Der Vater meines Stiefvaters ist vor einigen Tagen verstorben. Die Personenkonstelation macht ihn rechnerisch zu meinem Stiefgroßvater - ich habe ihn aber nie kennen gelernt und kann mit dem Bezugssystem also nichts anfangen. Als ich am Freitag bei meiner Mum draussen war, bin ich ihr zu liebe jedoch zur sogenannten Betstunde, am Abend vor der Beisetzung mitgegangen.
In der Kirche habe ich mich dann versucht möglichst unauffällig in einer der hinteren Reihen zu positionieren. Unauffällig aus dem Grund, da ich in Kirchen stets das Gefühl habe wie ein Parasit auf die anderen Anwesenden zu wirken. Als ob ich mit meinem Unglauben den Glauben der anderen, ihre spirituelle Energie, absauge oder negiere.
Ich würde ja auch nie während einer Andacht in eine Moschee oder Synagoge gehen, schliesslich sind es nicht 'meine' Gotteshäuser. Ich habe dort nichts verloren, und bei Kirchen geht es mir genauso.
Also sass ich dort hinten, zwischen Leuten die ihre eigenen 'Gotteslob'-Liederbücher mitgebracht haben. Zwischen Leuten die den Verstorbenen gekannt haben und die wirklich trauerten. Zwischen Leuten die wirklich glaubten. Und rechnete jederzeit damit, dass der Pfarrer plötzlich mit dem Finger auf mich deuten würde, um mich als Ketzer, der die spirituelle Ruhe der Betenden störrt, des Hauses verweisen würde.
...oder vielleicht theatralischer, dass sich das Licht der Glasbilder bündelt und auf mich schwenkt, wie ein himmlischer Fingerzeig...
Was aber schlimmer ist, als das ungute Gefühl, dass ich am Freitag in dieser Kirche hatte, ist das Dilemma auf das ich damit unaufhaltsam zusteuere. Dieses Mal wurde um jemanden getrauert, den ich nicht kannte, und es reichte, dass ich ruhig auf der schmalen Kirchenbank sitzen blieb. Doch was mache ich, wenn um jemanden getrauert wird, der mir selbst am Herzen liegt?
Soll ich dann auch still auf einer Kirchenbank sitzen und so tun als würde ich dazu gehören? Meine Lippen still halten oder soll ich mitsingen und die Betsprüche rezitieren, die ich sowieso auswendig kann? Soll ich in der Mitte der Trauernden sitzen und ihre Spiritualität absaugen, negieren, umkehren und den heiligen Kirchenboden entweihen? Oder tue ich den verstorbenen Seelen einen Gefallen in dem ich der kirchlichen Trauerfeier fern bleibe?
- BM out -
In der Kirche habe ich mich dann versucht möglichst unauffällig in einer der hinteren Reihen zu positionieren. Unauffällig aus dem Grund, da ich in Kirchen stets das Gefühl habe wie ein Parasit auf die anderen Anwesenden zu wirken. Als ob ich mit meinem Unglauben den Glauben der anderen, ihre spirituelle Energie, absauge oder negiere.
Ich würde ja auch nie während einer Andacht in eine Moschee oder Synagoge gehen, schliesslich sind es nicht 'meine' Gotteshäuser. Ich habe dort nichts verloren, und bei Kirchen geht es mir genauso.
Also sass ich dort hinten, zwischen Leuten die ihre eigenen 'Gotteslob'-Liederbücher mitgebracht haben. Zwischen Leuten die den Verstorbenen gekannt haben und die wirklich trauerten. Zwischen Leuten die wirklich glaubten. Und rechnete jederzeit damit, dass der Pfarrer plötzlich mit dem Finger auf mich deuten würde, um mich als Ketzer, der die spirituelle Ruhe der Betenden störrt, des Hauses verweisen würde.
...oder vielleicht theatralischer, dass sich das Licht der Glasbilder bündelt und auf mich schwenkt, wie ein himmlischer Fingerzeig...
Was aber schlimmer ist, als das ungute Gefühl, dass ich am Freitag in dieser Kirche hatte, ist das Dilemma auf das ich damit unaufhaltsam zusteuere. Dieses Mal wurde um jemanden getrauert, den ich nicht kannte, und es reichte, dass ich ruhig auf der schmalen Kirchenbank sitzen blieb. Doch was mache ich, wenn um jemanden getrauert wird, der mir selbst am Herzen liegt?
Soll ich dann auch still auf einer Kirchenbank sitzen und so tun als würde ich dazu gehören? Meine Lippen still halten oder soll ich mitsingen und die Betsprüche rezitieren, die ich sowieso auswendig kann? Soll ich in der Mitte der Trauernden sitzen und ihre Spiritualität absaugen, negieren, umkehren und den heiligen Kirchenboden entweihen? Oder tue ich den verstorbenen Seelen einen Gefallen in dem ich der kirchlichen Trauerfeier fern bleibe?
- BM out -
Black_Mage - am Sonntag, 23. April 2006, 22:06
chazta hat am 24. Apr, 10:21 ein Lebenszeichen gegeben
vor 200 jahren hätten sie dich dafür verbrannt
Black_Mage hat am 24. Apr, 18:53 den Schein gewahrt
ha, sobald der Vatikan meine identität rausbekommen hat, werden sie sicherlich schon anfangen trockenes Holz zusammen zu tragen...