weiterhin viel Aufwand um wirklich glaubwürdige Effekte zu erzielen, und hat gerade in seiner Jugend und Kindheit zu eher lachhaften Szenen geführt.

Um die Action immer aufregender zu gestalten wurden die Filme dann immer schneller geschnitten. Die „Shaky-Cam“, also mit einer Handheld-Kamera ganz nah am Geschehen zu filmen, sollte auch dazu beitragen, dass die Kämpfe noch intensiver wurden. Mit den schnellen Schnitten konnte verborgen werden, dass die meisten Schauspieler keine wirkliche Kampfkunst-Ausbildung haben. Ein tolles Beispiel bietet hier Liam Neeson beim überklettern eines Zauns.

Dann wurden die Filme vom Kontrast her etwas düsterer und die Farbpalettte hat alles von grau und braun ausgekostet. Spätestens mit 3D konnte man eigentlich kaum noch erkennen, was eigentlich auf der Leinwand passiert ist. (Schwerverbrecher ist hier zB Kampf der Titanen aus 2010.)

Irgendwann ist man dann eigentlich für den Inhalt, Dialoge und Story in einen Action-Film gegangen …was irgendwie absurd ist.
Dieses sich laufend mit aufregenderen (und immer absurderen) Szenen übertrumpfen zu müssen, hat dann auch in so Sub-Genre wie Auto-Filmen Einzug gefunden. Die letzten Filme der „Fast & Furious“-Reihe sind kaum mehr anzuschauen.
In den letzten Jahren war es dann eigentlich so, dass man kaum mehr in einen Action-Film gehen konnte, und sich tatsächlich sowas wie nachvollziehbare Action erwarten zu können. (Als Ausnahme muss man die Bourne-Filme mit Matt Damon nennen, die zwar die Shaky-Cam verbreitet haben, bei denen man trotz allem immer ein gutes Gefühl dafür hat, was passiert.)

Bis sich in den letzten 2 bis 3 Jahren eine neue Schule des Action-Kinos entwickelt hat.
Filme wie „John Wick“ (und jetzt „John Wick Chapter 2“), „Kingsmen“, „Deadpool“ und „Logan“ sind für mich Zeichen eines neuen Action-Kinos. Hier spielen 2 Faktoren eine Rolle.

Die Altersfreigabe. Mehr noch als bei uns (heute, nicht in meiner Kindheit, als das noch sehr streng gehandhabt wurde) spielt die Alterfreigabe in den USA eine große Rolle. Ein Film mit dem sogenannten R-Rating, vergleichbar mit FSK 18 bei uns, verliert einiges an Publikum, worüber die Produktionsfirmen natürlich nie glücklich sind. Also werden die Filme entsprechend beschnitten.
Doch jetzt gibt es Filme die sich trauen die Gewalt im Film auch darzustellen. Große Wunden, abgetrennte Arme, gebrochene Glieder. Man sieht den Effekt der Action, jedoch nicht glorifiziert wie in den Gore-Schockern, auch wenn es oft überrascht wie brutal es in den Filmen zugeht.

Das andere ist die Darstellung der Action selbst. Ruhigere Einstellungen, weite Bilder, weniger Cuts. Selbst wenn Bilder aus 10 Kameras aufgenommen werden, werden nicht von allen Einstellungen Bilder verwendet. (Nochmals: Liam Neeson klettert über einen Zaun.).
Die Hauptdarsteller nehmen sich die Zeit zu trainieren und mit den Stuntleuten die Choreographien zu üben. Keanu Reeves hat zum Beispiel für die John Wick-Filme tatsächlich 40-Stunden Arbeitswochen aus dem Training für John Wick gemacht und nicht nur Martial Arts geübt, sondern auch den Umgang mit Waffen am Schießstand und vor allem stundenlang wie man ohne hinzuschauen mit wenigen Handgriffen seine Waffe nachlädt.
Außerdem bekommen inzwischen auch Stuntleute manchmal richtige Rollen, was natürlich auch einen Unterschied macht. (Ist es einfacher Schauspiel zu lernen als Martial Arts?)

Alles in allem haben wir nun wieder Action-Filme im Kino, die man sich wirklich anschauen kann. Action die man sieht und die man fühlt.
Um einen Klischeesatz zu verwenden: „Das ich das noch erleben darf...“

- BM out -

Nachdem ich ja von meinem letztjährigen Kino-Jahr ziemlich enttäuscht war, sowohl im Sinn der gesehen Qualität als der reinen Quantität, habe ich mir für heuer vorgenommen wieder öfter ins Kino zu gehen.
Letztlich müssen ja mehr gute Filme dabei sein, wenn man viele Filme sieht. Nebenbei habe ich mir gelobt, dass ich den Einheitsbrei und Durchschnittsmist weglassen werde, der mir die letzten Jahre viel Freude an den Kinobesuchen genommen hat. Lieber in einen schlechten Film bzw einen der mich nicht wirklich interessiert zu gehen, als die Standardkost. Immerhin schärft es das Verständnis, was man selbst als guten Film einstuft, wenn es ausreichend Gegenmaterial gibt …und oft sind Perlen darunter, die man sonst auslässt.
Somit gilt für heuer: mindestens 1 Mal die Woche ins Kino gehen.

Nach 9 Wochen war ich bereits 13 Mal im Kino. Dabei habe ich La-La Land zwei Mal gesehen und Casablanca nachgeholt. Heute sehe ich Film Nummer 14 und am Wochenende bereits den Nächsten.
Der Großteil der Filme war wirklich toll. Nicht zuletzt, weil halt zu Jahresbeginn bei uns die ganzen Oscar-nominierten Filme eintrudeln, die in den USA taktisch richtig gestartet sind.

Dabei habe ich auch bereits Filme, von denen ich befürchte, dass sie Brei sind (Passengers), ausgelassen und dabei Filme von denen ich mir erwarte, dass sie schlecht sind (Resident Evil) angeschaut. Das System funktioniert also.

Aber meine Fresse ist das anstrengend!
Wie habe ich das 2004 gemacht, als ich die Wette laufen hatte, wer mehr Filme schauen ‚kann‘?! Da war ich durchschnittlich 3 Mal die Woche im Kino. Und kommt mir jetzt nicht mit „älter werden“ oder so. Ich lasse mir das als Erklärung einreden, wenn ich Nachts nicht schlafen kann, oder wenn ich bei kaltem, nassen Wetter Rückenschmerzen habe. …nicht wenn es darum geht 2, 3 Stunden im dunklen rumzusitzen.

Hach, was solls. Vielleicht hat John McClane ja Recht. „Ich bin zu alt für diese Scheiße.“ …und wie John McClane werde ich trotzdem nicht aufhören. Yippi-ki Yay Motherfucker!

- BM out -

Woher wissen wir, wie die Milchstraße aussieht und wo wir uns in ihr befinden ...wenn wir mitten drin sind und nicht direkt drauf schauen können?


Scishow weiß es.


- BM out -

Als 1991 bei einem bizarren Unfall nicht bloß die gesamte britische Königsfamilie sondern der gesamte Adel ausgelöscht wurde, ist die Regentschaft an Ralph Jones aus den USA gefallen. Die Nummer 100irgendwas der Thronfolge hat jeden Zweifel bezüglich seine Unwissenheit über das Amt und fehlende Kompetenz klarerweise wie ein amerikanischer Panzer überrollt, statt sich an das System anzupassen, aber immerhin war die britische Insel gerettet.

25 Jahre später wird in den USA der Minister für „Housing & Urban developement“ (wäre bei uns wohl ein Teilstück des BMVIT) zum Präsidenten eingeschworen, nachdem bei einem Attentat während der Rede zur Lage der Nation der gesamte Capitol Hill in Schutt und Asche gelegt wird. Dabei sterben nicht nur Präsident und Vize, sondern eben alle Minister, Senatoren und Repräsentanten und der oberste Gerichtshof – also die gesamte Regierung. Tom Kirkman, obengenannter Ex-Minister / Neo-Präsident, war als ‚designated survivor‘ für genau diesen Fall nicht anwesend …und ist wohl genauso wenig für seinen neuen Job geeignet wie Ralph als König.

„King Ralph“ mit John Goodman war eine schwache Komödie. Die Netflix-Serie “Designated Survivor” ist zumindest nach den ersten 2 Folgen sehr spannend und wird in engliegenden Schichten erzählt.
Da ist zum einen natürlich mal Kirkman, der nie für irgendeine politische Position zur Wahl stand und nur einen weniger wichtigen Ministerposten inne hatte. Weder hat er die Ambition auf ein höheres Amt (geschweige denn die Präsidentschaft) noch das wadenbeisserische Durchsetzungsvermögen und die Kälte eines Frank Underwood (House of Cards).
Die FBI-Untersuchung des Terror-Aktes spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Es geht ja nicht nur darum einen Schuldigen zu finden, sondern den dann auch zur Strecke zu bringen …also rausfinden welchen muslimischen Staat man in alter Tradition niederbomben soll.
Natürlich kommt es auch zu Rassenunruhen, Gouverneure die Kirkmans Präsidentschaft nicht anerkennen und politischen Spannungen.
Außerdem gibt es natürlich noch das Militär, das sich eben Sorgen macht, dass ein schwacher Präsident dem Ansehen als Supermacht schadet und man die Muskeln spielen lassen muss …oder eben den Präsidenten durch einen General ersetzen könnte…

Es gibt einen weiteren interessanten Aspekt dieser Serie: Netflix veröffentlicht jede Woche eine Folge, statt wie üblich, die komplette Staffel online zu stellen und den Leuten zu erlauben sie am Stück zu „bingen“.
Auf der einen Seite natürlich verständlich, denn so sind die Netflix-Nutzer dazu gezwungen langfristig ihre monatliche Gebühr zu zahlen, statt eben nur einen Monat lang alle Serien in sich zu schaufeln und dann das Abo zu kündigen (einer der großen Netflix-Vorteile ist ja, dass es keine Jahresbindung gibt).
Das ist jetzt nicht bloß für Netflix unüblich, sondern arbeitet gegen den Trend, den Netflix selbst gestartet hat und auf den mittlerweile auch die großen Netzwerke reagiert haben. Sogar South Park hat sich von seinem Ansatz unabhängige Einzel-Episoden zu produzieren zu einer fortlaufenden Geschichte mit Cliffhänger-Folgen gewandelt (habe ich kürzlich gehört), damit die Leute auch wirklich jede Folge schauen.

Außerdem: ein Kabinettsmitglied für den Fall zu verstecken, dass die gesamte Regierung ausgelöscht wird, wird tatsächlich seit den 80ern in den USA betrieben und ist sogar gesetzlich verankert. Man lernt nie aus.

Auch schön anzusehen, dass Kiefer Sutherland, der als Ego-Panzer und unkaputtbarer Supermann Jack Bauer die USA mehrfach innerhalb von 24 Stunden gerettet hat, nun den in seine Rolle gezwungenen Präsidenten geben kann. Hoffentlich bleibt das noch eine Weile so und er wandelt sich nicht zu sehr und zu schnell in das frühere Alter-Ego.

- BM out -

Westworld ist eine neue HBO-Serie, bei der es um einen Wild West-Vergnügungspark in der nicht so fernen Zukunft geht. Wobei der Park nicht mit Hochschaubahnen und Co protzt sondern von hochentwickelten Robotern (Hosts) bevölkert ist, die ihre vorprogrammierte Rolle ausführen und den Besuchern (Guests) eine Vielzahl an aufregenden Handlungssträngen (zB Outlaws jagen oder Postkutschen überfallen) anbieten.

Die Geschichte folgt sowohl Ereignissen bei der Park-Leitung als auch im Park selbst (und womöglich auch noch zu unterschiedlichen Zeit-Ebenen, aber das ist aktuell pure Spekulation). Sie lässt sich etwas Zeit, die ersten 2, 3 Folgen sind wirklich nur da, um den Rahmen zu ziehen und den Zuschauer in die Welt einzuführen. Dann zieht die Serie enorm an und per Folge 6 (Folge 8 wurde letzte Nacht in den USA ausgestrahlt und habe ich somit noch nicht gesehen), ist es wirklich sehr packend und man kann rätseln und spekulieren, worum es eigentlich geht.
Was die Serie auch auszeichnet ist das hochkarätige Cast (wie es in letzter Zeit immer häufiger bei US-Serien vorkommt), mit Anthony Hopkins, Ed Harris, Evan Rachel Wood, Thandie Newton uvm.

Ich will jetzt nicht im Detail drauf eingehen was passiert, oder eine allgemeine Empfehlung aussprechen. Mich irritiert die Grundidee dieses Parks viel zu sehr. Für 40.000 Dollar / Tag (das wäre schon in der heutigen Zeit viel, aber in der Zukunft muss das inflationsangepasst enorm sein) kann man seine Wild West-Fantasie ausleben ohne sich dem Risiko jeder Konsequenz auszusetzen. Was dazu führt, dass die Besucher morden und vergewaltigen, was das Zeug hält. Denn ein beschädigter Host wird einfach repariert, sein Speicher gelöscht und dann wieder zurück auf seinen Posten gestellt, während seine Programmierung es verbietet, dass er einen Guest ernsthaft verletzt.

Dieses Posting bezieht sich ausschließlich auf eine Szene der 7. Folge, die so perfekt inszeniert und exerziert ist, dass es mir eine Gänsehaut beschert hat und mich weiterhin fasziniert.
Da ich nicht zu viel spoilern will, bin ich in der Beschreibung der Szene sehr stark eingeschränkt, und wer die Serie nicht schaut und auch nicht schauen will, sollte sich zumindest die 7. Folge anschauen und wird dennoch verstehen was ich meine. Die relevanten Inhalte werden nämlich auch alle in dieser Folge kommuniziert.

Innerhalb von ca 3-4 Minute passieren 3 Dinge. Auf der einen Seite folgen sie sehr dicht aufeinander, auf der anderen Seite lassen sie aber gerade genug Zeit um selbst auf die Bedeutsamkeit draufzukommen und dazwischen einmal tief Luft zu holen. Bämm. Bämm. Bämm.
Ich würde nicht sagen, dass alles davon komplett unerwartet ist, schließlich bringt einen die Serie dazu, laufend alles zu hinterfragen und zu spekulieren. …aber diese rasche Abfolge von aufeinander aufbauenden Enthüllungen, bei der jede wie ein Kübel kaltes Wasser wirkt, ist wirklich sensationell.
Sowas bekommt man nur ganz selten geboten.

Wie bei anderen HBO-Serien ist hier jede Staffel auf 10 Folgen limitiert und die Serie soll 3 – 5 Staffeln haben. Es bleibt also spannend wie sich die Enthüllungen von Folge 7 auswirken …und ich wette, dass das noch nicht alles war. Es warten noch einige Überraschungen auf uns…

omfg

- BM out -

Aktuell stecke ich mal wieder im Viennale-Wahnsinn fest. Die für mich interessanten Filme liegen heuer so gut, dass ich locker in 24 Filme hätte gehen können. Ich habs zwar um ein Drittel kürzen können, aber 17 Filme in weniger als 2 Wochen sind halt weiterhin viel (zu Mal ich zum Beispiel wegen Konzertbesuchen nicht jeden Tag ins Kino gehen kann).

Heute ist aber auf alle Fälle eine besondere Projektion. Hong Sang-soo, einer meiner absoluten Lieblingsregisseure hat auch heuer wieder einen Film auf der Viennale.
Er hat einen tollen Stil und ich mag seine Bildsprache. ...sein letzter Film hat mir aber nicht wirklich gefallen und den davor fand ich auch schon nicht so gut, wie die davor.

Ich habe die Befürchtung, dass er sich abgenutzt hat.

Seine Filme haben immer die gleichen Elemente.
Die Leute reden viel, rauchen viel und trinken viel zu viel Soju (Reisschnappsbier). Der Protagonist ist dabei aus seiner gewohnten Umgebung gerissen, entweder auf Urlaub, geschäftlich unterwegs oder auch auf der Suche nach jemanden. Meist sind es Männer Mitte 40, die sich im Verlauf des Films in Frauen Mitte 20 verlieben und betrunkene Liebesgeständnisse machen. Oft Film-Regisseure.

Früher habe ich das Sehnen und Zerren der Protagonisten mitempfinden können, zuletzt hab ich mich nur mehr über die Kameraeinstellungen und -schwenks gefreut.
Wenn ich heute mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gehe wie letztes Jahr, war es wohl der letzte Film von ihm den ich mir angeschaut habe.
...und das wäre sehr Schade.

- BM out -

Ich bin kein großer Fernsehschauer. Also schon alleine, weil ich seit bald 10 Jahren keinen TV-Anschluss mehr habe. Ich schaue halt meine Serien im Internet und meistens „binge“ ich sie, also viele Folgen hintereinander, statt in typischer TV-Manier eine Folge pro Woche (zur fixen, vorgegebenen Zeit).
Selbst als ich noch einen TV-Zugang hatte, habe ich aber relativ selektiv ferngeschaut (wenn man mal davon absieht, dass ich oft nach Mitternacht noch bei irgendwelchen Filmen oder Bob Ross picken geblieben bin). Eines habe ich aber wirklich nie geschaut: Soaps und Tele Novelas.
Ich rechne hier die Lindenstraße raus, der ich als Kind als sekundär-Schauer ausgesetzt wurde. Damals wusste man ja noch nicht, welche Schäden das verursachen kann…

Die einzige Soap die ich wirklich mag ist „All my circuits“. Diese Soap-Parodie wird öfters in „Futurama“ gezeigt, wo sie eines der meistgesehenen TV-Sendungen der Welt ist. Wie der Name schon andeutet, sind alle Protagonisten Roboter und wie in allen Soaps erleiden sie regelmäßig Amnesien, landen im Koma, tauchen Totgeglaubte wieder auf und betrügen sich die jeweiligen Partner laufend mit den besten Freunden, etc.

Seit gestern hat „All my circuits“ aber Konkurrenz: „The Californians“.
So wie bei uns immer über das Wetter geredet wird, ist bei (Süd-) Kaliforniern der Verkehr Thema #1. Offenbar ist der immer furchtbar und Wegbeschreibungen und Hinweise auf Schleichwege sind somit eine wertvolle Information.

Die SNL-Sketch-Reihe „The californians“ kombiniert nun also diese klassischen Soap-Klischees mit den klischeehaften Wegbeschreibungen …und brutal überzeichneten kalifornischen Akzenten. (SNL wird immerhin am anderen Ende der USA aufgezeichnet.) Die Tatsache, dass sich selbst die Schauspieler dabei das Lachen nicht verkneifen können, spricht für sich.

Wenn also der Ehemann seine Frau beim Techtelmechtel erwischt und sie ihn fragt, warum er so früh von der Arbeit zurück ist, erklärt er natürlich wie er gefahren ist um dem Stau zu entgehen. Mit Gastauftritten von Josh Brolin, Jeremy Renner, Mick Jagger (!), Betty White uvm bleibt kein Auge trocken.

Hier die erste Folge

- BM out -

Ich habe meist irgendeinen Freizeit-Fokus. Eine Zeitlang waren es Webcomics, wo ich eine extensive Leseliste hatte und jeden Tag Stunden draufgegangen sind um mich aktuell zu halten.
Dann gab es eine Zeit wo ich so viel Zeit auf Wikipedia verbracht habe, dass die (sicherheitshalber weiterhin gültige) Regel „keine neuen Wiki-Seiten nach 23h“ eingeführt werden musste.
Stunden auf dummen Bilderseiten wie Chive oder 9gag folgten exzessiven Kino-Besuchen. Aktuell ist es definitiv Youtube, wo ich alleine ein dutzend Kanäle für Wissenstransfer abonniert habe um kein neues Video zu verpassen.

Vor einigen Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht US Talkshows aus dem Abendprogramm im Internet nachzuholen. Für politische Satire waren hier die „Daily Show with Jon Stewart“ und „The Colbert Report“ im Einsatz. Bei den klassischen Late-Night-Shows habe ich gerne Mal Conan, Kimmel oder Fallon geschaut – aber nur Clips. Die kompletten Shows haben mich nie interessiert, schon gar nicht die Interviews mit den diversen Berühmtheiten die ihr aktuelles Projekt promoten wollten.
Nur bei einem habe ich immer die kompletten 40 Minuten geschaut: Craig Ferguson.

Die “Late Late Show with Craig Ferguson” war anders. Sie war herrlich dumm und abgedreht, die Monologe waren frei gesprochen aber durchdacht, es waren weniger einstudierte Witze und vor allem wurden all diese typischen Talkshow-Elemente wie Live-Band und Co-Moderator mit ihren vor-geschriebenen Dialogen nicht eingesetzt.

Craig nutzte für den coldopen gerne Tier-Handpuppen (wie zB Hase, Krokodil oder Hai), deren Persönlichkeit es ihm erlaubten andere Blickwinkel einzunehmen.
Wenn seine Interview-Gäste zu ihm auf die Bühne kamen, zerriss er demonstrativ die Cue-Karten und signalisierte damit „Wir unterhalten uns da jetzt und deine Werbung ist sekundär.“ Bei den wiederkehrenden Gästen konnte man sehen, dass sie diese Herangehensweise zu schätzen wussten, und oft viel privater geplaudert wurde. Dass Craig gerade bei weiblichen Interview-Partnern seinen Charme spielen ließ machte das ganze umso sehenswerter.

Craig betonte immer, dass es ihm darum ginge das Late-Nightshow-Format zu dekonstruieren.
Das gelang ihm zum Beispiel mit dem Pferd ‚Secretariat‘, 2 Typen in einem Faschings-Pferdekostüm. Wenn es an der Tür klingelte und Craig rief wer das denn sein konnte, stürmte Secretariat herein, tanzte zur Musik im Kreis und verschwand dann wieder. 30 Sekunden Absurdität.
Im neuen Studio hatte Secretariat am Bühnenrand seinen Stall mit Schwingtür und war somit viel mehr in die Show involviert.

Die Sendung und ihre running gags (Hobo-Publikum, Lesbian Row, eMails/Twitter-Jingles) entwickelten sich aber konstant weiter.
So bekam Craig dann doch noch einen Sidekick. Einen schwulen Skelett-Roboter namens Geoff, der erst nur 8 vorprogrammierte Sätze sprechen konnte und dann von Josh Robert Thompson kontrolliert wurde. Josh ins Team aufzunehmen war ein unglaublicher Gewinn, da er als professioneller Stimmen-Imitator verdammt viel zur Sendung beigetragen hat.

Nachdem die Show in ein neues, größeres Studio umgezogen war, hatten sie auch endlich den Platz für eine Band. „Alfredo Sauce & the shy fellas“ war jedoch (wie der Name verrät) so schüchtern, dass sie immer hinter dem roten Vorhang blieben. Auf Aufforderung durch Craig spielten sie auch ein Swing-Lied an, oder beantworteten seine Fragen, .

Ende 2014 beendete Craig Ferguson seinen Vertrag mit CBS. Damals fanden einige Rochaden über alle Fernsehkanäle und Late-Shows hinweg statt.

Heute schaue ich gerne den Monolog von Stephen Colbert, der seine Persona aus dem Report hinter sich gelassen hat und nun eine ‚normale‘ Late-Show hat. Die Daily Show habe ich schon vor Jon Stewards Abgang aufgehört zu schauen – sie war zu Bush-Zeiten bissiger als unter Obama. Dafür hat Daily Show Allumni John Oliver sonntags eine Sendung auf HBO die tolle, kritische Reportagen mit schrägem und schwarzen Humor verknüpft. Die „a closer look“-Segmente von Seth Meyers sind ebenfalls sehr sehenswert – der restlichen Sendung merkt man Meyers SNL-Wurzeln an, da sie sehr gescripted und eindeutig von einem Team an Witzeschreibern geprägt ist.
Die Late Late-Show wird jetzt von James Corden moderiert – ich habe noch keine einzige Episode geschaut.
Ich habe mir auch noch nie die neue Show angeschaut die Craig jetzt präsentiert…

Seit einigen Tagen schaue ich dafür alte Folgen und Zusammenschnitte der "Late Late Show with Craig Ferguson", lache mich schief und wische mir die Lachtränen aus den Augen. So traurig es ist, dass es die Sendung in diesem Format nicht mehr gibt, solange ich Youtube habe, muss ich ihr nicht hinterher weinen.

- BM out -

James Bond ist ein Sexist. Besonders in den Filmen der 60er und 70er, wo man – aus Mangel einer besseren Floskel – es nicht besser wusste. Sean Connerys Bond kann man auch durchaus als misogyn bezeichnen. In den Filmen der 90er mit Pierce Brosnan wurde den Frauen Doktor und Professoren Titel verliehen, sie waren Firmenchefinnen, etc – aber dennoch nicht viel mehr als optischer Aufputz und willige Gespielinnen.
Erst in Casino Royale und Quantum of Solace, den ersten beiden Bond-Filmen mit Daniel Craig ändert sich das Bild ein wenig. Bzgl Quäntchen Trost möchte ich einwerfen, dass ich mich auf Olga Kurylenkos Camille beziehe …schon am Namen lässt sich erkennen, dass „Strawberry Fields“ für eine Bettgeschichte ins Rennen geworfen wurde. Dennoch erwartet sich dieser Bond nicht, dass sich ihm jede Frau zu Füßen legt, genauso wenig wie jede Frau darauf wartet von ihm gerettet und vernascht zu werden. Leider wurde das mit Skyfall dann wieder umgekehrt und Spectre ist enttäuschender Weise sowieso so platt wie ein Sean Connery-Bond.
Es hält sich ja auch der Titel „Bond Girl“ beständig. Ob sich das ändert, wenn der nächste Agent antritt sich die Kennziffer 007 zu sichern, bleibt fraglich…

Dieser Tage wurde ein Video auf Youtube veröffentlicht, dass ich schon zig Male geschaut habe, einfach weil ich es so großartig finde. Es reißt einige der besonders sexistischen Bond-Szenen aus ihrem Kontext und zeigt ihn so auch als jemand, der nicht nur mit seinem Charme verführt, sondern sich aufzwingt. Das Video ist als Teil Parodie, Teil kritischer Kommentar zu verstehen. (Auch wenn es natürlich von einigen für ihre Agenda missbraucht wird.)

Hier ein paar der – in der heutigen Zeit – unangebrachten Bond-Szenen.

- BM out -

Superhelden-Filme sind trotz ihrer Dichte der letzten Jahre noch nicht aus der Mode. Dieser Bereich wird vor allem von Marvel mit seinen Avengers und deren Einzelfilmen dominiert. DC Comics hinkt hinterher und tut sich hier sehr schwer fußzufassen
Marvel hat auch dank Kooperation mit Netflix einen starken Auftritt im Fernsehen und auch die hauseigene Serie „Agents of Shield“, aber eigentlich dominieren hier mit „Arrow“ und „Flash“ schon seit ein paar Jahren DC-Helden. Das Angebot wurde inzwischen auch um 2 weitere Serien erweitert. Die jüngste davon: „Supergirl“. Supermans Cousine die im Weltall aufgehalten wurde und deswegen um einiges später als der gute Clark auf die Erde gekommen ist, der sich bereits als Held von Metropolis etabliert hat.

Ich mag Superman ja grundsätzlich nicht, habe mir aber gestern dennoch vorgenommen die erste Folge von „Supergirl“ anzuschauen. Vielleicht ist es ja was anderes, wenn ein blondes Mädel in kurzem Rock die Welt rettet?

Superwoman

Bevor ich die Folge gestartet habe, konnte ich es nicht vermeiden ein paar der Kommentare zu lesen. „Feminist Bullshit“ war der aktuellste und das Thema zog sich durch die ersten 4, 5 Kommentare durch. Ich war natürlich gleich begeistert. JETZT musste ich mir die Folge tatsächlich anschauen.

Diese "Kritik" ist nicht unbegründet.
Kara, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, macht sich einen Namen als sie ein abstürzendes Flugzeug rettet. Das stimmt nicht komplett, denn den Namen macht sie sich nicht, er wird ihr von der Medien-Mogulin (für die sie als Assistentin arbeitet) verliehen . Kara protestiert, ob Girl denn der richtige Ausdruck sein. Wenn sie schon das gleiche kann wie Superman, dann müsste sie wohl Superwoman sein…

Eine Kellnerin ist begeistert, dass es endlich einen weiblichen Helden gibt, zu dem ihre Tocher aufschauen kann.

Karas Adoptiv-Schwester, die in einer geheimen Alien-Task-Force arbeitet, hinterfragt bei ihrem Boss ob sie wegen ihrer Qualifikationen oder nur wegen der Verbindung zu Kara eingestellt wurde.

...es sind viele solcher Situationen. Die alle Relevanz haben. Die in dem Kontext auch abgeklopft werden müssen …aber halt innerhalb einer 40 Minuten Folge ein wenig dick auftragen. Gerade auch im Faustkampf mit einem stiernackigen Alien-Verbrecher wird der Geschlechterkampf aus dem Metaphysischen gehoben.
Da verliert man schnell aus den Augen ob etwas tatsächlich noch wichtig ist, oder nur mehr als Mantra vor sich hingemurmelt wird.

Bezüglich der 'feminist bullshit'-Kommentare kann man mal fix davon ausgehen, dass die Kommentare großteils von Burschen und Männern kommen, deren Weltbild* hier nicht wirklich vertreten wird. Die Kritik muss sich die Folge aber dennoch gefallen lassen.

Ich bin noch nicht sicher, ob ich mir die 2. Folge anschaue. Zum einen fand sogar ich, dass da ein bissl sehr auf die Feministen-Pauke geschlagen wurde. Zum anderen haben wir es hier weiterhin mit jemandem aus der Super-Familie zu tun.
Im besonderen bin ich mir nicht sicher, ob ich bei Karas Entwicklung zuschauen will. In Folge 1 ist sie großäugig, offenes strahlendes Gesicht und Begeisterung in Person. …wenn es so weitergeht und sich hält und „soapig“ wird, dann halte ich das sowieso nicht aus. Wenn die Serie Arrow und Flash folgt und düster und ernst wird, will ich aber auch nicht dabei zuschauen, wie dem Mädel das strahlen vergeht.
...und das ist meine Geschlechts-Diskriminierung des Tages.


- BM out -

*Der Umkehrschluss, dass im Allgemeinen das Weltbild von Frauen nicht vertreten wird, wird dank unserer Konditionierung nicht so leicht aufkommen.

 

twoday.net AGB

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