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"Oh, ist er wieder radikal?", mit dieser Aussage hat heute ein Kollege ein Gespräch zwischen meiner Mittagspausenbegleitung und mir betreten. Damit meinte er natürlich mich, meine Begleitung war ja weiblicher Natur.

Wie üblich hier eine kleine Einleitung, damit der geneigte Leser auch versteht, warum mich besager Kollege als "radikal" bezeichnet hat.

Erst vor wenigen Wochen war ich im Pausenraum "negativ" aufgefallen, als ich meiner Mittagspausenbegleitung (es handelt sich hier immer um die selbe Dame) meine Ansichten über Weihnachten erkärt habe. Ich mag dieses sogenannte Fest der Nächstenliebe nämlich nicht. Hauptsächlich weil es ein reines Konsumfest ist und mit dem eigentlichen Sinn nix zu tun hat. Abgesehen davon, dass mir als Atheisten "Die Geburt von Gottes Sohn" schon ein wenig dünn für so einen Anlass vorkommt...
Als ich dann auch noch über Silvester gemeint habe, man könne willkürlich jeden Tag im Jahr wählen, wenn man unbedingt einen Jahreswechsel feiern möchte, und noch dazu auf die heidnischen Wurzeln von Silvester hinweisen wollte, war es natürlich um mich geschehen. Selber Kollege wie heute warf mir dann vor, ich würde nur versuchen alles schlecht zu machen.
Nichts liegt mir ferner, aber ich will das jetzt hier auch nich breit treten um was es mir geht, das soll nur eine Einleitung sein, um mein Radikal-Vehikel in Schwung zu bringen.

Zurück zu heute. Meine Pausenbegleitung und ich haben über die Flutkatastrophe in Süd-Ost-Asien geredet. Genauergesagt habe ich mich darüber ausgelassen, dass auf der Kronen-zeitungstitelseite (wie in vielen Medien, besonders hier im Net) immer auf das Schicksal von "Landsleuten" hingewiesen wird, während sich in der Region selbst eine unvorstellbare Katastrophe abspielt.
Da sterben nun sicherlich über 100.000 Leute an der Flutwelle selbst, als auch an Seuchen, die auszubrechen drohen. Sind ihrer Existenzberaubt und haben so ziemlich alles verloren. Und dann sind da sogar 90 Österreicher dabei! OH MEIN GOTT. 90 Österreicher und knapp 100.000 Asiaten.
Gut, vielleicht versteh ich hier was falsch, vielleicht liegt es auch an meinem mangelnden Enthusiasmus für das Konzept des Nationalismus, wer weiß. Jemand der einen Bekannten oder Angehörigen verloren hat, leidet sicherlich genauso wie die betroffenen Thailänder, Inder und Indonesier... aber sonst? Durch was sollen mir diese 90 Österreicher näher sein, als die 100.000 Asiaten die ich genausowenig gekannt habe?
Mich regt das - obwohl es das wohl nicht sollte - sehr auf. 90 Österreicher unter den Opfern. Welch ein Drama für unser Land.

Und nun meine Frage: Ist meine Einstellung wirklich so radikal?
Sollte ich mehr mit den 90 unbekannten Österreichern mitfühlen?
Sollte ich mehr Begeisterung an den Tag legen, das es Thomas Muster und KH Grasser eh gut geht, obwohl sie auch grad irgendwo am Strand liegen?

Das einzige was mich milde stimmt ist wie schnell die Hilfe anläuft, und wie bereit die Menschen sind, den Betroffenen zu helfen. Es zeigt mir, dass noch nicht alle Hoffnung an die Menschen verloren ist. Er tröstet mich.
 

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